Vor dem Start der DEL

Die Schwenninger Wild Wings wollen wieder die Großen ärgern

Nach der Playoff-Teilnahme in der vergangenen Saison wollen die Schwenninger Wild Wings erneut angreifen. Dafür haben die Schwarzwälder nicht nur in neue Spieler investiert.

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Stand

Es ist ruhig in Villingen-Schwenningen, dem Städtchen am Rande des Schwarzwalds. "Es ist ein richtig schöner ländlicher Raum mit einer vernünftigen Infrastruktur, einer schönen Stadt und ehrlichen Menschen", sagt Geschäftsführer Gregor Gülpen im Interview mit SWR Sport. Doch wenn seine Wild Wings aufs Eis gehen, wird aus der ländlichen Idylle ein Hexenkessel.

Wild Wings wollen an die erfolgreiche Saison anknüpfen

Seit der Rückkehr 2014 mischt der Traditionsklub die Deutsche Eishockey Liga (DEL) auf, brachte große Klubs aus Köln, Mannheim oder München immer wieder ins Straucheln. Vergangene Saison qualifizierten sich die Schwenninger souverän für die Pre-Playoffs und schalteten dort die Grizzlys Wolfsburg aus. Erst im Viertelfinale mussten sie sich den Kölner Haien geschlagen geben.

Die Kleinstadt-Idylle färbe auch auf den Mannschaftsgeist, meint Stürmer Philip Feist: "Wir laufen als ein Team auf, es ist alles sehr familiär. Jeder versteht sich mit jedem. Das ganze Bild drumherum passt hier in Schwenningen. Das macht es uns Spielern dann auch leicht, hier zu performen."

Umbau der Arena soll den Wild Wings den Erfolg sichern

Die Wild Wings gelten als sportliches Aushängeschild für Schwenningen und Umgebung. Stürmer Mirko Höfflin erlebt die besondere Rolle des Vereins täglich: "Den Verein gibt es seit 122 Jahren, glaube ich. Und das zeigt sich auch in der Leidenschaft. Das ist schon ein bisschen wie eine Religion hier." Auch Philip Feist schwärmt: "Von den Fans kommt ein riesiger Support."

Doch die Fans können die Wild Wings nicht alleine in der Liga halten: "Von der Stadt kommt auch ein riesiger Support", sagt Feist. Zum Beispiel beim Umbau der etwas mehr als 5.000 Zuschauer fassenden Helios-Arena: Der Beton unter dem Eis wurde komplett erneuert, ebenso die Kälte-Anlage und die Lüftung. Etwa 3,4 Millionen Euro investierte die Stadt in die Modernisierung.

Villingen-Schwenningen

3,4 Millionen Euro für Sanierung Helios-Arena frisch saniert: Schwenninger Wild Wings starten auf neuem Eis in die Saison

Neue Betonpiste, moderne Kältetechnik und Photovoltaik: Rechtzeitig zum Start in die DEL-Saison ist die Helios-Arena in Villingen-Schwenningen modernisiert.

Für die Wild Wings war der Umbau sportlich überlebenswichtig - denn ohne verlässliche Eisfläche ist ein DEL-Betrieb nicht möglich. Davon profitieren jedoch nicht nur die Profis: Circa 93 Prozent der Nutzungszeit gehören dem Breitensport, dem Schulsport und Hobbysportlerinnen und -sportlern.

Steve Walker will mit den Wild Wings ins Halbfinale

Kommende Saison wollen die Wild Wings in den Top Sechs der DEL-Hauptrunde landen, damit direkt ins Viertelfinale einziehen - und erstmals das Halbfinale erreichen. "Wir standen schon im Viertelfinale, aber noch nicht im Halbfinale", sagte Trainer Steve Walker im Gespräch mit der "Schwäbischen Zeitung". "Wenn wir uns in ein paar Bereichen steigern können, die vergangene Saison nicht gepasst haben, kann es in der neuen Saison ganz anders laufen."

Der Weg in die Top sechs müssen die Wild Wings jedoch mit einem deutlich veränderten Kader beschreiten. Publikumslieblinge wie die Zwillinge Tylor und Tyson Spink, die zusammen 28 Tore und 61 Vorlagen zum erfolgreichen Playoff-Run der vergangenen Saison beigesteuert haben, spielen fortan für die Dresdner Eislöwen.

Wild Wings starten mit neun Neuzugängen

Neun Spieler kamen dazu. Dazu gehören einige Bekannte Gesichter mit viel Erfahrung:

  • Curtis Valk (371 KHL-Spiele, 68 Tore, 132 Vorlagen)
  • Austin Ortega (322 DEL-Spiele, 129 Tore, 142 Vorlagen)
  • Eric Cornel (298 DEL-Spiele, 68 Tore, 117 Vorlagen)
  • Thomas Schemitsch (119 DEL-Spiele, 17 Tore und 51 Vorlagen)

Mit Verteidiger Alex Peters haben die Wild Wings überdies sehr viel Wucht dazugewonnen. Der 1,93 Meter große Kanadier hat zuletzt bei Rauman Lukko in der finnischen Liga gespielt und soll seine Qualitäten besonders im Penalty-Killing einsetzen.

Wild Wings mit holpriger Vorbereitung

In der Vorbereitung mussten die Wild Wings jedoch einige Ausfälle verkraften und konnten wegen des Umbaus nicht in der heimischen Arena testen. Inwieweit es Chefcoach Walker trotzdem gelungen ist, die Schwenninger schon zu einer schlagkräftigen Einheit zu formen, die den höheren Ansprüchen gewachsen ist, können Phil Hungerecker, Alexander Karachun und Co. bereits am Donnerstag beim Saison-Auftakt gegen die Löwen Frankfurt zeigen.

Wild-Wings-Manager Stefan Wagner ist jedenfalls optimistisch: "Die Entwicklung der letzten Jahre ist sehr, sehr positiv. Aber wir alle sind hungrig, dass wir die nächsten Schritte gehen. Die Kurve des Klubs zeigt in die richtige Richtung."

Erstmals publiziert am
Stand
Ein Film von
Claus-Peter Hufer
Onlinefassung
Michael Richmann
Michael Richmann ist Sportredakteur, Podcast- und Feature-Autor für SWR Sport und SWR Kultur.