Wer über Alina Dalaslan schreibt, dem gehen schnell die Superlative aus. Die 25-jährige Käfigkämpferin aus dem Balinger Planet Eater Gym ist derzeit auf dem Weg zum deutschen MMA-Superstar. Und das ist keine Übertreibung. Seit ihrem Profidebüt im vergangenen März geht ihre Karriere so steil nach oben, dass sie es wohl manchmal selbst kaum glauben kann. "2025 war ein sehr intensives und wichtiges Jahr für mich", erzählt sie SWR Sport. "Ich bin gewachsen - nicht nur als Kämpferin, sondern auch als Mensch."
Alina Dalaslan sorgt für Premiere
Als SWR Sport Alina Dalaslan Anfang des Jahres für den Dokumentarfilm "Dalaslan - The Beginning" erstmals traf, war sie in der MMA-Szene noch weitgehend unbekannt. Acht Monate später ist die Tochter einer deutschen Mutter und eines türkischen Vaters bereits eines der Gesichter des deutschen Mixed-Martial-Arts. Ihr Kampf gegen Katharina Lehner am Samstag wird sogar von einem großen deutschen Privatsender im frei empfangbaren Fernsehen ausgestrahlt. Eine Premiere - erstmals erhält ein Frauen-MMA-Kampf in Deutschland so viel Aufmerksamkeit.
Im Käfig wird Alina Dalaslan zur Waffe
"Kämpfen ist das, was ich liebe", sagt Alina Dalaslan. "Und all die harte Arbeit, Disziplin und Opfer haben sich dieses Jahr wirklich ausgezahlt", freut sich die Profisportlerin. Die Liebe zum Kämpfen sieht man ihr an. Im Käfig wird Alina Dalaslan zu einer Waffe. In elf Kämpfen als Kickboxerin blieb sie ungeschlagen, ehe sie ins MMA wechselte und dort 2024 ebenfalls ungeschlagen Amateur-Weltmeisterin wurde. Danach entschied sie sich für eine Profikarriere - mit Erfolg.
Seitdem stehen drei Siege in drei Kämpfen in ihrem Kampfrekord, jeder einzelne davon vorzeitig. Ihren ersten Profikampf bestritt Dalaslan im vergangenen März in Stuttgart. Sie siegte dominant durch Kniestöße in der dritten Runde gegen die Tschechin Kamila Simkova. 13.000 Zuschauer feierten das Spektakel. Noch in der Halle wurde Dalaslan zum neuen Sternchen am deutschen MMA-Himmel. Nur zwei Monate später stand sie schon wieder im Käfig. Dieses mal im Fußballstadion in Prag, angefeuert von 27.000 Zuschauern. Und wieder gewann sie durch technischen K.o.
Zur echten Titelkandidatin wurde Alina Dalaslan durch einen spektakulären Sieg vor gerade einmal drei Wochen. Mitte September gewann sie gegen Clara Ricignuolo aus Frankreich durch einen sogenannten Spinning Elbow - ein Ellbogenschlag, der nur selten so präzise sein Ziel findet. "Ich will jedes Mal überraschen", sagt Dalaslan: "Ich arbeite ständig an neuen Waffen. Alles, was man von mir sieht, ist nur ein kleiner Teil dessen, was ich wirklich kann."
Der Trubel definiert mich nicht.
Dass Alina Dalaslan schon in so kurzer Zeit zu einer überregionalen Bekanntheit geworden ist, liegt einerseits an ihrem sportlichen Talent, andererseits aber auch an ihrem Auftreten. In Interviews wirkt die gebürtige Illertissenerin sympathisch und smart. Dass sie ein abgeschlossenes Rechnungswesen-Studium hat, rundet den Gesamteindruck ab. Sie ist das Gegenteil des abgenutzten Klischees des stumpfen Käfigkämpfers. Das sorgt auch Abseits von Ring und Matte für viel Aufmerksamkeit. Blenden lässt sich Dalaslan davon aber nicht: "Die Aufmerksamkeit und der Trubel sind schön, aber sie definieren mich nicht. Für mich zählt, was ich im Käfig zeige. Alles andere ist nur ein Bonus", sagt sie bescheiden.
