9., 14. und 15. März 2025

Mitglieder des SWR Symphonieorchesters

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KONZERTTERMINE

SO 9. MÄRZ 2025, 16 UHR
Stuttgart, Liederhalle, Mozart-Saal
FR 14. MÄRZ 2025, 20 UHR
Freiburg, Konzerthaus, Runder Saal
SA 15. MÄRZ 2025, 20 UHR
Baden-Baden, Museum Frieder Burda

PROGRAMMFOLGE

ALEXANDER GLASUNOW (1865-1936)
QUINTETT FÜR ZWEI VIOLINEN, VIOLA UND ZWEI VIOLONCELLI A-DUR OP. 39

Allegro
Scherzo. Allegro – Trio. Andante sostenuto
Andante
Allegro moderato
ca. 32‘

Gabriele Turck und Soo Eun Lee, Violine
Barbara Weiske, Viola
Rahel Krämer und Wolfgang Düthorn, Violoncello

MARK FORD (*1958)
„CABASA!“ FÜR SCHLAGZEUGQUINTETT
ca. 5‘

VITO ŽURAJ (*1979)
„TOP SPIN“ FÜR SCHLAGZEUGTRIO
ca. 10‘

AXEL FRIES (*1954)
„PLING 4“ FÜR VIER SCHLAGZEUGER
ca. 4‘

STEVE REICH (*1936)
SIX MARIMBAS
ca. 20‘

Franz Bach, Felix Birnbaum, Markus Maier, Jochen Brenner, Jochen Schorer und Zeynep Nacarkayha, Schlagzeug

WERKEINFÜHRUNGSTEXTE

Alexander Glasunows Streichquintett in A-Dur op. 39

Alexander Glasunow ist weder ein Bilderstürmer noch ein Revolutionär. Er hält sich an die Tradition und er betont das kompositorische Handwerk, das er offenbar beherrscht. Schon in seiner Jugend ist Glasunows Talent auffallend. Seine erste Sinfonie, die er als 17-Jähriger schreibt, wird zu einem großen Erfolg und bedeutet den frühen Durchbruch. Der 30 Jahre ältere russische Komponist César Cui fragt angesichts des Senkrechtstarters in St. Petersburg zu Recht: "Diese vorzeitige Reife des Talents hat etwas Erschreckendes in sich. Die Frage drängt sich auf: Wenn Glasunow jetzt so schreibt, wie wird er in 10, 20 Jahren schreiben?"

Die Frage beantwortet Alexander Glasunow in seinem Streichquintett in A-Dur Opus 39. Es ist eine glasklare Musik, ausgeglichen, stets transparent, aber durchaus mit Einfällen, die dem Werk Frische verleihen. Da wären die Soli der Viola: Glasunow komponiert sie extra hinein für seinen reichen Mäzen, den Bratschisten Mitrofan Beljajev, der das Streichquintett für seine Kammermusik-Abende in Auftrag gibt. Zu Beginn des zweiten Satzes erfindet Glasunow wiederum einen spritzig gezupften Auftakt in fröhlichen Triolen. Und am Ende demonstriert er seinen eigenen Umgang mit volkstümlich russischen Melodien. Von Süße und Sentimentalität ist nichts zu spüren – und just dies macht den Russen zu einem besonderen Komponisten. Sein Ton ist ein distanzierter, objektiver, aber stets interessanter und stilsicherer.

Aus Sicht von Komponisten des "mächtigen Häufleins" – unter anderem mit César Cui, Modest Mussorgsky und Glasunows einstigem Lehrer Nikolai Rimskij-Korsakow – fehlt der Musik das Progressive; wohl auch jene Effekte, die Rimskij-Korsakows bekanntem "Hummelflug" oder Mussorgskijs "Hütte der Baba Yaga" aus den "Bildern einer Ausstellung" ihre Erfolge verdanken. Aber: Glasunow ist eben so, musikalisch wie menschlich. Ab 1905 leitet er mit Rimskij-Korsakow das berühmte Petersburger Konservatorium. 1919 kommt ein neuer Senkrechtstarter dorthin: Es ist Dmitrij Schostakowitsch. Viel sagend und redlich sind die Worte, die Alexander Glasunow angesichts des neuen russischen Talents findet: "Ich finde seine Musik schrecklich. Es ist das erste Mal, dass ich die Musik nicht höre, wenn ich die Partitur lese. Aber das ist unwichtig. Die Zukunft gehört nicht mir, sondern diesem Jungen."

Torsten Möller

„Woanders unterwegs sein“
Torsten Möller im Gespräch mit Felix Birnbaum (Schlagzeuger im SWR Symphonieorchester)

Torsten Möller: Nun gibt es Alexander Glasunows Streichquintett – und dann einen Sprung zu neueren Schlagzeugwerken. Gibt es da für Sie trotz der großen Zeitspanne zwischen Glasunow und den Schlagzeugwerken eine Verbindung? Oder ist ihr Programm für sie eher ein Kontrapunkt zu einem traditionellen Streichquintett?

Felix Birnbaum: Verbindungen gibt es schon zu unserem ersten Stück "Cabasa!" vom amerikanischen Komponisten Mark Ford. Er schrieb sein witziges Stück ja auch für ein Quintett – eben wie Alexander Glasunow. Grundsätzlich würde ich aber sagen, die zweite Konzerthälfte ist ein Kontrapunkt. Wir Schlagzeuger haben ja kein festes traditionelles Repertoire wie ein Orchester, ein Streichquartett oder ein Pianist. Im Grunde beginnt die Komposition für Kammermusik mit Schlagzeug ja erst in den letzten 40 Jahren. Steve Reichs Stück, das wir heute spielen, "Six Marimbas" von 1986, ist insofern ein sehr frühes Stück für unsere Besetzung.

