31. Januar, 1. und 2. Februar 2026

Digitales Programmheft zum Kammerkonzert

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KONZERTTERMINE

SA 31. JANUAR 2026, 20 UHR
Baden-Baden, Museum Frieder Burda
SO 1. FEBRUAR 2026, 16 UHR
Stuttgart, Neues Schloss
MO 2. FEBRUAR 2026, 20 UHR
Freiburg, Konzerthaus

PROGRAMMFOLGE

CARL MARIA VON WEBER (1786-1826)
TRIO FÜR FLÖTE, VIOLONCELLO UND KLAVIER G-MOLL OP. 63
(FASSUNG FÜR FLÖTE, FAGOTT UND KLAVIER)
Allegro moderato
Scherzo. Allegro vivace
Schäfers Klage. Andante espressivo
Finale. Allegro

ca. 24’

CHICK COREA (1941-2021)
TRIO FÜR FLÖTE, FAGOTT UND KLAVIER

ca. 6'

Anne Romeis, Flöte
Nerea Saez Guijarro, Fagott
Alfonso Gomez, Klavier

Pause

FLORENCE PRICE (1887-1953)
STREICHQUARTETT NR. 2 A-MOLL
Moderato
Andante cantabile
Juba. Allegro
Finale. Allegro

ca. 31'

Andreas Ritzinger und Harald Paul, Violine
Dirk Hegemann, Viola
Alexandru Richtberg, Violoncello

WERKEINFÜHRUNGSTEXT

Deutschland trifft Amerika

Torsten Möller im Gespräch mit dem Pianisten Alfonso Gómez und dem Geiger Harald Paul

Torsten Möller: Die Kammerkonzerte des SWR in Baden-Baden, Freiburg und Stuttgart werden durch eigene Musiker:innen aus den Reihen des SWR Symphonieorchesters bestritten, ergänzt um Gäste. Was bedeutet Ihnen die Kammermusik? Ist es mehr als eine Abwechslung vom sinfonischen Repertoire?

Harald Paul: Unbedingt! Ich spielte schon in meiner Kindheit mit meiner Schwester im Duett – Kammermusik ist für mich somit eine Selbstverständlichkeit, über die ich erstmal nachdenken muss. Also: Kammermusik ist auf jeden Fall eine Gelegenheit, die Kolleginnen und Kollegen besser kennenzulernen. Wir sprechen über die Werke, spielen sie, nähern uns gemeinsam an diese an. Das ist eine ganz andere Art von Arbeit als mit einem Dirigenten, der ein großes Sinfonieorchester koordinieren muss, wo also gewisse Hierarchien imprägniert sind. Hier sind wir gleichberechtigt.

Ein ganz wesentlicher Aspekt ist auch die kammermusikalische Schulung. Dean Dixon, der das Sinfonieorchester des Hessischen Rundfunks zwischen 1961 und 1974 leitete, sagte einmal, dass ein kompletter Orchestermusiker ohne regelmäßiges Spiel im kleineren Kreis nicht denkbar sei. Da gebe ich Dixon völlig Recht. Das Quartett- oder Ensemblespiel schult enorm und es ist obendrein eine Abwechslung vom sinfonischen Repertoire. Apropos Abwechslung: Das Besondere an diesem Abend ist ja, dass quasi die gesamte Mannschaft ausgetauscht wird. Wir hören also nicht nur aneinandergereihte Streichquartette (was schon mal ermüdend sein kann), sondern verschiedene Klangpaletten von Streichern, Bläsern und Klavier.

Alfonso Gómez: Aus meiner Sicht stellt sich die Frage naturgemäß anders. Auch wenn ich gelegentlich ausgeholfen habe, bin ich kein festes Mitglied des SWR Symphonieorchesters. In dieser wunderbaren Kammermusikreihe darf ich daher als Gast auftreten. Grundsätzlich aber ist es für mich das gemeinsame Erarbeiten, das Zuhören auf Andere und das Wachsen und Konkretisieren der Ideen, das mich besonders an Kammermusik fasziniert.

In musikhistorischer Sicht ist jedenfalls klar, dass große und bedeutende Werke für kammermusikalische Besetzungen entstanden sind. Dabei müssen wir nicht nur an Streichquartette denken oder an die Klaviertrios von Ludwig van Beethoven und Johannes Brahms. Das Klaviertrio von Carl Maria von Weber, das wir heute spielen, ist nämlich auch ein solch bedeutendes Werk.

Torsten Möller: Was ist das Besondere an diesem Trio, das Carl Maria von Weber 1819 praktisch zeitgleich zu seiner bekannten Oper „Der Freischütz“ schrieb?

Alfonso Gómez: Ich finde tatsächlich, dass man die zeitliche Nähe zu Webers Oper „Der Freischütz“ spürt. Das Trio ist sehr gesanglich, es betont also die Oberstimmen. Obwohl das Stück leicht fassbar scheint, hat es doch einige Besonderheiten. Insbesondere der letzte Satz ist sehr dicht und kontrapunktisch enorm kunstvoll komponiert. Er umfasst etwa 300 Take und der erste Satz etwa 200 Takte – diese Aufwertung des Finalsatzes war zur Entstehungszeit relativ neu. Bekannt ist diese ja in erster Linie vom späten Beethoven: Etwa im letzten Satz der neunten Sinfonie oder in der Klaviersonate op. 110 oder der wunderbaren Arietta aus der Klaviersonate op. 111. Man weiß, dass sich Weber und Beethoven schätzten und sich Briefe schrieben. Ich halte es daher nicht für unwahrscheinlich, dass Beethoven von Weber auch musikalisch inspiriert wurde.

