25. und 27. März 2026

Silence & Music

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KONZERTTERMINE

MI 25. MÄRZ 2026, 19.30 UHR
Kandel, St. Georgskirche

KONZERTREIHE DES SWR VOKALENSEMBLES
FR 27. MÄRZ 2026, 20 UHR
Stuttgart, Liederhalle Mozartsaal
19 UHR Konzerteinführung mit Ilja Stephan

Hörfunk und Video-Livestream
Das Konzert am Freitag, 27. März 2026, 20 Uhr, wird live im Hörfunk sowie im Videostream auf SWRKultur.de (oder: SWR.de/ve) gesendet und ist anschließend auf youtube zu finden.

PROGRAMM

SILENCE & MUSIC

EDWARD ELGAR (1857 – 1934)
There is sweet music op. 53 Nr. 1 (1907)

RALPH VAUGHAN WILLIAMS (1872 – 1958)
Silence and Music (1953)

EDWARD ELGAR
Owls op. 53 Nr. 3 (1907)

THOMAS VAUTOR (1592 – 1619)
Sweet Suffolk Owl (ersch. 1619)

ORLANDO GIBBONS (1583 – 1625)
The Silver Swan (ersch. 1612)
Dainty fine Bird (ersch. 1612)

JUDITH BINGHAM (*1952)
The Drowned Lovers (1998, rev. 2009)
Solo: Wiebke Wighardt, Alt

CHARLES VILLIERS STANFORD (1852 – 1924)
The Blue Bird op. 119 Nr. 3 (1910)

PAUSE

JONATHAN HARVEY (1939 – 2012)
Song of June (1960, rev. 2010)

EDWARD COWIE (*1943)
Lyre Bird Motet (2002)
Soli: Johanna Zimmer, Wakako Nakaso, Kirsten Drope, Sopran

RICHARD RODNEY BENNETT (1936 – 2012)
Sea Change (1983)
I. The isle is full of noise
II. The Bermudas
III. The waves come rolling
IV. Full fathom five
Soli: Steffen Kruse, Tenor, Bernhard Hartmann, Bass

RICHARD RODNEY BENNETT
Goodnight (1999)

Mitwirkende

SWR Vokalensemble
Marcus Creed / Dirigent

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ÜBER DIESES PROGRAMM

Für sein Wiedersehen mit dem SWR Vokalensemble hat Marcus Creed einen Gruß aus seiner englischen Heimat mitgebracht: Madrigale der Renaissance, Partsongs des frühen 20. Jahrhunderts und die Echos dieser Genres in Kompositionen unserer Tage sind in diesem Programm vereint. Von wegen „anglia non cantat“ (Die Angelsachsen singen nicht). Chorisches Singen, ob im Kirchenchor oder den Glee clubs, dem Äquivalent zum deutschen Männergesangsverein, war im 19. Jahrhundert in Great Britain eine echte Massenbewegung: etwas im besten Sinne Populäres, Volkstümliches und Geselliges. Was nicht heißt, dass man ohne Ehrgeiz gewesen wäre. Im Jahr 1907 gab es auf den Inseln nicht weniger als 75 verschiedene Chorwettbewerbe mit rund 50.000 Beteiligten. Das musikalische Feld, auf dem man sich maß, war der Partsong, also die Vertonung weltlicher Texte für ein (meist) vierstimmiges gemischtes Ensemble. Textlich-musikalisch wird bei weitem nicht alles, was in Glee clubs gesungen wurde, höchsten künstlerischen Maßstäben genügt haben – ausgerechnet im viktorianischen England erfreuten sich traditionelle Catches (Rundgesänge) mit anzüglichen Texten wie „My Man John“ größter Beliebtheit. Die Werke des heutigen Abends aber repräsentieren den hochkulturellen Überbau dieser populären Strömung; Texte und Musik der Partsongs bekunden hier Kunstanspruch. Vorbild dafür war die deutsche Romantik, vier der fünf beliebtesten Komponisten auf britischen Chormusikfestivals waren Deutsche (Mendelssohn, Schumann, Cornelius, Brahms), deren Chorsätze allerdings sang man auf Englisch. Den ersten Rang in der Beliebtheitsskala aber nahmen die Partsongs von Edward Elgar ein.

EDWARD ELGAR: THERE IS SWEET MUSIC

Für Elgar war die Nachveredelung des Partsongs eine Herzensangelegenheit; er sah dies geradezu als nationale Bildungsaufgabe an. Wobei er neidisch nach Deutschland blickte, wo er beim Publikum eine tiefe Vertrautheit mit den Texten der eigenen Dichtergrößen vermutete. Elgars Textauswahl für seine Partsongs spiegelt zunächst einmal tiefe Skepsis: Nur zweitklassige Texte seien zur Vertonung geeignet, befand Sir Edward, erstklassige seien schon in sich vollkommen. Die vier Partsongs op. 53 von 1907 bilden davon eine bemerkenswerte Ausnahme. Hier wählte der Komponist Lyrik von Shelley, Byron und Tennyson als Textgrundlage und fügte selbstbewusst ein eigenes, viertes Gedicht hinzu. Auch die Musik spiegelt den besonderen Anspruch, den Elgar gerade mit diesem Zyklus verband. Die Nr. 1 „There is sweet music“ ist von besonderer Kühnheit: Das Stück steht in zwei Tonarten zugleich; die Herren singen in G-Gur, die Damen in As-Dur. Die träumerische Musik schwebt quasi zwischen den tonalen Polen. So setzte Elgar die poetische Intention des Dichters um, denn Tennysons „The Lotos Eaters“ schildert die psychedelische Wirkung, die mit dem Verzehr der Lotus-Pflanze einhergeht. Kurz, das lyrische Ich in dieser Hymne an die Musik ist „stoned“. Die irritierende Bi-Tonalität, die Elgar in diesem Pflichtstück für einen der Chorwettbewerbe ausprobierte, hatte allerdings zur Folge, dass „die Hälfte der Chöre gar nicht erst antrat“, wie ihm der Widmungsträger, Canon Garton, schrieb.

