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Bietigheims Kapitän Paco Barthe vor dem Pokal-Duell gegen Kiel: "Warum nicht ein Sieg?"

Der THW Kiel ist im Achtelfinale des DHB-Pokals zu Gast in Bietigheim. Alles andere als ein Kieler Sieg wäre eine Sensation. Bietigheims Kapitän Paco Barthe geht trotzdem davon aus, einen tollen Abend zu erleben.

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Stand

Nach Siegen gegen die SG Leutershausen (34:27) und den TV Hüttenberg (31:26) stehen die Handballer im Achtelfinale des DHB-Pokals. Dort trifft der Zweitligist am Donnerstagabend (Anwurf 19:30 Uhr) auf das Weltklasse-Team des THW Kiel. Die Favoriten-Rolle ist klar verteilt: Kiel muss das Spiel gewinnen. Bietigheims Kapitän Paco Barthe sprach im Interview mit SWR Sport über große Namen, die eigenen Grenzen und wie Sport auch dann Spaß machen kann, wenn man eigentlich keine Chance hat.

Schon in der Handball-Bundesliga gibt es kaum Überraschungen. Sie treten nun als Zweitligist gegen den THW Kiel an. Sie haben keine Chance. Warum treten sie trotzdem an?

Paco Barthe: Also erstens - ich glaube nicht, dass wir keine Chance haben. Die Quoten und die Propabilität stehen natürlich gegen uns. Und zweitens - also wir treten an, weil wir spielen müssen und weil es ein Spiel ist, das großen Spaß machen kann. Aber wir treten nicht an, und sagen: 'Heute verlieren wir.' Wir treten natürlich an, um das Spiel zu gewinnen. Alles andere macht keinen Sinn. Und ich glaube, das ist der Anspruch von jeder Mannschaft, die gegen den THW Kiel spielt. Wir wollen da reingehen und alles geben. Und dann gucken wir mal, wo wir stehen. Aber wir werden nicht da reingehen und sagen: Wir haben eh keine Chance.

Sie selbst kennen das ja: Haben schon mehrfach (Saison 2014/15 und 2018/19) in der Handball-Bundesliga gegen all die großen übermächtigen Teams gespielt. Bereitet man sich anders vor? Ist die Aufregung größer? Wie fühlt sich das an?

Barthe: Wir gehen ganz normal an das Spiel heran, machen die Video-Analyse. Natürlich: Was man da bespricht, ist inhaltlich etwas anderes. Wenn so Weltklasse-Spieler kommen, ist die Qualität natürlich besser und man muss auf andere Sachen achten. Aber wir haben dieses Spiel vorbereitet, wie jedes andere auch. Vielleicht hat man im Training hier und da mal die Aufregung gemerkt. Aber ich glaube nicht, dass es in den Köpfen meiner Mitspieler so großartig anders ist - natürlich vielleicht mehr Freude, mehr Aufregung, weil es ein besonderes Spiel ist. Aber wir ändern nichts, nur weil die kommen und besser sind, wenn sie an ihrer Leistungsgrenze spielen.

Es heißt ja immer, die erfahrenen Mitspieler müssen die anderen stützen. Sie sind erfahren. Sie sind der Kapitän. Sie sind Führungskraft. Was passiert dann in so einem Training? Was sagen Sie den Mitspielern, die das zum ersten Mal erleben?

Barthe: Also ich sage den jüngeren Spielern, die vielleicht noch nicht so die große Erfahrung oder viele solcher Erlebnisse hatten: Einfach genießen. Und genießen kommt dadurch, dass man alles gibt und versucht, seine Leistung an der oberen Grenze zu bringen. Alles andere kommt dann von alleine. Ein bisschen lockerer bleiben, fokussiert - was auf jeden Fall nicht passieren darf, ist zu viel Respekt vor dem Gegner zu haben. Denn dann wird man überrollt. Wenn man einfach nur zuschaut, haben wir tatsächlich keine Chance. Wir müssen versuchen, das Erlebnis zu genießen und nicht zu verkrampfen.

