INHALT
Konzerttermine
Programm
Kurzinfos zum Konzert
Werkeinführungstext
Künstlerbiografien
Orchesterbesetzung
Konzertvorschau
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Service
KONZERTTERMINE
Do 19. März 2026, 20 Uhr
Fr 20. März 2026, 20 Uhr
Stuttgart, Liederhalle
So 22. März 2026, 19 Uhr
Mannheim, Rosengarten
Kostenlose Einführung eine Stunde vor Konzertbeginn
PROGRAMM
Periklis Koukos
(*1960)
Drei archaische Tänze für Orchester
Parodos – Pyrrhichios. Largo – Allegro Vivace
Dithyrambikon. Allegro
Epiklesis. Grave misterioso – Andante tranquillo – Presto energico
ca. 10‘
Felix Mendelssohn Bartholdy
(1809 – 1847)
Konzert für Violine und Orchester e-Moll op. 64
Allegro molto appassionato
Andante
Allegretto non troppo – Allegro molto vivace
ca. 28‘
Pause
Felix Mendelssohn Bartholdy
Sinfonie Nr. 4 A-Dur op. 90 („Italienische“)
Allegro vivace
Andante con moto
Con moto moderato
Saltarello. Presto
ca. 29‘
Nikos Skalkottas
(1904 – 1949)
Fünf griechische Tänze für Streichorchester
Epirotikos. Moderato
Kretikos. Allegretto moderato
Tsamikos. Allegro moderato
Arkadikos. Moderato
Kleftikos. Allegro vivo
ca. 10‘
Mitwirkende
Karen Gomyo, Violine
SWR Symphonieorchester
Constantinos Carydis, Dirigent
Live-Videostream · Freitag, 20. März 2026 ab 20.03 Uhr auf SWR.de/so
Live-Radiosendung · Freitag, 20. März 2026 ab 20.03 Uhr auf SWR Kultur
Konzerteinführungen · Rafael Rennicke
KURZINFOS ZUM KONZERT
WERKEINFÜHRUNGSTEXT
Violinkonzert und „Italienische“ Sinfonie
von Felix Mendelssohn Bartholdy
Zwei populäre Werke von Felix Mendelssohn Bartholdy bilden die zentrale Säule des heutigen Programms. Was unmittelbar die Frage aufwirft, warum es wenige Komponisten gibt, deren Name so allgemein bekannt ist wie seiner, diese Prominenz aber in einem erstaunlichen Missverhältnis steht zu den Aufführungszahlen seiner Musik. In der Statistik des Online-Portals Bachtrack für 2024 kommt Mendelssohns Name bei den vorderen Positionen der meistaufgeführten Komponisten nicht vor. Nur bei den meistgespielten Violinkonzerten steht seines an zweiter Stelle – nach dem von Johannes Brahms. Wir stehen gewissermaßen vor einem Rätsel. Bekannt ist allerdings, welches Unheil Richard Wagner in der Mendelssohn-Rezeption angerichtet hat. Über das Verhältnis Mendelssohn-Wagner, genauer Wagner-Mendelssohn ließen sich ganze Kapitel verfassen. Mendelssohns Erfolg zu Lebzeiten in England und Deutschland hielt in seiner Heimat nicht lange an. Spätestens mit Wagners zunächst unter dem Pseudonym K. Freigedank veröffentlichten Kampfschrift „Das Judentum in der Musik“ 1850, drei Jahre nach dem Tod des Komponisten, waren die Barrieren niedergerissen. Statt „tiefer und markiger menschlicher Herzensempfindungen“ böte dessen Werk „unterhaltungssüchtige Fantasie“, so Wagner. Dabei hatte er während der Begegnungen mit Mendelssohn nur Freundliches von ihm erfahren. In Cosima Wagners Tagebüchern wird er einige Male erwähnt. Manchmal, als habe Wagner ein schlechtes Gewissen. Cosima notiert: „R. träumte von Mendelssohn, dass er ihm du sagte…“ Während der Komposition der „Götterdämmerung“ ruft Wagner aus: „Mendelssohn würde die Hände über dem Kopf zusammenschlagen, wenn er mich komponieren sähe.“ Mit Beginn des 20. Jahrhunderts hatte sich die einseitige Charakterisierung des Komponisten verfestigt: Er galt als Klassizist, weniger als Romantiker. Hugo Rie-mann, Mitbegründer der deutschen Musikwissenschaft, hebt hervor: Wegen „des Ebenmaßes und der klaren Disposition, die überall sein Schaffen beherrschen“, sei er „mehr direkt in der Gefolgschaft der Klassiker (zu) stellen als sein Altersgenosse Schumann“.