Tennyson’s The Lotos-Eaters, Illustration von W.E.F. Britten, 1901
Tennyson’s The Lotos-Eaters, Illustration von W.E.F. Britten, 1901 Illustration von W.E.F. Britten

RALPH VAUGHAN WILLIAMS: SILENCE AND MUSIC

In den Hochzeiten des Partsongs, um die 1910er-Jahre, verzeichnete der Katalog des Novello-Verlags gut 700 Komponisten, die zu diesem Genre beitrugen, und die Chorszene hatte sogar ein eigenes Hausorgan: The Musical Times. 1953 erschien ebendort ein Artikel mit dem Titel „Das Verschwinden des Partsongs“. Das Volk sänge nun lieber Pop- und Jazz-Arrangements, die Profis kultivierten die alte Musik, heißt es da. Ralph Vaughan Williams' im selben Jahr komponiertes „Silence and Music“ wäre also eine Hommage an die Gattung im Moment ihres Verschwindens. Ganz ausdrücklich nimmt der 80-jährige Vaughan Williams dabei Bezug auf den Klassiker des Genres: Das Werk ist dem „Andenken an Charles Villiers Stanford und sein ‘Blue Bird’“ gewidmet. Der Text von Ursula Vaughan Williams, der Frau des Komponisten, liefert dazu eine Metaphysik der Tonkunst: Musik schläft in der Stille; Musik zu machen, heißt, sich der Welt bewusst zu werden. Text und Musik deuten diesen Prozess an: Das Stück beginnt in totaler Ruhe mit dem Bild des schlafenden Schwans, sukzessive werden Bewegung, Naturlaute, der Wind, die See, Vogelgesang und schließlich das unruhige Gefühlsleben des Menschen selbst eingeführt. „In den Oktaven der menschlichen Stimme und Hand“ wird all dies artikuliert und „erweckt“.

EDWARD ELGAR: OWLS

Wenn die Nr. 1 aus den Partsongs op. 53 Elgars Hoffnung auf textlich und musikalisch anspruchsvolle Partsongs dokumentiert, so fasst das vierte und letzte Stück des Zyklus, „Owls“, seine Desillusionierung in Worte und Töne. In diesem, von ihm selbst als „Epitaph“ bezeichneten Werk, spricht Elgar als Komponist und Dichter. Die Harmonik ist womöglich noch kühner und irritierender als in „There is sweet Music“; der Text besteht aus Bildern von Tod und Verfall; die Antwort auf die wiederholten Fragen im Gedicht ist immer dieselbe: „Nothing“ (Nichts). Dieses „Nichts“ wird nicht nur durch Töne, sondern vor allem durch lange Pausen illustriert. Ironischerweise wurde das Stück just am ausgelassensten Tag des Jahres vollendet: an Silvester, dem 31.12.1907. Ist das nun Nihilismus, Melancholie oder britischer Humor?

THOMAS VAUTOR UND ORLANDO GIBBONS: MADRIGALE

Neben der deutschen Romantik war das eigene „goldene Zeitalter“, die Poesie und Musik zur Zeit von Elizabeth I. und ihrem Nachfolger James VI., ein wichtiger Anknüpfungspunkt für die englische „musical renaissance“ Anfang des 20. Jahrhunderts. Ein Wesenszug des Renaissance-Madrigals war, dass es das Madrigal sowohl als literarische wie als musikalische Gattung gab; und die enge Verbindung von Musik und Poesie ist ein Gattungskriterium aller gesungenen Madrigale. Wenn im Text vom Tod die Rede ist, wie in Gibbons‘ „The Silver Swan“, kann man sich darauf verlassen, dass das Wort „death“ mit einer schmerzlichen Dissonanz klanglich ausgedeutet wird. Schaut man sich darüber hinaus die Texte aller Werke dieses Programms an, sieht man feine Fäden quer durch die Jahrhunderte laufen. Motive der Renaissance-Poesie wie die Eule als Todesvogel, der Schwan, der nur in der Stunde seines Todes einmal singt, Vogelgesang oder die Macht der Musik, werden von Elgar oder Vaughan Williams aufgegriffen, zitiert und variiert.

Orlando Gibbons
Orlando Gibbons BBC Music Magazine

JUDITH BINGHAM: THE DROWNED LOVERS

Sich in einen Traditionszusammenhang zu stellen, war ganz offenkundig auch das Anliegen von Judith Bingham. Ihr Stück „The Drowned Lovers“ beruht vollständig auf den Harmonien von Stanfords „Blue Bird“; das Stück ist ausdrücklich als Hinführung zu der Vorlage zu verstehen und soll stets vor „Blue Bird“ gesungen werden. Doch die Komponistin, die ein langjähriges Mitglied der BBC Singers gewesen ist, und die hier als Textdichterin in eigener Sache fungiert, gibt dem Motiv vom blauen, stillen See eine abgründige Wendung. Der Text des Alt-Solos beschwört die Figur einer von der Liebe Enttäuschten, die ihren Geliebten mit sich ins Wasser und in den Beziehungstod gezogen hat. Das lyrische Ich schaut hier nicht auf einen See, sondern singt aus der Perspektive seines in bläuliches Halbdunkel getauchten Unterwasser-Grabes. Im Chor hallen dazu verschwommen Satzfetzen aus dem Text von Stanfords Vorlage nach. Und während in „Blue Bird“ das Augenmerk des Komponisten darauf gelegen hatte, musikalisch die stille, glatte See-Oberfläche zu beschwören, spaltet Bingham das Ensemble in einen achtstimmigen Doppelchor auf, der Stanfords Harmonien in wellenartige Bewegung versetzt.

