Es ist ein doppeltes Highlight für den TV Rottenburg: Mit dem Heimspiel gegen die Powervolleys Düren am 20. Oktober feiert der Aufsteiger nicht nur die Rückkehr in die Volleyball-Bundesliga, sondern darf damit auch die gesamte Saison 2026/27 eröffnen. Bereits zehn Tage zuvor steht für den TVR die Pokal-Qualifikation gegen die Volleygoats Mitteldeutschland an - ebenfalls vor heimischer Kulisse.
20 Jahre nach dem ersten Aufstieg: Krönung des Neuaufbaus
"Es ist geil, sich mit den Besten der Besten messen zu können", freut sich Mittelblocker Yannick Menke im Interview mit SWR Sport. Die Lust, wieder in der Bundesliga anzugreifen, spüre er in der ganzen Mannschaft. Seit der U12 spielt der 26-Jährige im Verein. Die früheren Bundesliga-Zeiten hat er als Balljunge und Wischer vom Spielfeldrand erlebt. Er durchlief die komplette Jugendabteilung des Vereins und rückte in den letzten Jahren auf dem Feld immer mehr in eine tragende Rolle.
Dass Menke und seine Teamkollegen wieder die größte deutsche Volleyball-Bühne betreten dürfen, ist das Produkt eines kontinuierlichen Neuaufbaus. Nach jahrelanger Erstklassigkeit gab es 2020 den harten Einschnitt. Infolge der Corona-Krise entschieden sich die Verantwortlichen für einen Rückzug aus der Bundesliga. Stattdessen: Neustart in der dritten Liga. Von dort ging es 2022 als Meister in die zweite Spielklasse und nun - 20 Jahre nach dem ersten Aufstieg - gelang der Sprung in die höchste Etage. "Es war nie das übergeordnete Ziel, unbedingt aufzusteigen", sagt Manager Timo Hensler in der Reportage der VBL über den Verein.
Der Sprung nach oben war vielmehr die logische Folge vieler kleiner Schritte, in denen die Organisation, das Personal und natürlich die Finanzen auf Erstliga-Niveau gebracht wurden. Zum Stichtag im Mai erreichte der Club den Mindestetat von 500.000 Euro.
Junge Spieler, junger Trainer: So gehen die Rottenburger die Bundesliga an
Die finanzielle Basis ist da, doch wie sieht es sportlich aus? Eine Frage, die vor allem Cheftrainer Jan Scheuermann beantworten muss. Dabei spricht sein bisheriger Erfolg für sich: Unter der Führung des 28-Jährigen ging es von der dritten Liga nach oben, der TVR beschreibt ihn unter anderem als ausgezeichneten Taktiker.
Neben einem jungen Trainer bekommen beim TVR seit jeher auch viele junge Spieler die Chance, sich zu beweisen. "Das ist der Weg, für den Rottenburg steht", sagt Scheuermann. Gleichzeitig bilden Eigengewächse wie Yannick Menke oder Diagonalangreifer Niklas Lichtenauer eine stabile Basis. "Es ist von Vorteil, dass viele Spieler aus der Gegend kommen, sich mit dem Verein identifizieren und das Umfeld kennen", so der Trainer. Die Erfahrenen könnten diese Werte an die Neuen weitergeben.
Apropos Neue: Insgesamt sechs Spieler verpflichtete der TVR in diesem Sommer. Zuletzt kam der US-Amerikaner Theoren Brouillette dazu, weil Eigengewächs und Stamm-Zuspieler Milan Kvrzic verletzungsbedingt erstmal nicht zur Verfügung steht. Zuvor unterschrieben mit Jonas Enemark Petersen, Erik Brand und Daniel Šulista drei Außenangreifer, mit Kieran Robinson-Dunning ein Mittelblocker und mit Mika Ahmann ein Libero jeweils Einjahresverträge. Auf der Abgangsseite stehen fünf Akteure. Besonders die Trennung von Außenangreifer Moritz Rauber und Kapitän Timon Schippmann schmerzt. Letzterer beendete seine Spielerkarriere, wird Jan Scheuermann aber als Co-Trainer unterstützen.
TV Rottenburg: Mit Heimstärke zum Klassenerhalt?
Seit Anfang August läuft die Vorbereitung, gerade im athletischen Bereich gilt es, sich an das höhere Niveau anzupassen. Das Spiel in der Bundesliga ist nochmal schneller, es braucht noch mehr Konsequenz in jeder Aktion. Der TVR ist in diesem Jahr der einzige Aufsteiger, 14 Teams messen sich in der Liga. Der letzte Platz würde den direkten Wiederabstieg bedeuten. Ein Szenario, über das sich Mittelblocker Menke erst gar keine Gedanken machen will. Seine Devise: "So viele Punkte wie möglich holen."
Bei diesem Vorhaben werden die Rottenburger auch wieder auf ihre Fans zählen können. Bei Spitzenspielen kamen in der vergangenen Saison mehr als 1400 Zuschauer in die Volksbank-Arena, bis auf die Partie gegen Meister Bluevolleys Gotha gab es nur Heimsiege. Der nächste soll am Samstag, 10. Oktober, um 19 Uhr folgen. Zum ersten Pflichtspiel in der Pokal-Qualifikation empfängt der TVR die Volleygoats Mitteldeutschland, bevor dann das Warten auf den Bundesliga-Start in den Endspurt geht.