Den entscheidenden Stoß in Mendelssohns Nachleben versetzen ihm die Nationalsozialisten. Am 9. November 1936 – dieser 9. November scheint ein deutscher „Schicksalstag“ zu sein: man denke an die Novemberrevolution 1918, die brennenden Synagogen 1938, den Mauerfall 1989 – räumen die Nationalsozialisten über Nacht das Mendelssohn-Denkmal vor dem Gewandhaus ab. Als die Leipziger am nächsten Morgen aufwachen, ist es einfach weg. Das bleibt im Ausland nicht unbeobachtet. Das New York College of Music bemüht sich, das abmontierte Denkmal zu überführen und in der Stadt mit den meisten jüdischen Einwohnern in der neuen Welt aufzustellen. Das Reichsinnenministerium stimmt zu, die Stadt Leipzig lehnt das Ansinnen ohne Begründung ab. Also kauft ein unbekannter Steinmetz den Granitsockel, die Bronzefigur bleibt verschwunden und wird vermutlich 1940 im Zuge der „Metallspende des Deutschen Volkes an den Führer“ eingeschmolzen. Immerhin, eine Nachbildung der Statue von 1892 ist heute nach Leipzig zurückgekehrt, steht jetzt in den Grünanlagen in der Nähe der Thomaskirche.
Ein originelleres Mendelssohn-Denkmal findet sich in der Nähe des neuen Gewandhauses: An einem Nebenarm der Pleiße, dem heutigen „Mendelssohn-Ufer“, sind terrassenförmige Stufen angeordnet, auf denen scheinbar zufällig Sitzelemente aus Holz verstreut sind. Aus entfernterer Perspektive fügen sie sich zum Bild eines Notensystems zusammen, und die Holzsitze ergeben, als Noten gelesen, die Anfangstakte von Mendelssohns Violinkonzert e-Moll. Ein Werk, das noch recht lange auch nach 1933 in Deutschland im Konzert und auf Schallplatte immer wieder zu hören ist: Seine Popularität ist einfach zu groß. Erst am 1. April 1938 greifen die Nazis rigoros durch: Von diesem Datum an fallen alle Aufnahmen jüdischer Musiker und Komponisten unter ein Veröffentlichungs- und Vertriebsverbot.
An Mendelssohn kleben die Klischees hartnäckig. Als ihm zu Ehren 1972 in Deutschland erstmals ein großer Fachkongress veranstaltet wird – an sich durchaus verdienstvoll –, gibt ihm der leitende Musikwissenschaftler Carl Dahlhaus den unglücklichen Titel „Das Problem Mendelssohn“. Er perpetuiert damit, was man eigentlich ausräumen möchte. Und noch in dem 2005 erschienenen, äußerst serösen Konzertführer des Rowohlt-Verlages wird behauptet, Mendelssohn sei „vom Judentum zum Protestantismus konvertiert“. Das gehört zu den langanhaltenden Missverständnissen des Mendelssohns-Bildes, man erinnere sich nur, wie Carl Friedrich Zelter Goethe von seinem Schüler berichtet: „Er ist zwar ein Judensohn, aber kein Jude. Der Vater hat mit bedeutender Aufopferung seine Söhne nicht beschneiden lassen…“ Tatsächlich hat Abraham, Sohn des berühmten Philosophen Moses Mendelssohn, seine Kinder konsequent christlich erziehen lassen. Der 1809 in Hamburg geborene Felix und seine drei Jahre ältere Schwester Fanny werden 1816 in Berlin evangelisch getauft. Die Eltern selbst konvertieren 1822 zum Protestantismus. (Heinrich Heine, von jüdischer Herkunft spöttelte, dass sie sich damit die Eintrittskarte in die Gesellschaft erkauft hätten – wenige Jahre später ließ sich Heine selbst taufen…). Im gleichen Jahr erhält Abraham Mendelssohn die Erlaubnis, den Zusatznamen „Bartholdy“ anzunehmen – es handelt sich um den Namen des Eigentümers einer Meierei, die der Großvater seiner Frau einst gekauft hatte. Dieser Namenszusatz hat Folgen. Eine „verständige“ Musikforschung möchte nach 1945 die durch die Nazis in Misskredit gebrachten jüdischen Wurzeln Mendelssohn betonen, indem sie darauf insistiert, besser den Namen Bartholdy wegzulassen – posthum und eigenwillig also den Komponisten ermuntert, zu seiner Herkunft zu stehen. Ein aus heutiger Sicht rassistisches Konzept. Dem steht Abraham Mendelssohn entgegen, der seinem Sohn rät, sich künftig Felix Bartholdy zu nennen: „…einen christlichen Mendelssohn gibt es so wenig als einen jüdischen Confuzius.“ Bekanntlich hält sich der Sohn nicht an den Rat. Jedenfalls verleugnet er seine familiäre Zugehörigkeit nicht, zeichnet seine Briefe – auch an die engsten Freunde und die Familie – meist mit dem vollständigen Namen Mendelssohn Bartholdy.
