Jahrelang lebte Ricarda Messner in Berlin in unmittelbarer Nachbarschaft zu ihren Großeltern. Später, als sie deren Wohnung auflöst und Erinnerungsstücke ins Haus nebenan, in ihr eigenes Leben hinüberrettet, wird ihr klar: Was sie viel mehr noch bewahren will als das physische Erbe ist der Familienname Levitanus.
"Und irgendwo zwischen den beiden Häusern überkam mich eine Sehnsucht. Ich wollte den Nachnamen wieder tragen, sehnte mich nach ihm wie nach Großmutters Gesicht, das ich nicht mehr sehen würde."
Die Suche nach diesem Namen wird zur Reise – durch deutsche Behörden, die ihr das Annehmen des Namens verweigern, durch den Familienalltag der vergangenen Jahre und schließlich zurück nach Riga. Dort findet sie im ehemaligen Ghetto ein Fenster, das eng mit dem Schicksal ihres Urgroßvaters Salomon verbunden ist.
Messner dokumentiert und verwebt die Lebenslinien mehrerer Generationen. Zwischen dem sowjetischen Lettland der 1970er Jahre und dem Deutschland der Gegenwart wird die Großmutter, die zwischen den Sprachen und Welten pendelte, zur zentralen Bezugsperson.
"Großmutter hat unseren Alltag auf ihre Art besser festgehalten. Wenn sie anrief und mich nicht erreichte, legte sie nicht sofort auf, sondern wartete, bis sie eine Nachricht hinterlassen konnte."
In einer einzigartigen Collage aus russischen Liedtexten, Sprachnachrichten der Großmutter und historischen Dokumenten erzählt Messner von vier Generationen.
„Wo der Name wohnt“ ist zugleich eine persönliche Familiengeschichte und ein Zeugnis der nationalsozialistischen Verbrechen in Lettland – und macht Zeitgeschichte erfahrbar, indem der Zugang vor allen Dingen über das Alltägliche, das Miteinander geschieht.
Nach dem gleichnamigen Roman von Ricarda Messner
Mit: Marina Frenk, Sebastian Mirow, Marietta Meguid, Barbara Nüsse u. a.
Musik: Nicolas Haumann
Hörspielbearbeitung und Regie: Björn SC Deigner
SWR 2025 – Premiere
Ricarda Messner, geboren 1989, ist Mitbegründerin und Herausgeberin des Flaneur Magazins, das sich pro Ausgabe einer Straße in einer anderen Stadt widmet. Es wurde mehrfach ausgezeichnet. Für ihren Debütroman “Wo der Name wohnt” erhielt Messner das Alfred-Döblin-Stipendium. Die Autorin lebt und arbeitet in Berlin.