CHARLES VILLIERS STANFORD: THE BLUE BIRD

Sir Charles Villiers Stanfords „The Blue Bird“ bildet das ideelle Zentrum dieses Programms und ist zugleich das wohl vollkommenste Beispiel eines Partsongs. Seinem Ursprung und Wesen nach ist der Partsong etwas Populäres, Zugängliches. Die hohe Kunst der Partsong-Komposition liegt in der Schlichtheit – was literarisch-musikalischen Tiefgang nicht ausschließt. Stanford gelang in „Blue Bird“ die perfekte Verbindung von Anspruch und raffinierter Einfachheit. Mary Coleridges Text schildert den Moment, in dem sich die blaue Unterseite eines über einen See fliegenden Eisvogels in dessen glatter, himmelblauer Oberfläche spiegelt. Ein flüchtiger Sekundenbruchteil, in welchem dem lyrischen Ich gleichwohl die Erkenntnis einer tiefen Stimmigkeit und Harmonie aufgeht. Stanford fasst dies in eine Folge ruhig schreitender, sanft gespannter Septakkorde. Sein stilbildender Kunstgriff aber besteht darin, die Oberstimme der Soprane entrückt über dem Geschehen schweben zu lassen und mit langen Hochtönen der akkordischen Basis Glanzlichter aufzusetzen. Von Vaughan Williams‘ „Silence and Musik“ bis Binghams „Drowned Lowers“ haben sich Sir Charles‘ Kollegen diesen Trick abgeschaut.

JONATHAN HARVEY: SONG OF JUNE

In Jonathan Harveys „Song of June“ wird gleich eine ganze Folge flüchtiger Glücksmomente aneinandergereiht, zusammengenommen ergeben sie das Panorama eines erfüllten Lebens. Doch wer den Namen des Textdichters Wilfred Owen liest, denkt automatisch an die Schrecken des Krieges; Zeugnis abzulegen vom „Great War“ wurde dessen Lebensthema als Dichter. Owen selbst fiel im November 1918, wenige Tage vor Ende des Krieges. Benjamin Britten hat ihm im „War Requiem“ ein Denkmal gesetzt. Schon die Wahl von Text und Titel deutet die Ambivalenz dieses „Juni“-Liedes an: Der Juni 1914 markiert den letzten Monat des Friedens, der Krieg brach am 28. Juli aus. Owens Tagebuch-Einträge, die Harvey hier vertont, stammen wohl aus den Juli-Tagen vor Kriegsausbruch, nicht aus dem Juni. Obwohl nur von sommerlichem Glück und schönen Dingen die Rede ist, hört und denkt man das Verhängnis mit. Und Harvey vertont entsprechend die einzeln stehenden Worte am Anfang einer jeden Doppelzeile als schmerzlich-wehmütige Sekund-Reibung.

EDWARD COWIE: LYRE BIRD MOTET

Edward Cowies „Lyre Bird Motet“ bringt einige originelle Neuinterpretationen bekannter literarisch-musikalischer Motive, die sich durch dieses Programm ziehen. Die Natur war für den Komponisten, der zwölf Jahre seines Lebens in Australien verbrachte, stets eine besondere Quelle der Inspiration. Auch in seiner Motette bildet der Chor eine klangliche Basis, in der eine Naturstimmung beschworen wird. Allerdings ist es hier ein „rauchiger, von Buschfeuern durchzogener, blauer Abend“ in einem „wunderschönen australischen Flusstal“, so Cowie. Und auch bei ihm ist der Vogelgesang ein zentrales Motiv. Allerdings handelt es sich dabei um den Gesang australischer Leiervögel, die Weltmeister in der Nachahmung aller erdenklichen akustischen Vorbilder sind. Neben den Gesängen anderer Vögel können Leiervögel sogar technische Geräuschquellen wie Motoren oder Alarmanlagen im Repertoire haben. In der „Lyre Bird Motet“ vermitteln drei Sopran-Soli eine Ahnung von der „spektakulären Performance“ (Cowie), die drei männliche Leiervögel an jenem stimmungsvollen Abend des Jahres 1981 geboten hatten.

