Das Wissen

Jüdisches Leben in Deutschland – Sichtbar bleiben trotz Bedrohung

Teilen

Stand

Von Autor/in Lissy Kaufmann

Parolen auf Häuserwänden, Beschimpfungen, Angriffe auf der Straße – in Deutschland hat der Antisemitismus seit dem Hamas-Angriff am 7. Oktober 2023 und Israels militärischer Reaktion stark zugenommen.

Jüdinnen und Juden fühlen sich zunehmend bedroht und vom Staat allein gelassen. Trotz politischer Solidaritätsbekundungen denken viele ans Auswandern. Manche ziehen sich ins Private zurück, andere kämpfen dafür, dass jüdisches Leben sichtbar bleibt.

Aber alle sagen: Der neue, alte Antisemitismus bedroht jüdisches Leben in Deutschland grundsätzlich.

Diskussion Zwischen Alltag und Nahostkonflikt – Was bedeutet Jüdischsein heute?

Hat die Linke ein grundsätzliches Problem mit Antisemitismus? In der Parteienlandschaft wird heftig diskutiert. Aber wie geht es jüdischen Menschen in Deutschland in dieser Debatte? Wie hat sich seit dem Angriff der Hamas auf Israel vor drei Jahren auch ihr Leben verändert?

Forum SWR Kultur

AfD-Wahlerfolg schürt Ängste Jüdische Studierende in großer Sorge nach dem Wahlergebnis in Sachsen-Anhalt

Das Wahlergebnis in Sachsen-Anhalt wirkt bundesweit nach. Bei vielen jungen jüdischen Menschen in Deutschland ist die Stimmung deshalb derzeit sehr gedrückt - auch in RLP und BW.

14.9.2006 Erste Rabbiner-Ordination seit der NS-Zeit

14.9.2006 | Nach 1945 lebten nur noch wenige Juden in Deutschland. Erst langsam wurde jüdisches Leben wieder aufgebaut. In den 1990ern wuchs der Bedarf an Rabbinern.

Archivradio-Gespräch Trotz Auschwitz – Jüdisches Leben in Deutschland nach 1945

Judentum nach 1945 – was bedeutete das? Historische Aufnahmen u.a. mit Hannah Arendt, Fritz Bauer, Hans Rosenthal – kommentiert vom Publizisten und Zeitzeugen Micha Brumlik.

Jahrestag Hamas-Angriff Wie Israel zum Staat wurde – Die Vorgeschichte des Nahostkonflikts

Als David Ben Gurion am 14. Mai 1948 Israel für unabhängig erklärte, glich die Region einem Pulverfass: Gefechte, Überfälle auf Siedlungen, Massaker an den jeweils anderen.

Das Wissen SWR Kultur

75 Jahre Staatsgründung Israel – Ein Land sucht seine Identität

Israel zählt zu den weltweit am höchsten entwickelten Ländern mit innovativen Start-ups. Doch die aktuelle rechts-religiöse Regierung und der Palästinenser-Konflikt bedrohen die Demokratie.

SWR2 Wissen SWR2

Nahostkonflikt Zweite Intifada 2002 – Eskalation zwischen Israel und Palästina

Nach einem Attentat mit 30 Toten startete Israel eine Militäroffensive im Westjordanland. Auch 20 Jahre später dauert das Trauma an – auf beiden Seiten.

SWR2 Wissen SWR2

Altertumsforschung Biblische Archäologie – Von Gaza bis zum See Genezareth

Was sagt die Archäologie über den Auszug aus Ägypten? Über David und Salomon? Welche Rolle spielte der heutige Gaza-Streifen in biblischer Zeit – und wie sehr ist die Archäologie im Heiligen Land heute politisch überladen?

Das Wissen SWR Kultur

Stereotype Wann ist Israelkritik antisemitisch?

Kritik an konkreten Handlungen ist legitim. Mithilfe der 3-D-Regel lässt sich prüfen, unter welchen Bedingungen Israelkritik antisemitisch ist. Von Gábor Paál | Text und Audio dieses Beitrags stehen unter der Creative-Commons-Lizenz CC BY-NC-ND 4.0.