Das eben erwähnte Violinkonzert hat Mendelssohn für den jungen, hochbegabten Geiger Ferdinand David geschrieben. Als Mendelssohn 1835 in Leipzig das Gewandhausorchester übernimmt, holt er seinen Freund Ferdinand als Konzertmeister. An ihn schreibt Mendelssohn 1838: „Ich möchte Dir wohl auch ein Violin Concert machen für nächsten Winter; eins in e moll steckt mir im Kopfe, dessen Anfang mir keine Ruhe lässt.“ Darauf David, hocherfreut: „Wenn Du ein Concert für die Geige in e moll schreibst (was natürlich die leise Hoffnung auf einiges e dur in mir erwect), so bist Du der himmlischste Mensch, ich verspreche Dir es so einzuüben, dass sich die Engel im Himmel freun sollen.“ Die Engel und Ferdinand David müssen lange warten, Mendelssohn ist völlig überarbeitet. 1843 drängelt Ferdinand David, den Freund spaßeshalber wieder siezend, dass ihm der „Dank der ganzen civilisirten Violin=Welt“ zuteilwerde, würde er sich nur ans Komponieren machen. Die Hartnäckigkeit wird belohnt. Am 16. September 1844 schließt Mendelssohn in Bad Soden bei Frankfurt am Main endlich die Partitur ab. Nachdem David sie erhalten hat, antwortet er: „Dein Violin Conzert ist herrlich, 1000 mal besser als alles was wir armen Geiger zusammenstoppeln.“ Uraufgeführt wird es am 13. März 1845 in Leipzig – natürlich mit Ferdinand David als Solisten.
Unkonventionell, doch prägnant, damit höchst originell beginnt es. Gleich im zweiten Takt setzt die Sologeige ohne gewichtige oder redselige Orchestereinleitung ein: zart und aufbruchsfreudig zugleich, eine Art unendliche Melodie (hat auch das Wagner vom Geschmähten gelernt?) von 46 Takten. Gegen die Norm verstößt die Platzierung der im Gegensatz zu den Klavierkonzerten ausnotierten Kadenz, die nicht wie herkömmlich vor der Coda steht, sondern am Ende des Durchführungsteils; Freund David dürfte dabei behilflich gewesen sein. Ein toller Einfall auch die Idee, den Mittelsatz, ein Andante, ohne Unterbrechung folgen zu lassen. Hier singt sich Mendelssohn schlicht-naiv (als sei er noch das göttergleiche Wunderkind) und herzbewegend aus. Und wieder geht es ohne Unterbrechung weiter ins Finale, das eine ironische Fanfare einleitet. Als ob er in diesem Satz, zwei Jahre vor seinem Tod, zurückblicken wolle auf seine jugendlichen Anfänge knapp zwanzig Jahre zuvor: Wie in seiner „Sommernachtstraum“-Musik tanzen die Feen in nächtlichen Wäldern, in denen es nicht gefährlich, sondern erotisch-lockend spukt, Puck über die Saiten springend ein wenig frech vorbeihüpft. Alles ist Heiterkeit, Delikatesse.
