Dirk Schäffer, Referent für Drogen und Strafvollzug bei der deutschen Aidshilfe, fordert im Gespräch mit SWR Aktuell-Moderator Bernhard Seiler ein Umdenken in der Drogenpolitik. "Wir versuchen seit fast 50 Jahren Drogenkonsum maßgeblich über die Bestrafung zu regeln." Die Daten würden jedoch zeigen, dass das nicht funktioniert, sagt der Experte anlässlich des internationalen Gedenktags für Drogentote (21.07.2025). Das gelte vor allem für Jugendliche, deren Risikobereitschaft hoch sei. Deshalb seien im vergangenen Jahr mehr junge Menschen an den Folgen des Drogenkonsums gestorben als 2023.
Es macht keinen Sinn, wenn man Menschen bestraft, anstatt ihnen ein Hilfsangebot zu machen.
Geschichte Die Geschichte der Kriminalisierung von Drogen
Wer Anfang des 19. Jahrhunderts in der westlichen Welt Drogen kaufen wollte, ging in die Apotheke. Wer Anfang des 21. Jahrhunderts in der westlichen Welt Drogen kaufen wollte, musste zu seinem Dealer. Wie kam es dazu?
Keine Strafen für Drogenkonsum gefordert
Der Referent bei der deutschen Aidshilfe macht sich deshalb für eine Entkriminalisierung des Drogenkonsums stark. So wie in Portugal sollten "Besitz und Konsum von psychoaktiven Substanzen bis zu einer gewissen Menge straffrei gestellt werden". Eine solche Maßnahme müsse von Hilfsangeboten begleitet werden. Dazu gehörten: Drogenberatung, ambulante Therapien, Drogenkonsumräume oder Drug-Checking, also "das legale Testen, wie sauber die Droge ist" (Anm.d.Red.).
Führt Legalisierung zu mehr Drogenkonsum?
Kritiker einer Entkriminalisierung warnen vor einem Anstieg des Drogenkonsums. Dirk Schäffer entgegnet, Studien aus anderen Ländern, die einen liberaleren Kurs als Deutschland in der Drogenpolitik verfolgen, würden das nicht belegen. Die Entscheidung, Drogen zu nehmen, hätten die meisten bereits getroffen - die entsprechende Substanz gekauft. Deshalb halte er es für abwegig, dass Menschen durch Angebote wie das Drug-Checking zum Drogenkonsum animiert werden könnten.
Klarheit über Zusammensetzung von Drogen notwendig
Ein weiterer Schritt zu einer anderen Drogenpolitik ist nach Ansicht der deutschen Aidshilfe eine umfassende Datenanalyse. Dazu gehörten: das Untersuchen von Abwasser, die Obduktion von Leichen verstorbener Drogenabhängiger und mehr toxikologische Gutachten. Davon verspricht sich der Referent für Drogen und Strafvollzug einen besseren Überblick, was in den Drogen enthalten ist und eine tödliche Wirkung haben könnte. Ein solches Vorgehen diene dazu, Drogenabhängige zu schützen.