Hollywood-Star "The Rock" outet sich als Dalaslan-Fan
Wenn es um ihre sportlichen Ziele geht, legt Dalaslan ihre Bescheidenheit aber schnell und gerne wieder ab. Der Titel soll es sein. Gerne auch in Übersee. Das jedenfalls hält sogar Hollywood-Star Dwayne "The Rock" Johnson für realistisch. Bei der Deutschland-Premiere seines neuen Films "The Smashing Machine" in Berlin sagte er Alina Dalaslan vor laufenden Kameras eine große Zukunft voraus: "Sie wird eines Tages in der UFC kämpfen. Sie ist großartig", so der Schauspieler und ehemalige Wrestler.
Kampfsport | MMA Hier geht's zur Doku "Dalaslan - The Beginning"
Der Dokumentarfilm "Dalaslan - The Beginning" begleitet die Käfigkämpferin Alina Dalaslan in den Wochen rund um ihren ersten Profikampf.
Zweiter Kampf in 28 Tagen für Alina Dalaslan
Nur 28 Tage nach ihrem letzten Auftritt steht nun bereits der nächste Kampf für das Bantamgewicht an. Mit einem Erfolg gegen die zehn Jahre ältere Katharina Lehner will Dalaslan sich in der Kölner Lanxess Arena endgültig ins Titelrennen der OKTAGON-Organisation bringen. Der Kampf ist das Co-Main-Event des Abends. Innerhalb von nur einem halben Jahr hat sich Dalaslan damit zu einem Aushängeschild ihres Sports katapultiert. Das weiß auch der Veranstalter: "Dass Alina Dalaslan im Co-Main-Event in Köln antreten wird, ist für uns eine logische Konsequenz aus ihrer Top-Leistung in den vergangenen Monaten", sagt Pressesprecher Tobias Drews gegenüber SWR Sport. Der Kampf zwischen Dalaslan und Lehner markiert zudem die erste Free-TV-Übertragung eines OKTAGON-Events in Deutschland überhaupt: "Das ist auch für den Sport eine großartige Sache", so Drews weiter.
Mit lediglich rund zwei Wochen Vorbereitungszeit kommt der Kampf für Dalaslan kurzfristig, aber "wenn ich das Angebot bekomme, im Co-Main-Event im Free TV zu kämpfen, kann ich nicht Nein sagen", so die Kämpferin, die mit dem Duell ein ordentliches Risiko eingeht. Ihre Gegnerin ist keine Unbekannte. Mit der gebürtigen Schwandorferin Katharina Lehner bekommt Dalaslan eine Frau mit viel Erfahrung vor die Fäuste - mit 16 Profikämpfen (9 Siege, 7 Niederlagen) stand Lehner bereits viermal so oft im Käfig wie Dalaslan, kämpfte zudem gegen Top-Gegnerinnen in den USA. Dazu stehen mehrere Profi-Boxkämpfe und sogar ein Kampf ohne Handschuhe, im sogenannten Bareknuckle-Fighting, in ihrem Kampfrekord. Die 35-Jährige, die heute in Denver lebt und in Las Vegas trainiert, gilt als starke Standkämpferin - eine echte Herausforderung.
Katharina Lehner: Dalaslan noch "grün hinter den Ohren"
Gegenüber SWR Sport zeigt sich Lehner siegessicher und verspricht "die beste Version, die Deutschland je von mir gesehen hat." Alina Dalaslan sei "ein hübsches Mädchen, das noch grün hinter den Ohren ist", so Lehner weiter. Dalaslan lässt das kalt: "Erfahrung allein gewinnt keinen Kampf", sagt sie: "ich bin gespannt, ob sie wirklich so stark und verrückt gegen mich im Cage ist."
Nach dem Duell plant Dalaslan in jedem Fall zunächst eine kurze Pause. Dann stehen Erholung und Energietanken auf dem Plan, sagt sie. "Dieser Kampf in Köln fühlt sich wie der perfekte Abschluss dieses Kapitels an. 2026 will ich weiter nach oben - gegen die Top-Girls kämpfen, dem Titel näherkommen und mich als Athletin weiterentwickeln", blickt sie voraus. Auch Abseits des Käfigs hat die Profisportlerin große Pläne. Sie wolle Menschen inspirieren und zeigen, was möglich sei. Ihre eigenen Träume hat die 25-Jährige dabei klar im Blick. Dalaslans Karriere dürfte erst am Anfang stehen, da sind sich die Experten einig. Zunächst wartet mit Katharina Lehner aber der erste große Prüfstein ihrer noch jungen Profilaufbahn auf sie.