„Früher waren wir auch mal im Kino oder im Restaurant essen. Heute reicht das Geld dafür nicht mehr." Solche Sätze fallen in den Beratungen des "Sozialverbands Deutschland (SoVD)" fast täglich, weiß Peter Zernechel. Er erlebt beim SoVD und erlebt aus nächster Nähe, wie sehr steigende Mieten Familien unter Druck setzen. Viele kommen erst, wenn sie kaum noch wissen, wie es weitergehen soll: Wenn jeder Euro dreimal umgedreht werden muss, wenn selbst kleine Ausgaben für die Kinder zu Luxus werden – und die Angst wächst, die eigene Wohnung zu verlieren.
Wenn die Miete das Geld verschlingt
Zernechel sieht die Entwicklungen als alarmierend, denn Wohnen sei ein Menschenrecht. Gerade bei den Mitgliedern des SoVD, greife das Thema stark in das Leben ein, sagt er.
Besonders betroffen seien Alleinlebende, ältere Menschen mit niedrigen Renten sowie Familien mit geringem Einkommen. Vor allem in Metropolregionen habe sich die Situation spürbar zugespitzt. Viele Ratsuchende hätten Angst, ihre Wohnung zu verlieren oder müssten überlegen, in günstigere Randgebiete umzuziehen – mit Folgen für den Weg zur Arbeit oder Schule, soziale Kontakte und die gesamte Lebenssituation.
Komplexe Anträge, steigende Belastungen
Ein Großteil der Beratung bezieht sich laut SoVD auf Fragen rund um Wohngeld oder andere staatliche Hilfen. Die Beantragung sei jedoch aufwendiger geworden: „Was vor Jahren noch einfacher war, braucht mittlerweile vier Anträge. Es ist wirklich ein Bürokratie-Dschungel.“
Viele melden sich erst, wenn es finanziell gar nicht mehr weiter geht
Erst wenn es finanziell gar nicht mehr gehe, suchten viele Hilfe – oft aus Scham oder Stolz erst sehr spät. Durch hohe Energie-, Lebensmittel- und Mietkosten bleibe vielen Menschen kaum finanzieller Spielraum. Wenn man die Kinder nicht einmal mehr ins Kino einladen kann, komme für Viele erst der Punkt, an dem sie sagen: So kann es nicht weitergehen, erzählt Peter Zernechel.
Barrierefreie Wohnungen fehlen besonders
Als besonders kritisch bewertet der Sozialverband die Lage für Menschen, die auf barrierefreien Wohnraum angewiesen sind. Zernechel spricht von einem „Flaschenhals“: „Wir haben zu wenig barrierefreien Wohnraum. Barrierefreiheit wird oft als Nice-to-have angesehen, dabei betrifft sie irgendwann jeden.“ Die UN-Behindertenrechtskonvention sehe Barrierefreiheit bereits als Verpflichtung, sagt er. Hier sähe er die Politik in der Verantwortung.
Auch Vermieter:innen seien gefordert
Neben staatlichen Maßnahmen verweist der Sozialverband auf die Rolle der Wohnungsunternehmen – aber auch privater Vermieter:innen. „Alle sind gefordert, kluge Ideen zu entwickeln und gemeinsam zu verfolgen, dass mehr gebaut wird.“ Eigene SoVD-Wohnungsbaugesellschaft in Hannover und Hamburg lägen bewusst unter dem lokalen Mietspiegel, betont Zernechel, was schwierig zu halten sei, da auch dort steigende Kosten spürbar seien.