Edward Cowie in der Natur
Edward Cowie in der Natur Edward Cowie

RICHARD RODNEY BENNETT: SEA CHANGE, GOODNIGHT

Sir Richard Rodney Bennett verkörpert schon durch seine Biografie jene Balance zwischen Kunstmusik und Popularität, wie es sie so wohl nur im Land der „Proms“ geben kann. In seiner Jugend arbeitete er eng mit dem Chefideologen der Darmstädter Avantgarde, Pierre Boulez, zusammen, doch bekannt wurde Sir Rodney vor allem durch Filmsoundtracks; in späteren Jahren kultivierte er seine Vorliebe für Jazz. Dem Titel seiner Autobiografie gemäß wollte er stets nur „Musik für die Menschen“ schreiben. In „Sea Change“ knüpft Bennett an ein Konzept an, das Elgar mit den Partsongs op. 53 etabliert hatte: ein Chor-Zyklus, dessen Teile einen erzählerischen Bogen bilden. „Sea change“ bedeutet im Englischen einen grundlegenden Wandel. Bennett greift auf Texte dreier englischer Dichter des 16. und 17. Jahrhunderts zurück, Shakespeare, Spenser und Andrew Marvell, um einen solchen „sea change“ darzustellen. Der Bogen spannt sich dabei von der mit Klängen erfüllten Insel aus Shakespeares „The Tempest“ über die Utopie eines gelobten Landes in Marvells „The Bermudas“, es folgt die Schilderung aller erdenklichen Seeungeheuer bei Spenser, und schließlich mündet der Zyklus in einen Unterwasser-Verwesungsprozess in Shakespeares „Full fathom five“. Musikalisch spannt Bennett den Bogen von der frommen Schlichtheit der Pilger in Marvells „Bermudas“ bis zu entgrenzten Avantgarde-Klängen bei der Darstellung der Meeresungetüme und anrollenden Wellen. Den Abschluss des Programms bildet mit „Goodnight“ ein schlichter, friedvoller Partsong alter Schule nach einer Textvorlage von Francis Quarles. Der hatte in Zeiten mehrerer Bürgerkriege Mitte des 17. Jahrhunderts tröstliche Worte für Royalisten und Puritaner gleichermaßen gefunden.

Ilja Stephan

TEXTE UND ÜBERSETZUNGEN

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Edward Elgar      
There is sweet music    

There is sweet music here that softer falls
Than petals from blown roses on the grass,
Or night dews on still waters between walls
Of shadowy granite, in a gleaming pass;

Music that gentlier on the spirit lies,
Than tir'd eyelids upon tir’d eyes;
Music that brings sweet sleep
down from the blissful skies.

Here are cool mosses deep,
And thro' the moss the ivies creep,
And in the stream the long-leaved flowers weep,
And from the craggy ledge
the poppy hangs in sleep.

Alfred Lord Tennyson, aus “The Lotos Eaters”

Hier erklingt süße Musik

Hier erklingt süße Musik, die sanfter fällt
als Blütenblätter von verwelkten Rosen auf das Gras,
oder Nachttau auf stille Gewässer zwischen Mauern
aus schattigem Granit, in einer glänzenden Pforte;

Musik, die sanfter auf der Seele liegt,
als müde Augenlider auf müden Augen;
Musik, die süßen Schlaf
aus den glückseligen Himmeln herabbringt.

Hier gibt es kühles, tiefes Moos,
und durch das Moos kriecht der Efeu,
und im Bach weinen die langblättrigen Blumen,
und von den zerklüfteten Felsvorsprüngen
hängt der Mohn im Schlaf.

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Ralph Vaughan Williams   
Silence and Music

Silence, come first silence.
I see a sleeping swan wings closed
and drifting where the water leads
a winter moon,
a grove where shadows dream
a hand outstretched to gather hollow reeds.

The four winds in their litanies
can tell all of earth’s stories
as they weep and cry
the sea names all the treasure of their tides
the birds rejoice between the earth and sky.

Voices of grief and from the heart of joy;
so near to comprehension do we stand
that wind and sea and all of winged delight
lie in the octaves of man’s voice and hand
and music wakes from silence, where it slept.

Ursula Vaughan Williams

Stille und Musik

Stille, geh voran, Stille.
Ich sehe einen schlafenden Schwan mit geschlossenen Flügeln,
treibend, wohin das Wasser führt;
ein Wintermond,
ein Wäldchen, in welchem Schatten träumen,
eine ausgestreckte Hand, um hohle Schilfrohre zu sammeln.

Die vier Winde in ihren Litaneien
können alle Geschichten der Erde erzählen;
während sie weinen und schreien,
benennt das Meer alle Schätze seiner Gezeiten,
die Vögel jubeln zwischen Erde und Himmel.

Stimmen der Trauer und aus dem Herzen der Freude;
so nah stehen wir am Begreifen,
dass Wind und Meer und alle geflügelte Freude
in den Oktaven der menschlichen Stimme und Hand liegen
und Musik aus der Stille erwacht, wo sie schlief.

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Edward Elgar   
Owls

What is that?…Nothing;
The leaves must fall, and falling, rustle;
That is all;
They are dead as they fall, –
Dead at the foot of the tree;
All that can be is said. ...
What is it? …Nothing;

What is that?…Nothing;
A wild thing hurt but mourns in the night
And it cries in its dread
Till it lies Dead at the foot of the tree;
All that can be is said
What is it? …Nothing;

What is that? …Ah!
A marching slow of unseen feet
That is all:
But a bier, spread with a pall
Is now at the foot of the tree;
All that could be said;
Is it… what. …Nothing

Edward Elgar

Eulen

Was ist das? … Nichts;
Die Blätter müssen fallen, und im Fallen rascheln;
Das ist alles;
Sie sind tot, wenn sie fallen, –
tot am Fuße des Baumes;
Alles, was sein kann, ist gesagt. ...
Was ist das? … Nichts;

Was ist das? … Nichts;
Ein wildes Etwas, verletzt, jedoch trauert in der Nacht,
und es schreit in seiner Angst,
Bis es tot am Fuße des Baumes liegt;
Alles, was sein kann, ist gesagt.
Was ist das? …Nichts;

Was ist das? …Ah!
Ein langsamer Marsch unsichtbarer Füße.
Das ist alles:
Aber eine Bahre, bedeckt mit einem Leichentuch,
steht nun am Fuße des Baumes;
Alles, was gesagt werden konnte;
Ist es… was. …Nichts.