Der Beginn des Violinkonzerts gleicht übrigens dem Anfang eines früheren Werks, Mendelssohns vierter Sinfonie, der „Italienischen“. Auch sie fällt thematisch mit der Tür ins Haus. Nach zwei Takten fröhlich pochender Holzbläser und Hörner, jauchzen die Violinen in hoher Lage ein glückspralles Thema, wie es nur dieser Komponist schreiben konnte – tänzerisch, agil eilen sie durch die Tonräume, der klanggewordene Traum des Südens. 1830 reist Mendelssohn über München, Wien Venedig, Bologna und Florenz nach Rom, wo er vom November bis zu kommenden April bleibt, italienische Kunst und Lebensart inhaliert, anschließend – ganz deutscher Bildungsbürger – noch Neapel, Pompeji, Ischia und Capri „mitnimmt“. In dieser Zeit lernt er Hector Berlioz kennen. Beide wissen sofort, dass sie jeweils einem Genie gegenüberstehen – so unterschiedlich ihre Sprache sein mag. Manche klangliche Wirkung hat der eine vom anderen abgelauscht, besonders bei der Holzbläserbehandlung. Findet Mendelssohns Springtanz-Sinfoniefinale, ein Saltarello, nicht ein Echo in Berliozʼ Scherzo: „La reine Mab“ aus „Roméo et Juliette“? Und eine verblüffende kompositorische Geistesverwandtschaft – auch wenn keiner das Werk des anderen gekannt haben kann – erweist sich, wenn man den zweiten Satz der Sinfonie, das Andante con moto, eine Art Prozessionsmusik von geradezu räumlicher Wirkung, neben den zweiten Satz von Berliozʼ Sinfonie „Harold in Italien“ legt, den „Marsch der Pilger“, der ähnlich mit Ferne und Nähe spielt. Noch steht Mendelssohns Sinfonie nicht auf dem Papier. Wie Mozart – „componirt ist schon alles, geschrieben noch nichts“ – konzipiert Mendelssohn seine Werke oft im Geiste. Die vierte Sinfonie wird schließlich während seines dritten Aufenthalts in London am 13. Mai 1833 in den Hanover Square Rooms im West End uraufgeführt.
Tänze aus Griechenland
von Periklis Koukos und Nikos Skalkottas
Gerahmt wird der Kosmos Mendelssohn von Werken zweier griechischer Komponisten. Mag auch die (klassische) Musiktradition dieses Landes in der Neuzeit schmal sein: Die Mythologie billigt ihm zu, dass dort, an der Grenze von Europa zu Asien, die Quelle der Musik überhaupt entspringt. Erinnert sei an den Sänger und Dichter Orpheus und den Hirtengott Pan mit seiner Flöte. Sie stehen für die zwei Seiten musikalischer Expression: das Vokale und das Instrumentalspiel. Nach Mikis Theodorakis‘ Tod 2021 ist der Pianist, Dirigent, Kulturmanager und Komponist Periklis Koukos, 1960 in Athen geboren, eine wichtige Identifikationsfigur des griechischen Musiklebens. In diversen Funktionen hat er – als Hochschullehrer, Festivalleiter, Opernintendant – das Musikleben geprägt. In seinem Selbstverständnis sieht er sich in erster Linie als Komponist. Nach atonalen Anfängen weitet sich seine musikalische Sprache bis hin zu Neoromantik, widmet er sich vom Tango bis zur Oper vielfältigen Gattungen.
Wie viele seiner Werke sind Koukosʼ „Drei archaischen Tänze für Orchester“ tonal grundiert und sprechen durch bildhafte Griffigkeit unmittelbar an. Sie sind 2006 im Zusammenhang mit seinem auf Aischylosʼ Tragödie basierenden Opernprojekt „Die Perser“ entstanden. Der erste Tanz „Parodos–Pyrrhichios“ steht für das Einzugslied des Chores in das Theater, das in einen Kriegstanz mündet. Der „Dithyrambos“ überschriebene zweite Tanz ist eine Hymne zu Ehren des Gottes Dionysos, im finalen Tanz „Epiklesis“ ruft der Chor Hades an, den Gott der Unterwelt, den Perser-König Darius daraus zu entlassen, damit er ihnen vom frevlerischen Feldzug gegen Griechenland berichte.
