Forschungsministerin Bär setzt auf mehr Hightech und Raumfahrt. Im Interview der Woche verspricht die CSU-Politikerin Milliarden für die ESA und einen neuen Namen fürs BAföG.
Deutschland richtet seine Forschungspolitik neu aus: mehr Hightech, mehr Raumfahrt – so die Vision von Dorothee Bär (CSU). Seit Mai steht sie an der Spitze eines neu zugeschnittenen Ressorts: dem Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt. Erstmals taucht der Begriff Raumfahrt im Ministeriumsnamen auf – für Bär ein bewusstes Signal: "Das wurde international extrem positiv wahrgenommen", so die Ministerin im ARD Interview der Woche. "Die Raumfahrt spielt eine ganz große Rolle für unsere Industrie und Wirtschaft."
ESA-Ministerratskonferenz: Bär rechnet mit 5 Milliarden Euro aus Deutschland
Bär bereitet derzeit die Ministerratskonferenz der Europäischen Weltraumorganisation (ESA) in Bremen vor – nach über 20 Jahren ist Deutschland wieder Gastgeber. Dort legen die über 20 Mitgliedsstaaten die Budgets und Programme der ESA für die nächsten drei Jahre fest. Bär bezeichnet den Vorsitz Deutschlands als "große Ehre". Hinter dem Treffen steckt aber auch politische Bedeutung: Es geht auch um Sicherheit und Verteidigung im und aus dem All.
Bayern, Bremen und Baden-Württemberg – wichtige und starke Raumfahrt-Standorte – fordern sechs Milliarden Euro als deutschen Beitrag, also fast doppelt so viel wie bisher (3,5 Milliarden Euro). Erstmals nennt Bär im Interview eine Zahl: "Ich denke, es schaut momentan ganz gut aus, dass wir auch auf fünf Milliarden kommen können." Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) hatte kürzlich 35 Milliarden Euro für militärische Raumfahrtprojekte angekündigt.
Bär ergänzt: "Vielleicht kann man da auch noch mal eine Lösung finden, um noch mal eine Schippe draufzulegen". Fest stehe: "Wir werden der größte Geber sein."
Wissenschaftsfreiheit: Deutschland als "Sehnsuchtsort" für Forscher
Ein weiterer Schwerpunkt ist das Programm "1000 Köpfe Plus", mit dem internationale Spitzenforscher nach Deutschland geholt werden sollen – gerade in Zeiten, in denen die Wissenschaftsfreiheit weltweit unter Druck steht, nicht nur in den USA. Deutschland erscheine daher im Forschungsbereich als "ein Sehnsuchtsort" für Forscher, so Bär. Die Wissenschaftsfreiheit in Deutschland ist im Grundgesetz garantiert, was ein Standortvorteil sei, "den haben eben nicht mehr alle Länder."
BAföG: "Klingt nicht gerade sexy" – neuer Name, neuer Schwung?
Für das Wintersemester 2026/27 kündigt Bär außerdem eine BAföG-Novelle an. Ihr Ziel, das auch schon ihre Vorgängerinnen im Amt hatten: das System schneller, digitaler und bekannter machen – denn die Zahl der Geförderten war zuletzt auf den niedrigsten Stand seit 2000 gesunken.
Bär kann sich auch einen neuen Namen vorstellen, "weil ich erlebe ganz oft, (…) dass das jetzt in Studierendenkreisen nicht den besten Ruf hat, was ich sehr schade finde, weil das nichts ist, wofür man sich schämen muss". Außerdem sei das Bundesausbildungsförderungsgesetz für sie ein "Galgenmännchenwort", das nicht "total sexy" klinge. Die CSU-Ministerin denkt über einen anderen Namen nach, etwa in die Richtung "Stipendiensystem".
Klar ist für sie, "dass es nicht am Geldbeutel des Elternhauses scheitern darf, ob man ein Studium in Angriff nimmt oder nicht." Auch bei den Regelsätzen (derzeit maximal 992 Euro monatlich) und beim Wohngeld (380 Euro) soll nachjustiert werden.