Noch ist er da. Noch ist nichts entschieden. Noch steht Andreas Schicker im Kraichgau als Sportgeschäftsführer unter Vertrag. Aber die Frage, die viele rund um die TSG Hoffenheim in diesen Tagen umtreibt, ist: Wie lange noch?
Die Lockrufe des VfL Wolfsburg
Die Uhr tickt. Nach Informationen von SWR Sport, unter anderem aus dem Wolfsburger Umfeld, soll es noch in dieser Woche zu Gesprächen zwischen den Verantwortlichen des VfL und der TSG Hoffenheim kommen. Bei dem mit VW-Mitteln bestens alimentierten Klub aus der Autostadt, eine der großen Enttäuschungen auch in der laufenden Bundesliga-Saison, gilt Schicker als Wunschkandidat für die Position des neuen starken Mannes als Sport-Chef. Nach dem freien Fall Richtung Tabellenende, dem Rauswurf des Trainers Paul Simonis und der Trennung vom bisherigen Sportdirektor Sebastian Schindzielorz ist beim VfL vor wenigen Tagen ein Schreibtisch in der Führungsetage freigeworden.
Der Hoffenheimer Andreas Schicker soll ihn, wenn möglich neu besetzen. "Einer der besten Manager der Bundesliga", so hieß es zuletzt aus Niedersachsen beim Stichwort Schicker gegenüber SWR Sport. Nach einem Bericht der "Wolfsburger Allgemeinen Zeitung" vom Montagabend soll Schicker dem VfL bereits sein Ja-Wort für einen Wechsel gegeben haben.
Schickers gelungener Umbruch bei der TSG
Das heftige Buhlen um Schicker ist wohlbegründet. Erst vor einem guten Jahr als österreichischer Doublegewinner mit Sturm Graz nach Hoffenheim gekommen, leitete der Österreicher als Sportgeschäftsführer bei der in den Strudel des Abstiegskampfes geratenen TSG einen aufsehenerregenden Umbruch ein. Erst holte der 39-Jährige seine engsten Mitstreiter bei Sturm und auch den Grazer Meistertrainer Christian Ilzer in den Kraichgau nach, um nach dem gerade noch geglückten Klassenerhalt fast die komplette Bundesliga-Mannschaft der Hoffenheimer umzukrempeln.
Die neue Hoffenheimer Mischung macht`s
Stand jetzt ein gelungenes Facelifting par excellence: Mehr als 20 Spieler aus dem überfüllten und nicht besonders homogen zusammengestellten Kader wurden verkauft, verliehen oder in die Perspektivlosigkeit geschickt. Zahlreiche Neue, insbesondere schnelle und talentierte Jungs, wurden im Gegenzug im letzten Transfersommer geholt und bestens integriert.
Schickers Mischung macht es: Die hochveranlagten Fisnik Asllani, Tim Lemperle, Leon Avdullahu oder Albian Hajdari bilden mit den verbliebenen Routiniers wie Oliver Baumann, Andrej Kramaric und Grischa Prömel eine schlagkräftige und stürmische Einheit mit den besten Laufwerten der Liga. Dieses Team hat sich aktuell bis auf Platz sechs nach oben geschossen.
Bundesliga | Zwischenbilanz TSG Hoffenheim: Vom Abstiegskandidaten zum Europacup-Anwärter
Nach den ersten zehn Bundesliga-Spieltagen steht die TSG Hoffenheim auf dem sechsten Tabellenplatz. Mit zuletzt vier Siegen in Serie stellte die Mannschaft sogar die Führungskrise im Verein in den Schatten.
Endlich wieder flotter Fußball im Kraichgau
Jetzt aber droht das Dach dieses Gebäudes viel zu schnell wieder einzustürzen. Sprich: Der Weggang des auch in der Geschäftsstelle in Zuzenhausen sehr beliebten Machers Schicker könnte kurzfristig bevorstehen. Mitten in der verheißungsvollen Entwicklungsphase. Es wäre ein Schlag ins Gesicht all jener Fans und Anhänger der TSG, die sich nach frustrierenden Rumpeljahren zuletzt unter Schicker und Ilzer zumindest phasenweise in die guten alten Ralf Rangnick- oder Julian Nagelsmann-Zeiten zurückwähnten. Mit flottem Fußball und einer verheißungsvollen Perspektive Richtung Europapokal.
Führt die Unruhe im Umfeld zum Weggang?
Sollte Schicker den Verlockungen der Konkurrenz aus Wolfsburg tatsächlich erliegen, könnte man es als Außenstehender sogar durchaus nachvollziehen. Zu widrig waren die Umstände der letzten Wochen und Monate rund um das Führungspersonal in Hoffenheim.
Da ist vor allem der Dauerzwist der Geschäftsführung um den Einfluss des Spielerberaters Roger Wittmann beim befreundeten Mäzen und Hauptgesellschafter Dietmar Hopp. Dazu das Stadionverbot der TSG-Geschäftsführung im August für Wittmann samt Gerichtsverhandlung und Aufhebung desselben noch im September. Es folgte die Entlassung der beiden Mit-Geschäftsführer Dr. Markus Schütz und Frank Briel, die die Sanktion erwirkt hatten.
Und schließlich noch der plötzliche Rücktritt des gesundheitlich beeinträchtigten Vereinspräsidenten Jörg Albrecht Mitte November und das daraus entstehende Vakuum in der Führung: Naheliegende Gründe zuhauf für Andreas Schicker, sein berufliches Wirken möglicherweise nicht mehr im Kraichgau zu sehen.
Bundesliga TSG Hoffenheim: Vereinsvorsitzender Albrecht tritt zurück
Das Personalbeben bei der TSG Hoffenheim geht weiter. Anders als zwei Geschäftsführer der Spielbetriebs-GmbH zuletzt tritt Jörg Albrecht jedoch aus gesundheitlichen Gründen zurück.
Hohe Ablöse für Andreas Schicker?
Noch haben nach Informationen von SWR Sport die beabsichtigten Unterredungen zwischen der verbliebenen Hoffenheimer Vereinsführung um Dietmar Hopp und den Interessenten aus Wolfsburg nicht stattgefunden. Noch ist das letzte Wort über einen Wechsel nicht gesprochen, zumal die "Wölfe" sicherlich mit einem üppig gefüllten Geldkoffer vorstellig werden müssten. Schließlich besitzt Schicker noch langfristig Vertrag bis 2029 bei der TSG. Eine entsprechend hohe pekuniäre Entschädigung des VfL wäre sicherlich nötig, um den begehrten Sportgeschäftsführer zeitnah auszulösen.
Beförderung als Belohnung?
Oder findet sich doch noch eine Lösung, indem man Schicker den Verbleib in Hoffenheim mit einer hierarchischen Höhergruppierung schmackhaft machen kann? Die Rede ist von der Idee, den Österreicher zum neuen Oberboss der Geschäftsführung, auf Neudeutsch CEO, mit entsprechenden sportlichen Vollmachten zu befördern. Es wäre sicherlich nicht zum Schaden der TSG.
Man wird sehen. Vermutlich noch in dieser Woche. Übrigens: Der VfL Wolfsburg ist auch noch auf der Suche nach einem neuen Cheftrainer. Aber das ist eine andere Geschichte...