Um 17:32 Uhr strahlte Eren Dinkci mit der Sonne über der Ostalb um die Wette. Der Heidenheimer Stürmer stand mit seiner Mannschaft vor der eigenen Fankurve und feierte: Den Sieg über den FC St. Pauli. Die zarte Resthoffnung, die dem 1. FC Heidenheim durch den Erfolg im Abstiegskampf noch bleibt. Und das schöne Tor zum 2:0, das Dinkci selbst erzielte und das für so viel mehr steht als für sichere drei Punkte in einem Fußballspiel.
Eren Dinkci durch Unterstützung geehrt und überglücklich
Denn hinter Dinkci und vor allem hinter dessen Freundin Cinja liegen Wochen, in denen der Fußball zur absoluten Nebensache wurde. Bei Dinkcis Freundin wurde Leukämie diagnostiziert, aktuell läuft die Suche nach einem Stammzellenspender für sie. Dass nun ausgerechnet Dinkci in dieser schweren Phase mit seinem Tor die Hoffnung der Heidenheimer am Leben hält, berührte die Fans in der Heidenheimer Arena. Bei seiner Auswechslung kurz vor dem Abpfiff brandete lauter Applaus auf, die Zuschauer erhoben sich.
"Das ehrt mich sehr und ich bin überglücklich darüber", sagte Dinkci, der gegen St. Pauli seine 100. Bundesliga-Partie absolvierte, nach dem Spiel im Interview mit SWR Sport. "Solche Momente sind einfach schön."
Heidenheim hält in dieser Saison erstmals die Null
Auf rein sportlicher Ebene hat der 1. FC Heidenheim den Abstieg in die zweite Bundesliga gegen den FC St. Pauli vorerst abgewendet. Die Mannschaft von Trainer Frank Schmidt ließ so gut wie keine Torchancen für den FC St. Pauli zu und belohnte sich mit dem ersten Spiel ohne Gegentor in dieser Bundesliga-Spielzeit. Trainer Frank Schmidt hob auch die frühe Führung für Heidenheim durch Budu Zivzivadze (3. Spielminute) als wichtig für den Sieg hervor. Der Mittelstürmer der Heidenheimer setzte sich nach einer Ecke im Gestocher vor dem gegnerischen Tor durch und traf zum 1:0.
"Wir trainieren jede Woche Standards, aber gestern wollte ich keine Standards trainieren und dann machen wir sofort das Tor", sagte Trainer Schmidt nach dem Spiel im Interview mit dem SWR. "Manchmal kann man auch mal was weglassen und es funktioniert." Die Mannschaft hätte anschließend "erwachsen und kompromisslos verteidigt und verdient gewonnen".
Frank Schmidt: Hoffen auf das "Wunder" gegen München
Auch für Eren Dinkci fand Frank Schmidt warme Worte. Sein Tor zum 2:0, bei dem Dinkci stark in den rechten Winkel des gegnerischen Tors traf, "gönnt ihm jeder von uns und auch jeder über Heidenheim hinaus". Er hoffe, dass für möglichst viele Leukämiekranke und "für Erens Freundin" Stammzellenspender gefunden werden.
Für die Heidenheimer geht es nächste Woche zum Deutschen Meister nach München (2.5., 15:30 Uhr, live im Audiostream auf Sportschau.de). Gegen den übermächtigen Gegner spielt der FCH dann wieder gegen den Abstieg. "Wir wissen, wo wir nächste Woche spielen. Aber auch der FC Augsburg hat es geschafft, in München zu gewinnen. Und wir hätten nichts dagegen, wenn uns dieses Wunder auch gelingen könnte", sagt Schmidt mit Blick auf das nächste Wochenende. Die Hoffnung lebt in Heidenheim.