T. M.: Auffällig ist die Verschiedenheit der vier Stücke von Mark Ford, Steve Reich, Axel Fries und dem slowenischen Komponisten Vito Žuraj. Eine Gemeinsamkeit ist vielleicht die Tendenz zur Reduktion. War das in der Programmplanung Absicht?

F. B.: Vorweg sollte ich vielleicht sagen, dass wir Schlagzeuger ein riesiges Instrumentarium haben. Wenn ich zum Beispiel ein zeitgenössisches Stück mit einem Ensemble oder auch allein spiele, muss ich einen größeren Transporter mieten, um all die Becken, Gongs, Trommeln, Stahlfedern, Vibraphone oder Marimbaphone zum Proben- oder Konzertort zu bekommen. Gerade vor diesem Hintergrund wird die Konzentration, die Reduktion und ein gewisser Minimalismus im heutigen Programm deutlich. Wir wollten einfach mal einzelne Instrumente auswählen und sie von ihren verschiedenen Seiten beleuchten. Steve Reich schreibt nur für Marimba, Axel Fries größtenteils nur für Triangel und Mark Ford nur für Cabasa – ein Instrument übriges, das primär im lateinamerikanischen Raum benutzt wird.

T. M.: Gerade in "Cabasa!" und teils auch im 2001 entstandenen „Top Spin“ von Vito Žuraj ist die Szene wichtig, das heißt: das Geschehen auf der Bühne. Wie probt man so etwas? Übertreiben sollte man den Witz ja auch nicht.

F. B.: Ich will nicht alles verraten. Aber wir haben uns schon einige Gedanken gemacht, wie wir die Stücke "inszenieren". Dazu nur soviel: Wir wollen einen Spannungsbogen schaffen und: Es wird nicht alles auf der Bühne passieren. Das muss natürlich auch geprobt werden. "Cabasa!" hat sicher etwas locker Amerikanisches an sich. Da ist kein biederer Ernst gefordert, auf der anderen Seite sollte es natürlich nicht lächerlich wirken.

T. M.: Welche Rolle spielen Technik und Virtuosität in diesem Programm?

F. B.: Es gibt nicht die Virtuosität im klassischen Sinn, also keine rhythmisch hoch komplizierten Muster oder rasante Trommelwirbel. Aber: Man muss sich schon vorbereiten, die Legenden in den Noten zum Beispiel genau lesen. Das gilt auch für ein so einfach wirkendes Stück wie „Pling 4“ von Axel Fries. Dort ist zum Beispiel genau vorgezeichnet, an welchen Stellen die Triangel anzuschlagen ist, was den Klang entscheidend verändert.

Als ich „Top Spin“ von Vito Žuraj zum ersten Mal von Kollegen hörte, dachte ich: "Och, eine nette Nummer." Aber dann stellt sich doch heraus, dass die teils schnellen Bewegungen um den Tisch herum einiges an Koordination erfordern. Man muss sich das richtig einprägen, denn da sind auch schon mal Musiker ineinander gerannt. Wie beim Tennis oder Tischtennis, wo der Top Spin ja bekannt ist, ist einiges an Beinarbeit nötig. Die Teelöffel, die wir im Stück spielen, haben wir übrigens mit Klebeband versehen, da sie einem ansonsten schnell aus den schwitzenden Fingern fliegen.

Steve Reich fordert uns wiederum auf andere Art. Reich bewunderte ja die balinesische Gamelan-Praxis ebenso wie afrikanischen Trommelriten. Und auch "Six Marimbas" hat ja etwas Rituelles an sich, etwas Strenges. Rhythmische Präzision und Temposicherheit sind da unbedingte Voraussetzung, sonst bricht das ganz schnell auseinander. Im Übrigen bin ich sehr froh, dass unser Pauker aus dem Orchester, Jochen Brenner, bei "Six Marimbas" mitspielt.

T. M.: Ja, Sie sind ja gewöhnlich als Schlagzeuger des SWR Symphonieorchesters aktiv. Welche Rolle spielt für Sie die Kammermusik? Oder anders: Ist das heutige Konzert für Sie auch eine Möglichkeit, sich mal "auszuleben" mit den Kollegen?

F. B.: Für mich ist das sehr wichtig, weil man menschlich und musikalisch mehr zusammenwächst. Kammermusik ist im Vergleich zur Orchestermusik eine andere Art des Musizierens und ich betone das Andere. Es gibt ja das Vorurteil, dass der "Orchesterdienst" einen Musiker irgendwie – wie soll ich sagen – unterfordere. Das sehe ich überhaupt nicht so, denn die Schwierigkeiten und Herausforderungen, die sich im Orchester stellen, sind einfach anderer Natur. So ein Abend wie heute ist jedenfalls eine wohltuende Abwechslung. Aber das Wichtigste bleibt für mich der Gruppengedanke: mit meinen Kollegen einfach mal woanders unterwegs zu sein, auch Spaß zu haben.

Torsten Möller ∙ studierte an der Berliner Humboldt-Universität Musikwissenschaft, Kunstgeschichte und Soziologie. Mit dem Schwerpunkt auf der Musik des 20. und 21. Jahrhunderts ist er freiberuflich tätig für Radio (SWR Kultur, Deutschlandfunk) und Print (Schweizer Musikzeitung, MusikTexte). In Essen unterrichtet Torsten Möller das Fach Musikjournalismus an der dortigen Folkwang Universität der Künste.

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Impressum
Sabrina Haane, Gesamtleitung SWR Symphonieorchester
Dr. Henning Bey, Künstlerische Planung
Tabea Dupree, Redaktion SWR Kultur
Henrik Hoffmann, Redaktion Programmheft

Sämtliche Texte sind Originalbeiträge für dieses Programmheft.