39 Hundertstelsekunden trennten Ricarda Funk im Finale ihrer Spezialdisziplin, dem Kajak Einer, von einem Podest-Platz. Bei der Kanuslalom-WM in Penrith gelang der 33-Jährigen aus Bad Kreuznach ein fehlerfreier Lauf, sie erwischte eine Schlüsselstelle im Kanal allerdings nicht optimal und verlor so wertvolle Zeit. Auf Rang drei und die Australierin Kate Eckardt fehlte so am Ende nicht einmal eine Sekunde.
Funk: Medaille wäre "drin gewesen"
"Es ärgert mich natürlich schon", sagte Funk nach dem Rennen. "Es war kein perfekter Lauf, es wäre auf jeden Fall noch etwas drin gewesen. Mich stört weniger Platz vier als die Tatsache, dass zwei Sekunden schneller ohne Risiko noch drin gewesen wären."
Gold im Kajak-Einer holte sich wie schon im Canadier Klaudia Zwolinska aus Polen. Silber ging an die Britin Kimberley Woods, die in dieser Saison bereits ihre Stärke im Kajak gezeigt hatte.
Harter Kurs, schwierige Bedingungen
Funk haderte auch deshalb nicht mit der starken Konkurrenz, sondern mit der Gewissheit, dass die Medaille zum Greifen nah war. Die Strecke sei unangenehm zu fahren gewesen, erklärte sie: "Die Tore hingen zum Teil tief, zum Teil an Stellen, wo sich die Wasserstruktur dauernd ändert, wo man immer reagieren und wachsam sein muss."
Zwar seien die Bedingungen nicht die leichtesten gewesen, aber: "Ich war ready to go." Der aufkommende Wind, der die Wettbewerbe in Australien bereits in den vergangenen Tagen beeinflusst hatte, sei schließlich für alle gleich gewesen.
Paddel-Chaos und Final-Versprechen
Funk, die 2021 in Bratislava und 2022 bei der Heim-WM in Augsburg Gold geholt hatte, hatte keinen optimalen Start in die WM erwischt. In den ersten Trainingstagen in Penrith hatte die 33 Jahre alte Athletin einen Bruch in ihrem Paddel erspürt. Das Ersatzpaddel, von ihrem Vater in Bad Kreuznach extra fertig gestellt, traf allerdings erst am Mittwoch in Australien ein - zu spät, um für das Rennen im Kajak-Einer noch zum Einsatz zu kommen.
Traum vom Titel? Kanuslalom in Australien: Darum ist die WM für Ricarda Funk so wichtig
Ricarda Funk hat nach einem gebrauchten Start bei der Kanuslalom-WM zurück in die Spur gefunden. Australien hat für die Ausnahmeathletin eine besondere Bedeutung - vor allem nach einer herausfordernden Saison.
Nach Silber im Teamwettbewerb mit Elena Lilik und Emily Apel hat Funk nun noch eine Medaillenchance im Kajak-Cross. "Ich bin noch nicht fertig", versprach Funk, die sich für die WM an ihrem Sehnsuchtsort viel vorgenommen hat. "Aber ich muss den Schalter umlegen, denn Cross ist eine ganz andere Disziplin."
Kajak-Cross: Entscheidung am Samstag
Für den Deutschen Kanu-Verband (DKV) gab es auf der Olympiastrecke von Sydney 2000 bisher zwei Mal Silber, in den Teamwettbewerben im Canadier- und im Kajak-Einer. "Es war für Ricarda schade, weil es sehr eng war auf eine Medaille", sagte Cheftrainer Klaus Pohlen.
"Aber Ricarda ist in Schlagweite und das macht uns Hoffnung für die Olympischen Spiele 2028. In allen anderen Disziplinen müssen wir Abstriche machen. Da hatten wir uns deutlich mehr vorgenommen." Funk will die Bilanz des deutschen Teams noch verbessern. Die Entscheidung im Kajak-Cross fällt am Samstag.