#besserwohnen

Angst vor der Wohnungskündigung: Warum viele Mieter:innen lieber schweigen

Kalte Heizung, Wasserschaden – und trotzdem sagen viele Mieter:innen nichts. #besserwohnen zeigt: Die Angst vor Kündigung oder Mieterhöhung ist da.

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Stand

Seit dem Start der ARD-Mitmachaktion #besserwohnen Ende Oktober haben über 700 Mieterinnen und Mieter ihre Erfahrungen geteilt - auf der Karte oder über die Mailadresse besserwohnen@ard.de. Die Berichte zeigen ein beunruhigendes Bild: Viele Menschen verzichten darauf, ihre Rechte einzufordern, weil sie eine Mieterhöhung oder sogar den Verlust ihrer Wohnung fürchten.

„Aus Angst, die Wohnung zu verlieren …“

Die Einsendungen sind teilweise anonym, nicht repräsentativ – aber eindringlich. Immer wieder beschreiben Menschen, wie sie Missstände hinnehmen, um keinen Konflikt mit den Vermieter:innen zu riskieren. Hier drei Beispiele:

Wasserschäden werden nicht repariert. Man erhält keine Antwort. Aus Angst die Wohnung zu verlieren, traue ich mich nicht, die Miete trotz Wasserschaden zu kürzen oder rechtliche Schritte zu gehen.

Paar sitzt zwischen Umzugskartons
Raus aus der Wohnung - wenn die schlimmsten Befürchtungen eintreffen. iStock

Der Vermieter will uns loswerden, da wir zu den Nebenkosten etwas zu meckern gehabt haben. Die Rechte als Mieter werden absolut nicht beachtet und es gipfelt in einem Nervenkrieg.

Heizkörper werden a) nicht warm und versorgen b) nicht mit Temperaturen über max. 17 Grad. Die Eigenbedarfskündigung habe ich erhalten, nachdem ich mir deswegen einen Anwalt genommen habe

Diese Berichte stehen exemplarisch für viele andere. Sie erzählen von Unsicherheit, Ohnmacht – und einem Alltag, in dem Wohnen nicht mehr selbstverständlich Sicherheit bedeutet. Jutta Hartmann, Pressesprecherin des Deutschen Mieterbundes kennt die Sorge von Mieter:innen vor Kündigung:

Ein strukturelles Problem – kein Einzelfall

Für den Deutschen Mieterbund, der die Aktion gemeinsam mit der ARD auswertet, sind die Ergebnisse daher ein deutliches Warnsignal.

Viele Mieterinnen und Mieter verzichten aus Angst vor Kündigung oder Mieterhöhung darauf, ihre berechtigten Rechte wahrzunehmen. Wenn Menschen Schimmel, Wasserschäden oder Heizungsausfälle hinnehmen, nur um keinen Konflikt zu riskieren, ist das ein Alarmzeichen für ein massives Machtungleichgewicht auf dem Wohnungsmarkt.

Deswegen rät der Deutsche Mieterbund die Rechte, die Mieter:innen in Deutschland haben, auch wahrzunehmen.

Auch der Deutsche Städtetag, einer der Unterstützer der ARD-Mitmachaktion, sieht dringenden Handlungsbedarf:

Die gut 700 Erfahrungsberichte zeigen, wie unterschiedlich Wohnen in Deutschland erlebt wird – von zufriedenen Mieterinnen und Mietern bis hin zu Menschen, die Angst haben, ihre Wohnung künftig nicht mehr bezahlen zu können oder sie ganz zu verlieren.

Warum Mitmachen jetzt besonders wichtig ist

Die ARD-Mitmachaktion #besserwohnen ist keine wissenschaftliche Studie, aber sie zeigt ein Stimmungsbild aus dem Alltag. Der gemeinsam mit dem Deutschen Mieterbund entwickelte Fragebogen fragt zum Beispiel:

  • Was haben Sie bei der Wohnungssuche erlebt?
  • Wie ist Ihr Verhältnis zur Vermieterseite?
  • Haben Sie schon mal auf einen Umzug verzichtet?

Je mehr Menschen teilnehmen, desto klarer wird, wie Wohnen in Deutschland tatsächlich erlebt wird.

Abschlussdoku am 31. März – Eure Erfahrungen zählen

Die Ergebnisse der Mitmachaktion fließen in die ARD Story „#besserwohnen – Wie können wir die Mietkrise stoppen?“ ein. Die Doku läuft am 31. März 2026 um 22:50 Uhr im Ersten und ist schon vorher in der ARD Mediathek zu sehen.

Bis bis zum 6. April 2026 gilt: Mitmachen und die eigene Geschichte teilen.

Erstmals publiziert am
Stand
Onlinefassung
Andrea Wieland