Wassermangel im Wald

Wie Bäume unter der Trockenheit leiden

Eine repräsentative Umfrage des SWR ergab im Jahr 2022: 73 Prozent der Deutschen sorgen sich um den Wald. Zu Recht, sagen Wissenschaftler, denn der Wald ist im Trockenstress - aber was ist das überhaupt?

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Von Autor/in Andrea Wieland

Ist von unterirdischem Wasser die Rede, so denken viele zunächst an das Grundwasser. Dieses stellt jedoch nur die unterste Schicht des Bodenwassers dar. Bodenwasser in seiner Gesamtheit umfasst auch das näher an der Oberfläche liegende Wasser. Und gerade das sei für den Wald wichtig, erläutert #unserWasser-Experte Dr. Hans Jürgen Hahn: „Bäume sind vor allem auf das Bodenwasser angewiesen. Hier machen sich Dürren deutlicher bemerkbar, als bei den Grundwasserständen.“

Dürremonitor 2022
Oberboden im Dürremonitor 2022 UFZ

Wie es um die dürregeplagten Böden steht, ermittelt das Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung GmbH (UFZ) in Leipzig. Auf seiner Website zeigen die Forscher den Dürremonitor Deutschland. Das UFZ stellt tagesaktuell zwei Karten zur Verfügung. Auf der Karte „Dürre Gesamtboden" wird jeweils die Bodenfeuchte bis zu einer Tiefe von etwa 1,80 Meter dargestellt. Hier sieht man eine der Karten, die Dürre im Oberboden darstellt. Diese geht bis 25 cm Tiefe. Die Momentaufnahme ist aus dem Januar 2022. Rot bedeutet extreme Dürre, dunkelrot heißt außergewöhnliche Dürre.

So reagiert der Wald auf den Wassermangel

Im Boden fehlt das Wasser und die Bäume reagieren auf diesen Mangel. Eichen beispielsweise schützen sich durch das Abwerfen von Blättern und verbrauchen somit weniger Wasser. Das führte vielerorts zu lichten Baumkronen. Ist die Dürre vorbei, bildet der Baum neues Feinreisig. Auch wenn sich 2021 der Kronenzustand der Bäume gegenüber dem Vorjahr leicht verbessert hat, ist eine Entwarnung - laut Waldzustandsbericht 2021 - nicht absehbar. Denn der Anteil aller Bäume mit einem dichten Blätterdach, liegt bei etwa 21 Prozent.

Welche Rolle spielen Regen und Hitze

Zwei Einflussgrößen führen zu Trockenstress im Wald: Hohe Temperaturen und fehlender Niederschalg. Dr. Hans Jürgen Hahn, Hydrologe an Universität Koblenz-Landau, sieht den Grund für die Trockenheit im fehlenden Regen. Aber nicht nur die Menge, sondern auch die Verteilung über das Jahr, sei das Problem. Und es gibt noch einen entscheidenden Faktor: „Die Wärme spielt eine große Rolle, denn dadurch haben wir eine verlängerte Vegetationszeit. Im Sommer entsteht kaum Grundwasserneubildung, weil die Bäume viel Wasser verdunsten. Und durch die längere Vegetationszeit und den größeren Verbrauch an Wasser ist der Zeitraum, in dem Grundwasser entstehen kann, kürzer.“ Auch die Starkregenfälle im Sommer nutzten da wenig. Fällt zu viel Regen in kurzer Zeit, kann der Boden ihn nicht so schnell aufnehmen.

Wie den Wald retten?

Unsere Wälder stehen unter Druck: Hitzewellen, Trockenperioden und Schädlingsbefall setzen vielen Bäumen massiv zu. Besonders Fichten und flach wurzelnde Arten haben dem Klimawandel wenig entgegenzusetzen – sie sterben großflächig ab.

Doch es gibt Hoffnung. Die Zukunft des Waldes liegt in klimaresistenten Baumarten, Mischwäldern und einer nachhaltigen Forstwirtschaft. Trockenheitsverträgliche Arten wie Traubeneiche, Hainbuche oder Esskastanie könnten besser mit dem veränderten Klima umgehen. Auch gezielte Aufforstung, Wildschutz und der Umbau von Monokulturen hin zu widerstandsfähigen Mischwäldern sind wichtige Schritte.

Die große Frage bleibt: Schaffen wir den Wandel rechtzeitig – bevor ganze Waldlandschaften verschwinden?

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Autor/in
Andrea Wieland