Auf ihrem Social-Media-Account zählt Bahnradsportlerin Franziska Brause bereits die Tage bis Olympia. Mehr als 600 sind es noch, doch die Vorbereitung der Mannschafts-Olympiasiegerin von 2021 auf die kommenden Spiele in Los Angeles geht schon jetzt in eine entscheidende Phase: Die Qualifikation. Im Rahmen der Bahnrad-Weltmeisterschaften, die ab Mittwoch in der chinesischen Metropole Shanghai ausgetragen werden, kann die Weltspitze erstmals Punkte sammeln, um sich für die Olympischen Spiele 2028 zu qualifizieren.
Punkte sammeln für L.A. 2028
Für Brauße, die unter anderem im Teamwettbewerb, der Mannschaftsverfolgung an den Start gehen wird, muss der Fokus daher auf beiden Aspekten liegen: "Eine Weltmeisterschaft ist immer der wichtigste Wettkampf des Jahres. Deshalb wollen wir natürlich gut abschneiden. Im Hinterkopf ist aber auf jeden Fall, dass es eine Olympiaqualifikation ist und dass man alle Punkte, die man jetzt sammelt, später nicht mehr versuchen muss aufzuholen."
Zuletzt zweimal WM-Silber: Ist diesmal wieder Gold drin?
Bei den vergangenen beiden Weltmeisterschaften gab es für den deutschen Frauen-Vierer, in dem auch Laura Süßemilch aus Weingarten und Messane Bräutigam aus Bad Bergzabern mitfahren, jeweils Silber. Ob es dieses Jahr zu Gold reichen kann, da ist sich Franziska Brauße noch unsicher. "Man reist immer an, um zu gewinnen. Aber es ist aktuell schwer zu sagen. Für uns ist das der erste Wettkampf der Olympia-Qualifikation. Es sind viele Mannschaften da, die in letzter Zeit keinen Vierer gefahren sind und die man daher schlecht einschätzen kann. Wir peilen auf jeden Fall eine Medaille an", sagt die 27-Jährige aus Metzingen im Gespräch mit SWR Sport.
2021: Der deutsche Bahnrad-Vierer an der absoluten Weltspitze
Neben den Sprint-Wettbewerben rund um die achtmalige Welmeisterin Lea Sophie Friedrich zählt in den Ausdauer-Disziplinen vor allem der Frauen-Vierer mit Franziska Brauße zu den Medaillenhoffnungen. Das Quartett gehört seit Jahren zur Weltspitze, auch personelle Veränderungen änderten nichts daran.
Vor der WM in Shanghai Neue Olympia-Hoffnung? So tickt Radsportlerin Messane Bräutigam
Die erst 20-jährige Messane Bräutigam träumt von einer Medaille bei der Bahnrad-WM in Shanghai. Ihr Trainerteam traut der Radsportlerin aus Bad Bergzabern mehr zu.
2021 war das Jahr für Brauße und den deutschen Vierer. Mit einem neuen Weltrekord kürten sich die Bahnradsportlerinnen zu den neuen Olympiasiegerinnen. Im selben Jahr gewannen sie auch die Welt- und Europameisterschaft. In diesem Jahr ist die Form bei Brauße hingegen noch nicht optimal. "Letztes Jahr war ich einen Tick stärker, als ich es jetzt bin. Das ist natürlich mental etwas schwierig. Aber wir haben eine starke Mannschaft, da fängt man sich gegenseitig auf. Wenn eine bisschen weniger stark ist, dann übernehmen die anderen ein bisschen mehr Führungslänge, damit wir weiterhin eine ordentliche Zeit fahren können."
Favoriten und Medaillenchancen in Shanghai
Bei den Männern dürfen sich Scratch-Titelverteidiger Moritz Augenstein, der 40-jährige Roger Kluge, aber auch Tim Torn Teutenberg Chancen ausrechnen. Ansonsten setzt der deutsche Verband German Cycling überwiegend auf junge Talente, wie Luca Spiegel aus Mannheim, Henric Hackmann aus Kirchheim an der Weinstraße und Alessa-Catriona Pröpster aus Hechingen. Nicht dabei ist Sprintspezialistin Emma Hinze. Die achtmalige Weltmeisterin ist nach der Geburt ihres Sohnes erst im August wieder ins Training eingestiegen und plant ein Comeback bei der Heim-EM in Berlin.
Zu den favorisierten Nationen zählen vor allem die Niederländer um Rekordweltmeister Harrie Lavreysen wie auch die Briten, die ein starkes Aufgebot in den verschiedenen Disziplinen mitbringen. Auch mit den Japanern und Belgiern ist zu rechnen.
So läuft die Bahnrad-WM 2026 ab
Gefahren wird im 2023 erbauten Velodrome auf der Insel Chongming Dao. Bis einschließlich Sonntag stehen 22 Entscheidungen in elf Disziplinen an. Die Wettbewerbe starten am chinesischen Vormittag, aufgrund der Zeitverschiebung von sechs Stunden in Deutschland somit bereits am frühen Morgen, in der Regel ab 4.00 oder 5.00 Uhr MEZ. Zunächst beginnen die Ausscheidungen, um die Medaillen wird in den Abendsessions gefahren, die zumeist ab etwa 11.00 Uhr deutscher Zeit angesetzt sind.