SWR2 Wissen Über Antisemitismus sprechen (1/2) – Was hilft gegen Judenhass?

Von Gábor Paál

SWR2 Wissen SWR2

Bildung Über Antisemitismus sprechen (2/2) – Was Schulen tun können

Seit Jahrzehnten behandeln Schulen den Holocaust im Unterricht. Trotzdem ist "Jude" auf Schulhöfen als Schimpfwort zu hören und Jugendliche provozieren mit Wörtern wie "vergasen".

SWR2 Wissen SWR2

Hochschule Israel-Palästina-Konflikt auf dem Campus – Was Unis aus den Protesten lernen

Hörsaalbesetzungen und Polizeieinsätze: Immer wieder eskalieren im Israel-Palästina-Konflikt Proteste an Unis. Doch Hochschulen versuchen Verständigung, selbst wenn sie schwierig und Einigung nicht immer möglich ist.

Das Wissen SWR Kultur

Politik Antisemitismus in der deutschen Linken – Unterschätzter Judenhass

Der Antisemitismus-Skandal auf der documenta zeigt einmal mehr: es gibt Judenhass auch im politisch linken Milieu. Dieser Antisemitismus wurde bisher kaum beachtet oder aufgearbeitet.

SWR2 Wissen SWR2

Nahostkonflikt Die Palästinenser und ihr Staat – Eine Geschichte des Scheiterns

Seit über 100 Jahren kämpfen die Palästinenser um einen eigenen Staat. Doch die Probleme sind vielfältig.

Das Wissen SWR Kultur

Geopolitik Wie entstand der Gazastreifen als politisches Gebilde?

Schon beim Blick auf die Landkarte wirkt der Gazastreifen merkwürdig. Ein kleiner schmaler Küstenstreifen, eingekapselt zwischen Israel und Ägypten. Wie entstand dieses Gebiet? Von Gábor Paál | Text und Audio dieses Beitrags stehen unter der Creative-Commons-Lizenz CC BY-NC-ND 4.0.

25. und 26.1.2006 Hamas gewinnt die Wahlen in Palästinensergebieten

25. und 26.1.2006 | Die regierende Fatah von Präsident Mahmud Abbas wird 2006 abgewählt. Sie gilt als korrupt. Viele setzten deshalb ihre Hoffnung in die Hamas.

15. und 16.8.2005 Rückzug aus dem Gazastreifen – Israel räumt Siedlungen

15. und 16.8.2005 | Bis 2005 lebten im Gazastreifen mehr als 8.000 jüdische Siedler in mehr als 20 Siedlungen. 2004 kündigt Ministerpräsident Ariel Scharon an, diese Siedlungen räumen zu lassen. Ausgerechnet er, der einst einer der Väter der Siedlerbewegung war.
Offiziell begründet Scharon die Entscheidung damit, dass es im Gazastreifen keine Chance auf eine jüdische Mehrheit geben kann. Außenpolitisch verkauft er es auch als Zugeständnis im israelisch-palästinensischen Friedensprozess. Viele deuten es aber so, dass Scharon glaubt, dass Israel nicht alle Siedlungen wird behalten können. Und dass er Gaza aufgibt, um umso mehr an den Siedlungen im Westjordanland festzuhalten.
Seine Entscheidung ist jedenfalls in seinem Kabinett umstritten. Scharons Finanzminister – der spätere Regierungschef Benjamin Netanjahu – tritt aus Protest gegen die Entscheidung zurück, und zwar kurz bevor die Räumung am 15. August 2005 beginnt.
An jenem Tag sendet SWR1 diese Hintergrundsendung. Sie zeigt den Widerstand der Siedler, aber auch, wie Experten damals den Abzug aus Gaza eingeschätzt haben.
Es folgt eine Reportage vom 16. August 2005. Korrespondent Ralf Borchard schildert auch hier die heftigen Proteste einiger Siedler.