Eine tragische Persönlichkeit der griechischen Musik, der erfreulicherweise seit einigen Jahren wieder verstärktes Interesse entgegengebracht wird, ist der Komponist Nikos Skalkottas (1904-1949). Ihm stand eine glänzende Solo-Karriere als Geiger offen – er entschied sich 1925 aber, der Komposition den Vorzug zu geben. In Berlin studierte er bei Philipp Jarnach und an der Preußischen Akademie der Künste bei Arnold Schönberg, der ihn außerordentlich schätzte. Als Theodor W. Adorno einmal Musik von ihm in einer Radioübertragung hörte, war er des Lobes voll. Auch bei Kurt Weill hat Skalkottas einige Stunden genommen. Das erklärt vielleicht sein Gespür für Rhythmisches, den Tanz – er entwickelt eine ganz eigene Tonsprache, bei der er sich neben Folklore neoklassischer und zwölftöniger Mittel bedient.
Sein Hauptwerk entstand nach seiner Rückkehr aus Deutschland zwischen 1935 und 1945. Strukturell komplex, architektonisch versiert, ist seine Musik mit einem meisterlichen Gespür für Farben und Balancen konzipiert. Seine Orchesterwerke zeugen von immenser Metierkenntnis – 1940 verfasst Skalkottas eine „Technik der Orchestration“, leider liegt sie bis heute allein als Manuskript vor. Wohl seine bekannteste Musik sind die 36 „Griechischen Tänze“ in drei Folgen zu je zwölf Tänzen. Sie entstehen zwischen 1931 und 1936, in einer Phase persönlicher Depression – man hört es ihnen nicht an. In dieser Zeit hat sich Skalkottas intensiv mit der Folklore Griechenlands befasst. Aus den drei Dutzend Sätzen hat Constantinos Carydis eine eigene Suite von fünf Tänzen zusammengestellt. Zwei von ihnen („Kretikos“ und „Tsamikos“) basieren auf originalen Volksmelodien, die übrigen, „Epirotikos“ und „Arkadikos“ sowie der furiose Rundtanz „Kleftikos“ zum Ausklang sind Skalkottas’ eigene Erfindungen. Es sind vitale Zeugnisse eines traurig endenden Komponistenlebens: Skalkottas, der zuletzt nur für die Schublade schreibt, stirbt 1949, gerade 45-jährig, an den Folgen eines unbehandelten Leistenbruchs.
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Götz Thieme ∙ in Düsseldorf geboren, studierte in Hamburg Querflöte, historische und systematische Musikwissenschaft sowie Germanistik. Seine Magisterarbeit schrieb er über Alfred Schnittkes Ballett „Peer Gynt“. Von 2000 bis 2016 war er Musikredakteur der Stuttgarter Zeitung, seit 2022 ist er freier Publizist unter anderem für „Opernwelt“, „Fono Forum“, „Badische Zeitung“ und den Südwestrundfunk
KÜNSTLERBIOGRAFIEN
Karen Gomyo, Violine
Karen Gomyo, „eine erstklassige Künstlerin von wahrer musikalischer Meisterschaft, Vitalität, Brillanz und Intensität“ (The Chicago Tribune), besitzt die Gabe, ihr Publikum durch ihre tief emotionalen und gefühlvollen Darbietungen zu fesseln und eine unmittelbare Verbindung zu ihm herzustellen. Mit makelloser Beherrschung ihres Instruments und elegantem Ausdruck zählt sie zu den führenden Geigerinnen unserer Zeit. Die in Tokio geborene Karen Gomyo begann ihre musikalische Karriere in Montréal und New York. Sie studierte an der Juilliard School bei der legendären Pädagogin Dorothy DeLay, bevor sie ihre Studien an der Jacobs School of Music der Indiana University und am New England Conservatory bei Mauricio Fuks bzw. Donald Weilerstein fortsetzte. Zudem verbrachte sie eine prägende Zeit mit Privatunterricht bei Heinrich Schiff in Wien. Karen Gomyo wirkte als Violinistin, Moderatorin und Sprecherin in dem von NHK Japan produzierten Dokumentarfilm über Antonio Stradivarius mit dem Titel „Die Geheimnisse der Violine“ mit, der weltweit auf NHK WORLD ausgestrahlt wurde.