Torsten Möller: Wo liegen die besonderen interpretatorischen Herausforderungen des Trios von Weber?

Alfonso Gómez: Technisch gesehen ist es kein Hexenwerk. Dieser „musikantische“ Touch macht es spielerisch leicht zugänglich. Besonders sind aber die ständigen Stimmungswechsel. Weber ließ sich von der Volksmusik inspirieren; dazu gehört auch die Aufnahme des Liedes „Schäfers Klage“, dessen Text von der Volkskultur in die Hochkultur eines Goethe eingedrungen ist. Wie Antonín Dvořák oder Johannes Brahms adaptierte Weber die in der Volksmusik häufigen Wechsel von Dur und Moll. Das geschieht in diesem Trio oft sehr kleinteilig, sodass man als Interpret immer wieder geistig-emotional umschalten muss, um den Ausdruck richtig zu erfassen – und dann zu unterstreichen.

Torsten Möller: Hier Carl Maria von Weber, dort zwei amerikanische Werke: ein kurzes Trio von Chick Corea und ein Streichquartett von der afroamerikanischen Komponistin Florence Price aus dem Jahr 1935. Wie kamen sie auf diese Stücke, die beide ja so gut wie unbekannt sind?

Harald Paul: Die pure Neugierde, würde ich erstmal sagen. Den Namen Florence Price hatte ich – ehrlich gesagt – noch nie gehört und bin erst beim Zappen auf YouTube darauf gestoßen. Wir stellten uns also einfach die Frage: Was wurde da in Amerika komponiert fernab großer Namen und durchaus auch fernab bekannter Wege der Avantgarde? George Gershwin lebte ja in etwa zur gleichen Zeit wie Florence Price. Aber seine Hits „Rhapsody in Blue“ oder „Porgy and Bess“ werden häufig gespielt. Übrigens auch sein Streichquartett „Lullaby“, das Gershwin um 1920 schrieb.

Ich sollte vielleicht hinzufügen, dass ich persönlich mit Amerika und der dortigen Musik verbunden bin – unter anderem durch mein Studium am Oberlin Conservatory in der Nähe von Cleveland in den frühen 1990er-Jahren. Da gab es schon einige Besonderheiten, die sich nun auch auf das heutige Konzertprogramm auswirken. Bekanntlich ist dieses Denken in den Kategorien „E-“ und „U-Musik“, also ernster und unterhaltender Musik, in Amerika nicht üblich. Für mich ist es so geblieben. Ich spiele heute in einem Salonorchester, ich liebe grenzüberschreitende Genres und bin ein ganz großer Jazzfan. Wenn ich das sagen darf: Ich höre zu Hause mehr Jazz als Klassik, insbesondere auch Chick Corea und Miles Davies. Hierzulande kann man es sich kaum vorstellen. Am Oberlin Conservatory kamen die Studenten oft an Wochenenden zusammen, und alle machten Jam-Sessions, improvisierten einfach so zusammen.

Torsten Möller: Was fiel Ihnen denn so auf an den beiden Stücken?

Harald Paul: Florence Price wird als erste afroamerikanische Komponistin beschrieben. In ihrem Streichquartett taucht man umgehend in so ein – salopp gesagt – „Südstaaten-Feeling“ ab. Zumindest unterschwellig schwingen oft Gospel-Melodien mit oder Spirituals. Es ist also diese „Summertime-Atmosphäre“, die Price uns präsentiert. „Summertime“ von George Gershwin ist übrigens von der afroamerikanischen Folklore inspiriert. Und die Oper „Porgy and Bess“, aus der dieser Hit ja stammt, kam 1935 im gleichen Jahr zur Uraufführung, als Florence Price ihr Streichquartett schrieb.

Wir sind im Moment noch mitten im Probenprozess. Ich weiß also noch gar nicht so ganz genau, was wir aus dieser Musik sonst noch alles herauslesen werden. Für mich persönlich ist das Biografische allerdings auch sehr interessant. „Ich habe zwei Probleme“, sagte Price einmal: „Ich bin eine Frau und eine Afroamerikanerin.“ Sie hatte offenbar Witz und war eine blitzgescheite Frau. Mal sehen, welche Seiten uns dieses Streichquartett noch so offenbart.

Alfonso Gómez: Das Trio von Chick Corea wurde erstmals 1968 auf Vinyl veröffentlicht. Es beruht im Kern hauptsächlich auf seinen eigenen Klavierimprovisationen. Daher wird es – wie eigentlich in jeder Musik – darauf ankommen, mehr aus den Noten zu machen, als nur im Text steht. „Das beste der Musik steht nicht in den Noten“, sagte ja schon Gustav Mahler. In Coreas Fall geht es da vor allem um diesen spritzig-improvisierten Ausdruck, um die Darstellung von Lebendigkeit, Lust und Spontaneität.

Torsten Möller ∙ studierte an der Berliner Humboldt-Universität Musikwissenschaft, Kunstgeschichte und Soziologie. Mit dem Schwerpunkt auf der Musik des 20. und 21. Jahrhunderts ist er freiberuflich tätig für Radio (SWR Kultur, Deutschlandfunk) und Print (Schweizer Musikzeitung, MusikTexte). In Essen unterrichtet Torsten Möller das Fach Musikjournalismus an der dortigen Folkwang Universität der Künste.

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Impressum
Sabrina Haane, Gesamtleitung SWR Symphonieorchester
Séverine Peter, Künstlerische Planung (interimistisch)
Tabea Dupree, Redaktion SWR Kultur
Henrik Hoffmann, Redaktion Programmheft

Sämtliche Texte sind Originalbeiträge für dieses Programmheft.