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Thomas Vautor
Sweet Suffolk Owl

Sweet Suffolk owl, so trimly dight
with feathers like a lady bright,
thou sing’st alone, sitting by night
te whit, te whoo, te whit, te whoo.
Thy note that forth so freely rolls,
with shrill command, the mouse controls,
and sings a dirge for dying souls
te whit, te whoo, te whit, te whoo.

Textdichter unbekannt

Süße Suffolk-Eule

Süße Suffolk-Eule, so elegant gekleidet
mit Federn, wie eine strahlende Dame,
du singst allein, in der Nacht sitzend,
te whit, te whoo, te whit, te whoo.
Dein Ruf, der so frei heraus erklingt,
mit schriller Stimme die Mäuse beherrscht,
und für sterbende Seelen ein Klagelied singt,
te whit, te whoo, te whit, te whoo.

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Orlando Gibbons
The Silver Swan

The silver swan, who living has no note.
When death approached unlocked her silent throat.
Leaning her breast against the reeding shore.
Thus sung her first and last, and sung no more;
Farewell all joys; O death, come close mine eyes.
More geese than swans now live, more fools than wise.

Textdichter unbekannt

Der silberne Schwan

Der silberne Schwan, der zu Lebzeiten keinen Ton von sich gab.
Als der Tod nahte, öffnete er seine stille Kehle.
Er lehnte seine Brust gegen das schilfbewachsene Ufer.
So sang er zum ersten und letzten Mal und sang nie wieder;
Lebt wohl, alle Freuden; O Tod, schließe meine Augen.
Mehr Gänse als Schwäne leben jetzt, mehr Narren als Weise.

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Orlando Gibbons
Dainty Fine Bird

Dainty fine bird that art encaged there,
alas, how like thine and my fortunes are?
Both pris’ners be, and both singing thus,
strive to please her that hath imprisoned us.
Only thus we differ thou and I,
thou liv’st singing but I sing and die.

Textdichter unbekannt

Zierlicher, schöner Vogel

Zierlicher, schöner Vogel, der du dort gefangen bist,
ach, wie sehr ähneln sich dein und mein Schicksal!
Beide sind wir Gefangene, beide singen wir solcherart,

streben danach, ihr zu gefallen, die uns gefangen hält.
Nur darin unterscheiden wir uns, du und ich:
Du lebst singend, ich aber singe und sterbe.

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Judith Bingham   

The Drowned Lovers

Blue in blue…
In the deepest reaches of the lake
I and my love do lie
I clung to him, and pulled him down
And so we both did die
Th’uncaring clear blue waters
Over our heads did close
And shoals of fishes, sightlessly
In clouds around us rose
In the deepest reaches of the lake.
His pale green eyes were cold in death
His love had been a lie
But now we share a watery grave
Forever intertwined

Judith Bingham

Chorus:

Blue below
Cold and still
Beneath me
Cold and still
Blue in blue
His image
Cold and still

Fragmente aus “Blue Bird” von Mary E. Coleridge

Die ertrunkenen Liebenden

Blau in blau…
In den tiefsten Tiefen des Sees
liegen meine Liebe und ich.
Ich klammerte mich an ihn und zog ihn hinab
und so starben wir beide.
Das gleichgültige klare blaue Wasser
schloss sich über unseren Köpfen
und Fischschwärme stiegen in Wolken
um uns herum auf, ohne zu sehen
in den tiefsten Tiefen des Sees.
Seine blassgrünen Augen waren kalt im Tod,
seine Liebe war eine Lüge gewesen.
Aber jetzt teilen wir ein nasses Grab,
für immer miteinander verbunden.

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Charles Villiers Stanford  
The Blue Bird

The lake lay blue below the hill
O'er it, as I looked, there flew
Across the waters, cold and still
A bird whose wings were palest blue
The sky above was blue at last
The sky beneath me blue in blue
A moment, ere the bird had passed
It caught his image as he flew

Mary E. Coleridge

Der Eisvogel

Der See lag blau unterhalb des Hügels.
Als ich hinblickte, flog über ihn hinweg,
über den kalten, stillen Wassern,
ein Vogel, mit Flügeln von blassestem Blau.
Der Himmel darüber war bis zuletzt blau,
der Himmel unter mir blau in Blau.
Einen Moment lang, eh der Vogel vorbeigeflogen war,
blieb sein Bild gefangen, während er flog.

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Jonathan Harvey    
Song of June

Leaves
Murmuring by myriads in the shimmering trees.
Lives
Wakening with wonder in the Pyrenees.
Birds
Cheerily chirping in the early day.
Bards
Singing of summer, scything through the hay.
Bees
Shaking the heavy dews from bloom and frond.
Boys
Bursting the surface of the ebony pond.
Flashes
Of swimmers carving through the sparkling cold.
Fleshes
Gleaming with wetness to the morning gold.
A mead
Bordered about with warbling waterbrooks.
A maid
Laughing the love-laugh with me; proud of looks.
The heat
Throbbing between the upland and the peak.
Her heart
Quivering with passion to my pressed cheek.
Braiding
Of floating flames across the mountain brow.
Brooding
Of stillness; and a sighing of the bough.
Stirs
Of leaflets in the gloom; soft petal-showers;
Stars
Expanding with the starr’d nocturnal flowers.