Aber gehen wir mal von dem "normalen" Spielverlauf aus: Bestenfalls halten unterklassige Mannschaften bis zur 40./45. Minute ganz gut mit und müssen sich dann doch deutlich geschlagen geben. Sie stehen da auf dem Feld und Ihr Mitspieler wurde gerade zum achten Mal überwunden, der Torwart holt den Ball zum 32 Mal aus dem Netz. Sie sind der Kapitän. Was sagen Sie denen?

Barthe: Es hilft ja nichts, wenn sie Kopf hängen lassen. Wichtig ist, dass die Körperhaltung immer aufrecht bleibt. Kopf nach oben. Letztendlich wird die Halle voll sein und egal, wie es steht, einfach weiter machen. Damit die Zuschauer was davon haben, aber auch, damit der Spieler weiter lernt. Auch wenn man mal mit zehn hinten liegt. Oder auch nicht! Man weiß ja nicht, was wirklich passiert. Und deswegen sage ich immer: Egal, was ist, einfach weiter machen. Damit man es nicht bereut und hinterher nicht sagen muss, wir hätten unsere Chancen nicht genutzt, weil wir in dieser oder jener Situation eingeknickt ist. Man weiß ja auch nicht, wie häufig es solche Erlebnisse in der Karriere geben wird. Ich hoffe schon, auch für mich, dass es noch weitere geben wird. Aber man weiß es letztlich nicht. Also weitermachen und sich nicht kleiner machen, als man ist.

Vielleicht erhöht das ihre Chancen: Der THW Kiel hat am Sonntag das Nordderby gegen Flensburg-Handewitt mit 13 Toren verloren. Ich habe das Spiel nicht gesehen, aber allein die Zahlen sprechen für eine ganz ganz brutale Klatsche. Welche Schlüsse haben Sie aus diesem Spiel ziehen können?

Barthe: Wir schauen nie nur ein Spiel. Sondern Szenen aus den letzten drei, vier Spielen. Ich habe das Spiel auch am Sonntag angeschaut. Und das ist für Kiel natürlich sehr bitter gelaufen. Aber man beobachtet mehrere Spiele. Und die sind weiterhin individuell und als Mannschaft sehr, sehr stark. Für uns ist es natürlich sehr bitter, dass die so hoch verloren haben. Weil ich glaube, die kommen jetzt hierher und haben vom Trainer-Stab sicher einen Schub an Motivation und ein bisschen Ärger bekommen. Jetzt müssen sie ein Zeichen setzen. Ich würde es ihnen gönnen, wenn sie das große Zeichen erst kommende Woche setzen und uns diese Woche vielleicht noch ein bisschen unterschätzen und denken. Und ich hoffe, dass wir von unserer Seite dann alle Chancen ausnutzen

Aber wir müssen auch ehrlich zueinander sein: Wenn der THW Kiel zu hundert Prozent spielt, dann haben wir keine Chance. Auch, wenn wir an unserer oberen Grenze spielen, was hoffentlich passieren wird. Aber wir haben in der Video-Analyse gesehen: Das sind sehr, sehr gute Spieler, auch wenn sie gerade am Boden sind. Ich wünsche dem THW alles gute für die nächsten Spiele, hoffe aber, dass sie am Donnerstag nochmal so einen schlechten Tag haben.

Sie hingegen können ja einen guten Tag haben. Ein paar wenige Stehplätze gibt es noch, aber die Halle wird voll. Es wird sicherlich laut. Mit welchem Ziel gehen Sie persönlich in dieses Spiel?

Barthe: Es klingt vielleicht sehr optimistisch, aber ich will dieses Spiel gewinnen. Oder zumindest so lange wie möglich dranbleiben. Das macht den angekündigten 4.500 Zuschauern viel Spaß und uns auch. Wir sind gerade auf einem sehr guten Niveau; wir haben die letzten fünf Spiel gezeigt, wozu wir in der Lage sind. Natürlich will ich aus dem Spiel auch gute Erinnerungen mitnehmen. Das geht nur mit einer persönlichen und mannschaftlich guten Leistung. Ich will weiter spielen, wie in den letzten Spielen - und die Mannschaft auch. Nur so wird es für alle ein schöner Abend - und warum nicht ein Sieg?