In der Saison 2024/2025 gab sie ihr Debüt beim NDR Elbphilharmonie Orchester, dem Orchester RAI Turin und den Philharmonischen Orchestern von Helsinki, Oslo und Warschau und kehrte zu den Sinfonieorchestern von Baltimore, Indianapolis, Montreal, Toronto, Sydney und Melbourne zurück. In der laufenden Saison ist Karen Gomyo erneut bei den New Yorker Philharmonikern, dem New World Symphony Orchestra, dem Nationalen Sinfonieorchester Taiwan, dem Orchester der Accademia Nazionale di Santa Cecilia in Rom, dem Residentie Orkest Den Haag und dem Helsingborger Sinfonieorchester. Sie gibt außerdem ihr Debüt beim SWR Symphonieorchester, beim Tonkünstler-Orchester Niederösterreich, beim Malaysian Philharmonic und beim Orchester des Hyogo Performing Arts Centre. Zu weiteren Höhepunkten in jüngster Zeit zählen ihre Debüts beim Gewandhausorchester Leipzig unter Semyon Bychkov, beim Tokyo Metropolitan Orchestra mit Jakub Hrůša, beim Pittsburgh Symphony Orchestra, beim Orquesta Nacional de España und bei der Tschechischen Philharmonie sowie Gastauftritte beim Dallas Symphony Orchestra, dem Chicago Symphony Orchestra, dem Orchestre Philharmonique de Radio France, den Bamberger Symphonikern und dem WDR Sinfonieorchester Köln. Als versierte Kammermusikerin trat Karen Gomyo u. a. mit Künstlern wie Olli Mustonen, Leif Ove Andsnes, James Ehnes, Emmanuel Pahud, Julian Steckel, Heinrich Schiff, Susan Graham, Tine Thing Helseth und Ismo Eskelinen auf. Sie ist zudem eine leidenschaftliche Interpretin des „Nuevo Tango“ von Astor Piazzolla und veröffentlichte 2021 das Album „A Piazzolla Trilogy“. Jede Saison präsentiert Karen Gomyo das Werk eines zeitgenössischen Komponisten. Sie spielte die US-Premieren von Samy Moussas Violinkonzert „Adrano“ mit dem Pittsburgh Symphony Orchestra, Matthias Pintschers zweites Violinkonzert „Mar’eh“ mit dem National Symphony Orchestra in Washington unter der Leitung des Komponisten sowie Xi Wangs „YEAR 2020: Concerto for Violin, Trumpet and Orchestra“ mit dem Dallas Symphony Orchestra und der Trompeterin Tine Thing Helseth. 2018 spielte sie die Weltpremiere von Samuel Adams’ Kammerkonzert mit Mitgliedern des Chicago Symphony Orchestra und Esa-Pekka Salonen, das eigens für sie komponiert und für die MusicNOW-Reihe zum 20-jährigen Jubiläum des CSO in Auftrag gegeben worden war.
Constantinos Carydis, Dirigent
Zu den jüngsten Auftritten von Constantinos Carydis zählen Konzerte beim Athener Epidaurus Festival mit dem Chamber Orchestra of Europe sowie Einladungen der Wiener Symphoniker, des Finnischen Radio-Sinfonieorchesters und des Royal Concertgebouw Orchestra Amsterdam. In der Saison 2025/2026 tritt er mit Orchestern wie dem Orchestra della Teatro La Fenice Venedig, dem SWR Symphonieorchester, dem Deutschen Sinfonieorchester Berlin, dem WDR Sinfonieorchester, dem Konzerthausorchester Berlin und dem Orchestra della Svizzera italiana auf. Er kehrt zum Mozarteumorchester Salzburg zurück und konzertiert erneut mit dem Orquesta Filarmónica de Gran Canaria.
Constantinos Carydis hat bereits mit Orchestern wie den Wiener Philharmonikern, den Berliner Philharmonikern, dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, den Münchner Philharmonikern, den Bamberger Symphonikern, den Osloer Philharmonikern, dem Swedish Radio Symphony Orchestra, der Filarmonica della Scala, dem Orchestra dell’Accademia Nazionale di Santa Cecilia, dem Mahler Chamber Orchestra, dem Tonhalle-Orchester Zürich und dem City of Birmingham Symphony Orchestra zusammengearbeitet. Als Operndirigent arbeitet Carydis mit Ensembles wie der Bayerischen Staatsoper, der Oper Frankfurt, dem Royal Opera House Covent Garden, der Wiener Staatsoper, der Staatsoper Berlin, der De Nationale Opera Amsterdam, der Komischen Oper Berlin, der Opéra de Lyon und bei Festivals wie den Salzburger Festspielen, dem Edinburgh International Festival, den Dresdner Musikfestspielen, dem Hellenic Festival in Athen, dem Enescu Festival in Bukarest und Settimane Musicali di Ascona zusammen.
