Apfelsaft pressen, Kürbisse schnitzen, Kartoffeln ernten und am Feuer Stockbrot machen: Auf Gut Halfeshof in Mettmann können Kinder erleben, was der Herbst zu bieten hat. Eine Familie hat den Hof auf der #unsereKinder-Karte eingetragen – als einen Ort, an dem Kinder Tiere kennenlernen, draußen sein und die Natur entdecken können.
Für solche gemeinsamen Erlebnisse muss man nicht weit verreisen. Doch wenn in einigen Bundesländern bald die Herbstferien beginnen, stellt sich für viele Familien auch bei Unternehmungen in der Nähe die Frage: Was können wir uns leisten? René Lampe, Geschäftsführer des Deutschen Familienverbands in Sachsen-Anhalt, kennt Eltern, die schon im Sommer auf Urlaub verzichten mussten, weil andere Ausgaben vorgingen.
Urlaub ist dann eher etwas, was man streicht, weil man ja andere Dinge eher weniger streichen kann. Zum Beispiel den Schulranzen, die Schulmaterialien und so weiter.
Schon 40 bis 50 Euro können zu viel sein
Der Familienverband hat in diesem Jahr drei Feriencamps für Kinder organisiert. Durch zusätzliche Förderung konnte er den Teilnahmebeitrag für eine Woche bei 40 bis 50 Euro pro Kind halten. „Eine Woche für 40–50 Euro klingt nicht viel, aber wenn ich zwei Kinder habe, ist es schon das Doppelte“, sagt Lampe. Auch dieser Betrag sei für manche Eltern schon schwierig gewesen.
Früher organisierte der Verband zudem mehrtägige Freizeiten für ganze Familien. Lampe erinnert sich an Aufenthalte von einem verlängerten Wochenende bis zu einer Woche. Solche Angebote öffentlich gefördert zu bekommen, sei inzwischen schwerer geworden. Die Teilnahmebeiträge hätten steigen müssen und „damit erreichen wir unsere Zielgruppe nicht mehr“, sagt Lampe. Sein Verband kann diese Freizeiten deshalb nicht mehr anbieten.
Partner & Unterstützer Wer hinter #unsereKinder steht
Von Kinderrechten über Bildung und Gesundheit bis zu Sport und sozialem Zusammenhalt: Diese Organisationen unterstützen die ARD-Mitmachaktion #unsereKinder – und helfen dabei, die Perspektiven von Kindern sichtbar zu machen.
„Da fehlt dann ein Stück Kindheit.“
Ein Camp kann für ein Kind Höhepunkt der Ferien sein. Lampe erzählt von Kindern, für die eine Woche im Camp der einzige Urlaub des Sommers war. Doch Angebote für Kinder allein lösen aus seiner Sicht nicht das ganze Problem. „Wir reden ja nicht über Luxusurlaub, aber es geht um gemeinsame Zeit, Eltern und Kinder zusammen, gemeinsame Erlebnisse.“
Wenn wir an unsere eigene Kindheit denken, dann sind das ja oft Bilder, die man so abgespeichert hat. Wenn man das nicht hat, fehlt ja dann auch ein wichtiges Stück der Kindheit.
Auch ein Ausflug in der Nähe oder ein paar gemeinsame Tage an einem anderen Ort können Erinnerungen schaffen. Fehlt dafür das Geld, ist das für Eltern belastend. Und ihre Kinder hören nach den Ferien, was andere erlebt haben.
Ideen vor Ort fördern und gemeinsame Angebote möglich machen
Lampe wünscht sich mehr günstige Möglichkeiten vor Ort, die Eltern und Kinder gemeinsam nutzen können: etwa in Schwimmbädern, Bibliotheken, Sportvereinen oder Familienzentren. Gerade im ländlichen Raum müsse auch die Anreise zu den Angeboten mitgedacht werden. Und Familien müssten überhaupt erfahren, welche Unternehmungsmöglichkeiten es gibt – beispielsweise über Schulen und die Schulsozialarbeit.
Dafür brauchen Einrichtungen verlässlich Geld und Personal, sagt Lampe. Seine Forderung lautet nicht, jeder Familie eine Reise zu bezahlen. Es gehe darum, gemeinsame Ferienerlebnisse auch mit kleinem Budget möglich zu machen: „Das darf einfach kein Luxus sein.“
Wie ein Angebot - 60 Euro Jahresgebühr - für naturinteressierte Eltern und Kinder aussehen kann, zeigt ein weiterer Eintrag auf der #unsereKinder-Karte: die ForscherZwerge in Hamburg-Boberg von der Loki Schmidt Stiftung. Kinder von drei bis sechs Jahren erkunden dort gemeinsam mit ihren Eltern die Boberger Niederung – auch im Herbst. Auf den Streifzügen gibt es Bewegungsspiele, Mitmachgeschichten, Basteleien und Sinneserfahrungen.