Arbeitnehmer, die wenig verdienen, würden von einer verpflichtenden betrieblichen Altersvorsorge (bAV) - also einer Betriebsrente - profitieren, erläutert der Experte. "Wenn eine solche betriebliche Altersvorsorge weiterhin steuerfrei- und sozialabgabenfrei bleibt, ist es für Menschen mit nicht so hohen Einkommen möglich, mehr in eine solche Betriebsrente zu sparen, als ihnen das privat möglich wäre." Denn wer einen niedrigen Lohn beziehe, habe nicht genug Geld, um am Kapitalmarkt Vermögen aufzubauen. Auch die finanziellen Möglichkeiten, in eine private Altersvorsorge zu investieren, seien begrenzt.
Eine verpflichtende bAV könnte auch Nachteile haben, gibt der Finanzexperte zu bedenken. Arbeitnehmer hätten "weniger netto vom brutto" übrig. Wer Teile seines Verdienstes beispielsweise lieber ansparen und als Startkapital für den Immobilienkauf verwenden möchte, hätte dafür weniger finanziellen Spielraum.
Was für eine verpflichtende Betriebsrente wichtig wäre
Aus Sicht von "Finanztip" müsste die Politik für eine verpflichtende Betriebsrente die folgenden Rahmenbedingungen schaffen, sagt der Chefredakteur des Geldratgebers:
- Die Gesamtkosten müssten transparent gemacht werden und auf maximal 0,5 Prozent inklusive der Kapitalanlage gedeckelt werden.
- Bei einem Wechsel des Unternehmens müsste die bAV problemlos zu einem neuen Arbeitgeber mitgenommen werden können.
- Die Beitragsgarantie, mit der 100 Prozent der eingezahlten Beiträge bei Rentenbeginn garantiert werden, müsste abgeschafft werden. "Nur so wird es jüngeren Arbeitnehmern unter 50 ermöglicht, schwerpunktmäßig auch in Aktien zu investieren."
Warum Aktien Teil einer verpflichtenden Betriebsrente sein müssten
Saidi Sulilatu befürwortet die eben erwähnten garantiefreien Produkte bei einer verpflichtenden bAV. Eine Betriebsrente ohne Beitragsgarantie beinhalte zwar ein finanzielles Risiko und das widerspreche dem in Deutschland vorherrschenden Sicherheitsbedürfnis bei der Geldanlage, räumt er ein: "Doch das ist notwendig, um eine Rendite oberhalb der Inflationsrate zu erzielen. Denn ein breit gestreutes Aktieninvestment hat über lange Zeiträume immer positive Renditen aufgewiesen und sich auch von schweren Einbrüchen erholt." Die Deutschen müssten sich daran erst gewöhnen. "In Schweden hat man das bereits geschafft", gibt der "Finanztip"-Chefredakteur zu bedenken.
Wie die Rente zukunftssicher werden soll
Die Rentenkommission hat am Dienstag ihre Reformvorschläge vorgestellt. Deren Vorsitzender Frank-Jürgen Weise, zeigte sich zufrieden. Er betonte, das Gremium habe sich einstimmig für das Gesamtpaket der 33 Empfehlungen ausgesprochen. Zu den Vorschlägen gehört, dass alle Alterseinkünfte - also neben der gesetzlichen Rente auch eine Betriebsrente und die private Vorsorge - zusammen genommen mindestens 70 Prozent des letzten Nettolohns ausmachen. Eine verpflichtende Betriebsrente soll aber erst einmal nicht kommen.
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