Constantinos Carydis wurde in Athen geboren. Er studierte Klavier und Musiktheorie am Athener Konservatorium und schloss sein Dirigierstudium an der Hochschule für Musik und Theater in München ab. 2011 wurde ihm der Carlos-Kleiber-Preis der Bayerischen Staatsoper verliehen.
SWR Symphonieorchester
Das SWR Symphonieorchester hat in der Liederhalle Stuttgart und im Konzerthaus Freiburg sein künstlerisches Zuhause. Im September 2016 aus der Zusammenführung des Radio-Sinfonieorchesters Stuttgart des SWR und des SWR Sinfonieorchesters Baden-Baden und Freiburg hervorgegangen, zählen Interpretationsansätze aus der historisch informierten Aufführungspraxis, das klassisch-romantische Kernrepertoire sowie Musik der Gegenwart gleichermaßen zu seinem künstlerischen Profil. Seit September 2025 ist François-Xavier Roth Chefdirigent und Künstlerischer Leiter des SWR Symphonieorchesters. Er folgt damit auf Teodor Currentzis, der von 2018 bis 2024 an der Spitze des Orchesters stand. Zu den jährlichen Fixpunkten im Konzertkalender des SWR Symphonieorchesters zählen die SWR eigenen Konzertreihen in Stuttgart, Freiburg und Mannheim sowie Auftritte bei den Donaueschinger Musiktagen und den Schwetzinger SWR Festspielen.
Seit 2020 ist das SWR Symphonieorchester das Residenzorchester der Pfingstfestspiele im Festspielhaus Baden-Baden. Einladungen führen das Orchester regelmäßig zu den Salzburger Festspielen, in die Elbphilharmonie Hamburg, nach Berlin, Köln, Frankfurt, Dortmund, Essen, Wien, Edinburgh, London, Barcelona, Madrid und Warschau. International gefragte Dirigenten wie Herbert Blomstedt, Peter Eötvös, Christoph Eschenbach, Pablo Heras-Casado, Manfred Honeck, Jakub Hrůša, Eliahu Inbal, Ingo Metzmacher, Kent Nagano, Sir Roger Norrington, Jonathan Nott, Andrés Orozco-Estrada, Petr Popelka, Michael Sanderling und Giedrė Šlekytė haben mit dem SWR Symphonieorchester zusammengearbeitet. Unter den hochkarätigen Solisten finden sich Leif Ove Andsnes, Yulianna Avdeeva, Renaud Capuçon, Sol Gabetta, Martin Grubinger, Isabelle Faust, Vilde Frang, Hilary Hahn, Janine Jansen, Alexandre Kantorow, Sabine Meyer, Emmanuel Pahud, Fazil Say, Gil Shaham, Antoine Tamestit und Christian Tetzlaff. Seit September 2024 steht die Geigerin Patricia Kopatchinskaja dem SWR Symphonieorchester als Artistic Partner für zwei Spielzeiten zur Seite. Mit seinem umfangreichen Musikvermittlungsangebot erreicht das Orchester jährlich etwa 15.000 Kinder, Jugendliche und Erwachsene im Sendegebiet des SWR. Zahlreiche Live-Übertragungen auf SWR Kultur und Konzertstreams auf SWR.de/so ermöglichen vielen Musikfreunden in der ganzen Welt, an den Konzerten des Symphonieorchesters teilzuhaben. Seit 2024 ist das SWR Symphonieorchester offizieller Partner von „La Maestra“, dem international bedeutendsten Wettbewerb für Nachwuchsdirigentinnen.
ORCHESTERBESETZUNG
KONZERTVORSCHAU
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Sonstige Informationen
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Impressum
Sabrina Haane, Gesamtleitung SWR Symphonieorchester
Séverine Peter, Künstlerische Planung (interimistisch)
Tabea Dupree, Redaktion SWR Kultur
Henrik Hoffmann, Redaktion Programmheft
Matthias Claudi, Leitung Kommunikation SWR Ensembles und Festivals
Sämtliche Texte sind Originalbeiträge für dieses Programmheft.