From My Diary, July 1914, Wilfred Owen

Juni-Lied

Blätter
Rauschen von Tausenden in den schimmernden Bäumen.
Leben
Erwachen voller Staunen in den Pyrenäen.
Vögel
Fröhlich zwitschernd in den frühen Morgenstunden.
Barden
Vom Sommer singend, während sie das Heu mähen.
Bienen
Schütteln den schweren Tau von Blüten und Wedeln.
Jungen
lassen die Oberfläche des ebenholzfarbenen Teiches bersten.
Blitze
Von Schwimmern, die sich durch die funkelnde Kälte schneiden.
Fleisch
Glänzend nass im morgendlichen Gold.
Eine Wiese
Umgeben von plätschernden Bächen.
Eine Magd
lacht mit mir das Lachen der Liebe; stolz auf ihr Aussehen.
Die Hitze
pulsierend zwischen dem Hochland und dem Gipfel.
Ihr Herz
bebend vor Leidenschaft an meiner gedrückten Wange.
Flechtwerk
von schwebenden Flammen über der Bergeskuppe.
Grübelnd
vor Stille; und ein Seufzen des Geästs.
Bewegung
von Blättern in der Dämmerung; sanfte Blütenblätterregen;
Sterne
sich ausdehnend mit den sternförmigen nächtlichen Blumen.

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Edward Cowie  
Lyre Bird motet

Sooo oh ee ay oh or ar ee (Vogelstimmen)
sunset moon
now here in the valley in shade now
the quiet shades fall into jade light now
in this shaded place under the tree lines now
moon sunset shades
falling now
shade now
light now
lines now
blue grey mauve pale dark jade
deep shades fall
it is dusk
in this valley where the Lyrebird sings
sing songs
moonrise time
as the sunsets
and moonshine
gumtrees waver
casting long shadows
softly moonshine
cool light mists
cool light burn gold fires flame
listen
soft faint voice
listen quiet
soft
huareeayoh
moon
Lyrebird sings beautiful
oh song
wonderful fabulous song
rapturous sensuous song
beautiful wonderful rapturous
Lyrebirdsongs
goodnight.

Edward Cowie

Leiervogel-Motette

Sooo oh ee ay oh or ar ee (Vogelstimmen)
Sonnenuntergang Mond
jetzt hier im Tal, im Schatten nun
die stillen Schatten fallen jetzt in jadegrünes Licht
an diesem schattigen Ort jetzt unter den Baumkronen
Mond Sonnenuntergang Schatten
fallend jetzt
Schatten jetzt
Licht jetzt
Linien jetzt
blau grau malve blass dunkel jade
tiefe Schatten fallen
es ist Abenddämmerung
in diesem Tal, wo der Leierschwanz singt
singt Lieder
Zeit des Mondaufgangs
während die Sonne untergeht
und der Mond scheint
Eukalyptusbäume schwanken
werfen lange Schatten
sanfter Mondschein
kühle Lichtnebel
kühles Licht brennt goldene Feuerflammen
horch
sanfte leise Stimme
horch ruhig
sanft
huareeayoh
Mond
der Leierschwanz singt wunderschön
oh Lied
wunderbares fabelhaftes Lied
ekstatisches sinnliches Lied
wunderschön wunderbar ekstatisch
Leierschwanzgesänge
gute Nacht.

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Richard Rodney Bennett
Sea Change

The isle is full of noises
Be not affea’rd; the isle is full of noises,
Sounds and sweet airs, that give delight, and hurt not.
Sometimes a thousand twangling instruments
Will hum about mine ears; and sometime voices,
That, if I then had waked after long sleep,
Will make me sleep again: and then, in dreaming,
The clouds methought would open, and show riches
Ready to drop upon me; that, when I waked,
I cried to dream again.

William Shakespeare, aus “The Tempest”, Akt II, Szene 3

The Bermudas
Where the remote Bermudas ride
In th’ ocean’s bosom unespy’d,
From a small boat, that row’d along,
The list’ning winds receiv’d this song.

What should we do but sing his praise
That led us through the wat’ry maze
Unto an isle so long unknown,
And yet far kinder than our own?

Where he the huge sea-monsters wracks,
That lift the deep upon their backs,
He lands us on a grassy stage,
Safe from the storm’s and prelates’ rage.

He gave us this eternal spring
Which here enamells everything,
And sends the fowls to us in care,
On daily visits through the air.

He hangs in shades the orange bright,
Like golden lamps in a green night;
And does in the pomegranates close
Jewels more rich than Ormus shows.

He makes the figs our mouths to meet
And throws the melons at our feet,
But apples plants of such a price,
No tree could ever bear them twice.

With cedars, chosen from Lebanon,
he stores the land,
And makes the hollow seas that roar
Proclaim the ambergris on shore.

He cast (of which we rather boast)
The Gospel’s pearl upon our coast,
And in these rocks for us did frame
A temple, where to sound his name.

Oh let our voice his praise exalt,
Till it arrive at heaven’s vault;
Which thence (perhaps) rebounding, may
Echo beyond the Mexique Bay.

Thus sung they in the English boat
An holy and a cheerful note,
And all the way, to guide their chime,
With falling oars they kept the time.

Andrew Marvell

The waves come rolling
The waves come rolling, and the billowes rore
Outragiously, as they enraged were,
Or wrathfull Neptune did them drive before
His whirling chariot, for exceeding feare;
For not one puff of wind did there appeare;
That all thereat waxe much afraid,
Unwitting what such horror strange did reare
Eftsoones they saw a hideous host array’d
Of huge sea monsters, such as living sense dismayed.

