Kennen Sie auch, oder: Dieses Gefühl bei anhaltender Hitze, warme Watte im Kopf zu haben? Wenn nicht, leben Sie Glückspilz wohl in klimatisierten Räumen, einer Berghütte in luftiger Höhe oder einer natürlich gekühlten Wohngrotte.
Wenn die Hitzewelle zu lange dauert - ab zur Coolcation ans Mittelmeer
Alle anderen laufen nun schon seit geraumer Zeit mit dieser warmen Watte im Kopf herum und äußern diesen Zustand typabhängig unterschiedlich. Die einen fluchen deutlich mehr als sonst, vor allem im Straßenverkehr. Andere kommen nachts nicht zur Ruhe und wanken mit klitzekleinen Äuglein unter der schweißnassen Stirn durch den Tag. Wieder andere sind so antriebslos, dass jede körperliche Regung nur unter Stöhnen möglich ist.
Klar, dass sich in diesem Zustand kaum vernünftig arbeiten lässt. Es erstaunt also wenig, dass eine Analyse im Auftrag des Arbeitsministeriums ergeben hat, dass ein einziger Hitzetag über 30 Grad die deutsche Wirtschaft rund 430 Millionen Euro kostet!
Da helfen auch die zuverlässig wiederkehrenden Hitzetipps nicht, die nur geben kann, wer mindestens ein Studium in Humanmedizin plus Weiterbildung in Tropenmedizin hat: Auch "leichte Kleidung in hellen Farben" fühlt sich bei 39 Grad an wie eine klebrige Plastiktüte. Die "frühen Morgenstunden für die Arbeit zu nutzen" macht Sinn - für Kinderlose mit Gleitzeit. Für Erwerbstätige im Schichtsystem oder jedweder Einrichtung mit festen Öffnungszeiten, leider nutzlos. Und "lauwarmer Kräutertee" hydriert vielleicht besser als eiskalte Cola, eine "Erfrischung" ist er deshalb noch lange nicht. Dass das ernsthaft und öffentlich behauptet wird, kann nur an der warmen Watte liegen.
Wobei nochmal andere solche Tipps gar nicht brauchen, schließlich handelt es sich gar nicht um Hitze, sondern lediglich um "schönes Wetter", was pauschal als Synonym für "viel Sonne, kein Regen" verwendet wird. Und mit dem Klimawandel hat das bisschen Hitze natürlich nichts zu tun, ist halt Sommer, und selbst wenn: Solange die Chinesen und die Amerikaner und die furzenden Kühe…also, da fallen unsere paar Flugreisen doch nicht ins Gewicht! Irgendwo muss man sich doch von der Hitzewelle erholen! Gerade, wenn es davon immer mehr gibt! Übrigens: Kreta, Kroatien oder Korsika sind mittlerweile oft weniger heiß als Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz und nur wenige Flugstunden entfernt! Lohnt sich auch als "Coolcation"-Kurztrip!
Jammerschade, dass sich schulpflichtige Kinder stattdessen mit Hitzefrei begnügen müssen. Das in Baden-Württemberg immerhin verbindlicher werden soll, irgendwann und irgendwie. Doch bahnbrechend ist allein die Idee, die ausschlaggebende Temperatur dann im Klassenraum zu messen, also tatsächlich da, wo sich die Schülerinnen und Schüler die meiste Zeit aufhalten. Aktuell gilt die Außentemperatur im Schatten. Wer sich das ausgedacht hat? Definitiv jemand mit warmer Watte im Kopf.
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