29.11.1947 UN-Vollversammlung stimmt für Aufteilung Palästinas

29.11.1947 | Bis zum Ersten Weltkrieg gehörte Palästina zum Osmanischen Reich. Das Osmanische Reich gehörte aber zu den Kriegsverlierern und hat sich in der Folge aufgelöst. Palästina wurde Mandatsgebiet von Großbritannien. In dieser Zeit und schon vorher wanderten viele Juden nach Palästina aus. Großbritannien hatte den Juden schließlich schon 1917 versprochen, in Palästina eine Heimstätte für das jüdische Volk zu schaffen. Das war die berühmte Balfour-Erklärung.
Die Einwanderung führte allerdings zu schweren Konflikten mit den ebenfalls dort lebenden Arabern. Großbritannien war mit den wachsenden Spannungen überfordert und stand auch unter Druck, Palästina in die Unabhängigkeit zu entlassen. Aber die Bevölkerung Palästinas bestand zu diesem Zeitpunkt aus Juden und Arabern und beide hatten sehr unterschiedliche Vorstellungen von der Zukunft des Landes.
Also übergab Großbritannien das Problem an die Vereinten Nationen. Die verabschiedeten einen Teilungsplan. Palästina wurde auf dem Papier in einen jüdischen und einen palästinensischen Staat geteilt. In diesem Teilungsplan zerfiel übrigens auch der jüdische Staat in einen nördlichen und einen südlichen Teil, Jerusalem gehörte in diesem Plan nicht zum jüdischen Staatsgebiet, sondern sollte unter internationale Kontrolle gestellt werden.
Über diesen Teilungsplan stimmte die UN-Vollversammlung am 29. November 1947 ab.
Mit 33 Ja- zu 13 Nein-Stimmen bei 10 Enthaltungen stimmte die Mehrheit für die Aufteilung des Landes. Großbritannien hat sich als ehemalige Mandatsmacht enthalten. Ein halbes Jahr später erklärt Israel seine Unabhängigkeit.

Mai 1947 David Ben-Gurion fordert vor den UN jüdischen Staat

Mai 1947 | Die Situation in Palästina hatte Großbritannien 1947 längst nicht mehr im Griff. Die gewaltsamen Spannungen zwischen der arabischen und jüdischen Bevölkerung schienen unlösbar. Beide Seiten wollten Unabhängigkeit, beide aber zu ihren eigenen Bedingungen.
Im April 1947 beantragte Großbritannien schließlich, dass sich die UN (Vereinte Nationen) damit befassen mögen. Die UN-Vollversammlung kam Ende April 1947 zusammen, um zwei Wochen lang über eine Lösung für die Palästinafrage zu beraten. Gegen Ende kam auch David Ben-Gurion (1886 - 1973) dazu, der Kopf der Jewish Agency und damit de facto Sprecher der Juden in Palästina.
Ben-Gurion hatte eine durchaus militante Vergangenheit, sah aber schließlich Chancen für eine friedliche Koexistenz eines jüdischen Staats zwischen freien arabischen Nachbarn, mit denen er kooperieren würde. Dafür warb Ben-Gurion auch vor den UN. Ziel sei eine jüdisch-arabische Allianz, in der alle alle – wie er sie zusammenfasste – semitischen Staaten, also der jüdische und die arabischen Staaten, davon wirtschaftlich und sozial profitieren und wirklich unabhängig würden.
Am letzten Tag der zweiwöchigen Sitzung, am 15. Mai 1947, beschloss die UN-Vollversammlung schließlich die Einrichtung eines Sonderausschusses zur Lösung der Palästinafrage. Dieser Ausschuss entwarf im weiteren Verlauf den Teilungsplan, den die Vereinten Nationen im November 1947 annahmen.
Am 14. Mai 1948 endete Großbritanniens Mandat über Palästina. Noch am selben Tag erklärte David Ben-Gurion die israelische Unabhängigkeit.

Erstmals publiziert am
Stand
Autor/in
Lissy Kaufmann