"Den Schulleitungen muss bewusst sein, dass ihre Haltung wie eine Kaskade heruntergeht und alle in der Schule beeinflusst", sagt Florence Brokowski-Shekete. Es sei wichtig, Lehrer, Schüler - bis hin zur Reinigungskraft für das Thema zu sensibilisieren. Denn wenn Schulleiter Rassismus durchgehen ließen, "kann es sein, dass manche denken: es ist ja egal, wenn ich jemanden diskriminiere. Es folgen eh keine Sanktionen." Alle müssten an einem Strang ziehen und deutlich machen: "Diskriminierung hat hier keinen Platz."
Diskriminierung durch Schüler nie ein Thema
Ihr Lehramtsstudium hat Florence Brokowski-Shekete 1995 abgeschlossen. In Weinheim arbeitete sie als Lehrerin, in Schwetzingen war sie als Schulleiterin tätig. Von Seiten der Schülerinnen und Schüler habe sie niemals Rassismus erfahren - das Gegenteil sei der Fall gewesen. Am Ende ihrer Zeit als Schulleiterin in Schwetzingen hätten zwei schwarze Schülerinnen aus der fünften Klasse gesagt: "Das ist so schade, dass Du jetzt gehst. Jetzt haben wir endlich eine Schule gefunden, wo die Schulleiterin so aussieht wie wir."
Rassistische Erfahrung mit anderen Lehrkräften
Aus den Reihen des Lehrerkollegiums habe es dagegen diskriminierende Vorfälle gegeben, erzählt Florence Brokowski-Shekete. In ihrer Zeit als Lehrerin in Weinheim habe es eine Situation gegeben, "die absolut rassistisch war". Ähnliche Erfahrungen habe sie in Schwetzingen erlebt. "Es gab dort Lehrkräfte, die damit nicht umgehen konnten, dass ihre Chefin eine schwarze Frau ist. Das passte nicht in deren Weltbild." Doch die Mehrzahl der Lehrkräfte "waren wunderbare Kolleginnen und Kollegen, zu denen ich heute noch einen sehr guten Kontakt habe".
Sensibler Umgang bei Rassismus an Schulen notwendig
Als erste schwarze Schulamtsdirektorin Deutschlands könne sie auf ihre Erfahrungen im aktiven Schulbetrieb zurückgreifen, um Hilfestellung bei Rassismus und Diskriminierung zu geben, erzählt Florence Brokowski-Shekete. "Denn alles, was man selbst gefühlt hat, kann man gut übertragen." Wichtig sei es bei rassistischen Vorfällen, eine Lehrkraft wegen diskriminierendem Verhalten nicht "an den Pranger zu stellen". Vielmehr müsse im Gespräch an die Verantwortung appelliert werden. Dabei könne sie Schulleiter unterstützen, auch weil sie von ihrer Sozialisation in Deutschland profitiere. Denn sie könne sich vorstellen, wie man "Situationen als weiße Person sieht oder interpretiert".