Most ugly shapes and horrible aspects,
Such as Dame Nature selfe might feare to see,
Or shame that ever should so foul defects
From her most cunning hand escaped be;
All dreadfull portraits of deformity:
Spring-headed hydras, and sea-shouldring whales,
Great whirlpooles, which all fishes make to flee,
Bright scolopendras, arm'd with silver scales,
Mighty monoceroses with immeasured tayles,
The dreadfull fish, that hath deserv'd the name
Of Death, and like him lookes in dreadfull hew,
The grisly Wassermann, that makes his game.

The flying ships with swiftness to pursew,
The horrible sea-satyre, that doth shew
His fearefull face in time of greatest storme,
Huge Ziffius, whom mariners eschew
No lesse than rockes, (as travellers informe,)
And greedy rosmarines with visages deforme.

All these, and thousands thousands many more,
And more deformed monsters thousand fold,
With dreadfull noise and hollow rombling rore,
Came rushing, in the foamy waves enrold,
Which seem'd to fly for feare them to behold:
No wonder, if these did the knight appal;
For all, that here on earth we dreadfull hold,
Be but as bugs to fearen babes withall,
Compared to the creatures in the seas entrall.

Edmund Spenser

Full fathom five
Full fathom five thy father lies;
Of his bones are corall made;
Those are pearles that were his eyes:
Nothing of him that doth fade,
But doth suffer a sea-change
Into something rich and strange.
Sea-Nimphs hourly ring his Knell:
Ding-dong.
Harke! now I heare them, – ding-dong, bell.

William Shakespeare, aus “The Tempest”, Akt 1, Szene 2

Die Insel ist voller Geräusche.
Fürchte dich nicht, die Insel ist voller Geräusche,
Klänge und süße Melodien, die Freude bereiten
und nicht schaden.
Manchmal summen tausend klingende Instrumente
um meine Ohren; und manchmal Stimmen,
die mich, wenn ich dann nach langem Schlaf erwacht wäre,
wieder einschlafen lassen würden: Und dann,
im Traum,
dünkte mir, als öffneten sich die Wolken
und zeigten Reichtümer,
bereit, auf mich herabzufallen; sodass ich,
wenn ich erwachte,
flehte, wieder träumen zu dürfen.

Die Bermudas
Wo die fernen Bermudas liegen,
unentdeckt im Schoß des Ozeans,
von einem kleinen Boot aus, das dahinruderte,
empfingen die lauschenden Winde dieses Lied.

Was sollten wir anderes tun, als sein Lob zu singen,
der uns durch das Wasserlabyrinth führte,
zu einer Insel, die so lange unbekannt war,
und doch viel freundlicher als unsere eigene?

Wo er die riesigen Seeungeheuer vernichtet,
die die Tiefe auf ihren Rücken heben,
bringt er uns auf einer grasbewachsenen Bühne an Land,
sicher vor dem Sturm und der Wut der Prälaten.

Er schenkte uns diesen ewigen Frühling,
der hier alles verzaubert,
und schickt uns die Vögel in seiner Obhut
auf täglichen Besuchen durch die Lüfte.

Er hängt die leuchtenden Orangen in allen Schattierungen auf,
wie goldene Lampen in einer grünen Nacht; und verbirgt in den Granatäpfeln Juwelen,
die kostbarer sind als Ormus sie zeigt.

Er lässt die Feigen unseren Gaumen erfreuen
und wirft uns die Melonen zu Füßen,
aber Äpfel von solchem Wert, dass kein
Baum sie jemals ein zweites Mal tragen könnte.

Mit Zedern, ausgewählt aus dem Libanon,
versorgt er das Land,
und lässt die tosenden dumpfen Meere
die graue Ambra an der Küste verkünden.

Er warf (worauf wir ziemlich stolz sind)
die Perle des Evangeliums an unsere Küste,
und in diesen Felsen errichtete er für uns
einen Tempel, wo sein Name erklingen sollte.

Oh, lasst unsere Stimmen sein Lob preisen,
bis es die Wölbung des Himmels erreicht;
von dort (vielleicht) zurückgeworfen, mag es
über den Golf von Mexiko hinaus hallen.

So sangen sie in dem englischen Boot
eine heilige und fröhliche Melodie,
und den ganzen Weg über, ihren Gesang begleitend,
hielten sie mit fallenden Rudern den Takt.

Die Wellen rollten heran
Die Wellen rollten heran, und die Brandung toste
ungeheuerlich, als wären sie wütend,
oder der zornige Neptun trieb sie vor seinem wirbelnden Wagen her, aus übergroßer Furcht;
denn kein Windhauch war dort zu spüren;
sodass alle daselbst große Angst bekamen,
ohne zu wissen, was solch seltsames Grauen hervorrief, da sahen sie plötzlich eine schreckliche Schar von riesigen Seeungeheuern, die jeden lebendigen Sinn erstarren ließ.

Die hässlichsten Gestalten und schrecklichsten Erscheinungen, die selbst Mutter Natur fürchten würde, oder sich schämen würde, dass jemals so abscheuliche Missbildungen ihrer geschickten Hand entkommen sein könnten;
All diese schrecklichen Abbilder der Missbildung:
Federköpfige Hydras und meeresschulternde Wale,
große Strudel, vor denen alle Fische fliehen,
leuchtende Scolopendras, bewaffnet mit silbernen Schuppen, mächtige Einhörner mit unermesslichen Schwänzen, der schreckliche Fisch, der den Namen
Tod verdient hat und wie er, erscheint in schrecklicher Gestalt der grauenvolle Wassermann, der sein Spiel treibt.

