Nagetiere laufen sehr viel
Kurze Antwort. Der Bewegungsdrang. Wilde Goldhamster müssen in der freien Natur ziemlich viel laufen. Sei es, um Nahrung zu suchen, um vor Feinden wegzulaufen oder auf der Suche nach einem Partner. Das ist auch nicht nur bei Hamstern so, sondern bei praktisch allen Nagetieren. Es gibt auch Laufräder für Meerschweinchen. Dass man trotzdem meistens vom Hamsterrad spricht, liegt vor allem daran, dass Laufräder für andere Nager nicht so verbreitet sind. Das wiederum kommt vor allem daher, dass andere Nagetiere größer sind und größere Laufräder bräuchten. Wenn man ein Meerschweinchen in ein Hamsterrad setzen würde, wäre es dauernd im Hohlkreuz.Das wäre nicht so gesund.
Dass der Bewegungsdrang in der Natur der Tiere liegt, kann man auch experimentell zeigen. Wenn man Hamstern eine Laufradattrappe zur Verfügung stellt – ein Rad, das sich gar nicht dreht – dann fangen sie irgendwann an, am Gitter des Laufstalls zu nagen oder versuchen gar, hochzuklettern. Das kann man als Ausbruchsversuch deuten, zumindest aber als ein Zeichen, dass sich das Tier nicht wohlfühlt.
Laufen ist kein Suchtverhalten
Die Vermutung, das Laufen könnte ein Suchtverhalten sein, ist inzwischen widerlegt. Wäre es ein Suchtverhalten, würden die Tiere zum Beispiel mehr laufen als ihnen guttut – das ist ein typisches Merkmal von Sucht. Das tun sie aber nicht; sie können auch mal aufhören.
Nun könnte man sagen: Wenn sie aufhören, dann vielleicht nur deshalb, weil sie schlapp sind und einfach nicht mehr können. Stimmt aber auch nicht. Auch dazu gibt es Versuche. Wenn man nämlich die Tiere stresst, indem man zum Beispiel ein Frettchen in ihrer Sichtweite positioniert – Frettchen sind natürliche Fressfeinde – dann laufen sie besonders viel, wie in der Natur auch. Das heißt aber im Umkehrschluss: Wenn sie mal aus dem Laufrad aussteigen, dann nicht, weil sie nicht mehr können, sondern weil ihr Bewegungsdrang gestillt ist. Ähnlich wie wenn Menschen einen Spaziergang beenden – Spazierengehen macht ja in der Regel auch nicht süchtig.
30.000 Umdrehungen pro Nacht – 20 bis 30 Kilometer
Wenn ein Tier in einem Hamsterrad bis zu 30.000 Umdrehungen in der Nacht zurücklegt und man das umrechnet, sind es 20 bis 30 Kilometer. Weibchen laufen während ihres Eisprungs mehr – auch das liegt in ihrer Natur, denn in der freien Wildbahn würden sie sich auf Männersuche begeben. Wenn sie aber Junge haben, interessiert sie das Laufrad gar nicht. In der Natur würden sie sich auch um den Nachwuchs kümmern, statt durch die Landschaft zu laufen.
Dank an: Sabine Gebhardt, Universität Bern
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