Lotta Berglund gleitet über das Eis im Eissportzentrum Oberstdorf. Auf Schlittschuhen fühlt sich die 35-Jährige zuhause. "Auf dem Eis zu stehen ist wie fliegen, das ist ein magisches Gefühl." Neben dem Eiskunstlauf ist ihre zweite große Leidenschaft das Galopp-Rennen. Die junge Frau lässt sich von nichts aufhalten, obwohl ihr Weg alles andere als leicht war und ist.
Lotta Berglund lebt mit einem seltenen Gendefekt
Von Geburt an hat Lotta Berglund einem seltenen Gendefekt. Sie hat die lebensbedrohliche Herzerkrankung CPVT und leidet an einem komplex-neurologischen Syndrom, das Frontal- und Temporallappenepilepsie sowie frühkindlichen Autismus umfasst.
Sie hat neun Herzoperationen hinter sich und verbrachte viele Jahre ihres Lebens auf der Intensivstation. Nach einem Hirnstamminfarkt bekam Lotta Berglund einen Herzschrittmacher und Defibrillator implantiert.
Die 35-Jährige ist auf fremde Hilfe angewiesen und braucht eine besondere Betreuung: Ein Team aus acht 24-Stunden-Pflegern kümmert sich rund um die Uhr, damit sie ihren Alltag außerhalb des Krankenhauses meistern kann.
Sport gibt ihr Kraft
Doch von all den Einschränkungen lässt sich Lotta Berglund nicht unterkriegen. Sie liebt Pferde über alles. Als Kind nahm sie an Ponyrennen teil. "Ich liebe die Pferde schon mein ganzes Leben, ich bin früher auch selbst geritten. Die Pferde sind einfach richtig toll. Die spüren genau, wie es einem geht", sagt sie. "Ich reite auch heute noch, aber nur ein bisschen Schritt." Im Galopp reiten geht wegen des Defibrillators nicht mehr, da er bei Erschütterungen wehtut.
Schlittschuhe statt Reitstiefel
Vor knapp zwei Jahren entdeckt Lotta Berglund ihre Leidenschaft für das Eiskunstlaufen. Im Januar 2024 - sie war gerade von einem ihrer zahlreichen Krankenhausaufenthalte entlassen worden - kommt sie mit dem Rollstuhl das erste Mal in die Schlittschuhhalle. "Das hat mir so Spaß gemacht, aber irgendwann ist der Rollstuhl wegen des Eises stecken geblieben."
Deswegen probieren sie aus, ob sie mit Schlittschuhen auf dem Eis stehen kann - und das funktioniert richtig gut. Ihr Ehrgeiz wird geweckt und sie nimmt an ersten Wettbewerben teil. Bei den Open Austrian Championships gewinnt sie Sielber. "Ich fühle mich auf dem Eis frei, dann ist man einfach in seiner eigenen Welt", so Lotta Berglund.
Lotta Berglund träumt von den Special Olympics 2029
Immer an ihrer Seite: Trainer Marc Delbrouck. Die beiden sind ein eingespieltes Team. Dreimal die Woche trainieren die beiden beim ERSC Ottobrunn bei München. "Marc ist die allerwichtigste Person, er hat mir alles beigebracht", sagt Lotta über ihren Trainer, der inzwischen auch einer ihrer Pfleger ist.
"Ihre Stärken sind ihr Ehrgeiz und dass sie immer mehr lernen will", sagt Trainer Marc Delbrouck. Lotta Berglunds größter Traum ist die Teilnahme an den Special Olympics Weltwinterspielen 2029 im Eiskunstlauf. Mit ihrem unerschütterlichen Willen und ihrem Optimismus will sie dieses Ziel erreichen.