Die fliegenden Schiffe mit Schnelligkeit zu verfolgen,
der schreckliche Meeres-Satyr, der sein furchterregendes Gesicht in Zeiten größter Stürme zeigt, der riesige Ziffius, den die Seeleute meiden,
nicht weniger als Felsen (wie Reisende berichten),
und gierige Rosmarine mit entstellten Gesichtern.

All diese und Tausende, Tausende mehr,
und noch tausendfach mehr deformierte Monster,
mit schrecklichem Lärm und hohlem Grollen,
kamen heranstürmend, in schäumenden Wellen,
die vor Angst, sie zu sehen, zu fliehen schienen:
Kein Wunder, dass diese den Ritter erschreckten;
Denn alles, was wir hier auf Erden für schrecklich halten, ist nur wie Käfer, mit denen man Babys erschreckt, verglichen mit den Kreaturen, die in den Meeren leben.

Fünf Klafter tief
Fünf Klafter tief liegt dein Vater begraben;
Aus seinen Gebeinen sind Korallen geworden;
wo seine Augen waren, sind jetzt Perlen:
Nichts von ihm ist vergangen,
sondern hat sich im Meer verwandelt
in etwas Reiches und Seltsames.
See-Nymphen läuten stündlich seine Totenglocke:
Ding-dong.
Horch! Jetzt höre ich sie – ding-dong, die Glocke.

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Richard Rodney Bennett
Goodnight

Close now thine eyes and rest secure;
thy soul is safe enough, thy body sure:
He that loves thee he that keeps
and guards thee never slumbers, never sleeps.

Francis Quarles

Gute Nacht

Schließe nun deine Augen und ruhe geschützt;
deine Seele ist sicher genug, dein Körper ungefährdet:
Der, der dich liebt, der dich behütet
und beschützt, schlummert nie, schläft nie.

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KÜNSTLERBIOGRAFIEN

Marcus Creed

Marcus Creed ist an der Südküste Englands geboren und aufgewachsen. Er begann sein Studium am King’s College in Cambridge, wo er Gelegenheit hatte, im berühmten King’s College Choir zu singen. Weitere Studien führten ihn an die Christ Church in Oxford und die Guildhall School in London. Seit 1977 lebt Marcus Creed in Deutschland. Stationen seiner Arbeit waren die Deutsche Oper Berlin, die Hochschule der Künste sowie die Gruppe Neue Musik und das Scharoun Ensemble. Von 1987 bis 2001 war Marcus Creed Künstlerischer Leiter des RIAS Kammerchores, von 1998 bis 2016 folgte er einem Ruf auf eine Dirigierprofessur an der Musikhochschule Köln.

Marcus Creed dirigiert
Marcus Creed dirigiert das SWR Vokalensemble im Februar 2021

Von 2003 bis Sommer 2020 war Marcus Creed Künstlerischer Leiter des SWR Vokalensembles. Im Anschluss hat das Ensemble ihn zu seinem Ehrendirigenten ernannt. Das besondere Anliegen von Marcus Creed mit diesem Ensemble galt in dieser Zeit der Wiederaufführung herausragender Kompositionen der jüngsten Vergangenheit, darunter Werke von Luigi Nono, György Kurtág, Wolfgang Rihm und Heinz Holliger. Marcus Creed ist regelmäßiger Gast bei internationalen Festivals und Spezialensembles der Alten und Neuen Musik. Von 2015 bis 2023 war er außerdem Chefdirigent des Kammerchores des Dänischen Rundfunks. Die vielen CD-Veröffentlichungen von Marcus Creed mit dem SWR Vokalensemble wurden für ihre stilsicheren und klangsensiblen Interpretationen mit internationalen Auszeichnungen prämiert, darunter der Jahrespreis der deutschen Schallplattenkritik, der Edison Award, der Diapason d’Or, der ECHO Klassik und der Cannes Classical Award.

SWR Vokalensemble

Der Rundfunkchor des SWR gehört zu den internationalen Spitzenensembles unter den Profichören. Die instrumentale Klangkultur und stimmliche wie stilistische Flexibilität des Vokalensembles suchen ihresgleichen und begeistern Publikum, Dirigenten und Komponisten im In- und Ausland. Mehr als 300 Werke sind in den vergangenen Jahrzehnten für das SWR Vokalensemble entstanden und jedes Jahr kommen neue hinzu. Neben der zeitgenössischen Musik widmet sich das SWR Vokalensemble vor allem den anspruchsvollen Chorwerken der Romantik und der klassischen Moderne.

SWR Vokalensemble
SWR Vokalensemble Lena Semmelroggen

Von 2003 bis 2020 war Marcus Creed der Chefdirigent des SWR Vokalensembles. Unter seiner Leitung wurde das SWR Vokalensemble für seine kammermusikalische Interpretationskultur und seine stilsicheren Interpretationen vielfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Jahrespreis der Deutschen Schallplattenkritik, dem ECHO Klassik, dem Diapason d’Or, dem Choc de la Musique und dem Grand Prix du Disque. Künstlerischer Leiter ist seit 2020 Yuval Weinberg, der 2022 mit dem SWR Vokalensemble eine Gesamtaufnahme aller Chorwerke von György Ligeti vorlegte, die u. a. mit dem Jahrespreis Diapason d’Or sowie dem Preis der deutschen Schallplattenkritik ausgezeichnet wurde.


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Impressum
Chormanagement: Dorothea Bossert
Redaktion: Ilja Stephan
Text: Die Werkkommentare von Ilja Stephan sind Originalbeiträge.

Erstmals publiziert am
Stand
Autor/in
SWR