Für den Weg zur Hochschule Karlsruhe steigt Prof. Jochen Eckart morgens aufs Fahrrad. Für längere Strecken nutzt er Bus und Bahn. „Das ist für mich die Zukunft: Multimobilität“, sagt der Professor für Verkehrsökologie. Seit Mai 2023 begleitet er wissenschaftlich die ARD-Mitmachaktion #besserBahnfahren, um herauszufinden, wie zufrieden Menschen in Deutschland mit dem öffentlichen Nahverkehr sind – und was sich ändern muss.
Verkehrswende heißt Mobilitätswende
Wenn er den Begriff „Verkehrswende“ hört, denkt Eckart an etwas anderes: „Ich denke an den Begriff Mobilitätswende, denn das ist für mich der Kern: Den Menschen Mobilität zu ermöglichen.“
Mobilität bedeute, die Möglichkeit zu haben, unterwegs zu sein – egal ob zur Arbeit, in eine Kneipe oder zum Wandern. „Der Verkehr, der dabei entsteht, ist eigentlich nur Mittel zum Zweck, eventuell sogar nur das lästige Übel.“
Seit 2015 lehrt Eckart Verkehrsökologie an der Hochschule Karlsruhe. Gemeinsam mit dem Baden-Württemberg Institut für Nachhaltige Mobilität (BWIM) und der Universität Konstanz wertet er die Daten der Aktion aus. Schon 2021 hatte er die SWR-Mitmachaktion #besserRadfahren begleitet.
Mit dem Smartphone das passende Verkehrsmittel wählen
Für Eckart steht fest: „Anstelle des Autos steht uns bereits heute ein ganzes Repertoire an Möglichkeiten zur Verfügung: zu Fuß gehen, mit dem Rad fahren, Car-Sharing, Bus und Bahn.“ Die Vision: All das per Smartphone organisieren und je nach Zweck flexibel nutzen.
Doch vielen Menschen sei das zu kompliziert. „Natürlich würden wir nicht jeden Tag neu wählen. Verkehr ist stark durch Gewohnheit geprägt.“ Wer immer mit dem Auto zur Arbeit fährt, nehme oft gar nicht wahr, dass sich das Angebot an Bussen und Bahnen verbessert hat. „Die Menschen sollten bereit sein, eine Alternative auszuprobieren.“
Deutschlandticket als Chance – aber nicht als alleinige Lösung
Ob das Deutschlandticket ein Anlass sein kann, den ÖPNV zu testen? „Alle, die bisher nicht darüber nachgedacht haben, ob der öffentliche Nahverkehr eine Alternative ist, werden jetzt auf das Thema gestoßen“, sagt Eckart. Weil es als Abo konzipiert ist, steige die Chance, dass die Nutzung zur Gewohnheit werde.
Doch der Preis allein werde nicht reichen, um das Mobilitätsverhalten zu ändern: „Es gibt noch viele andere Gründe, wie Komfort, Bequemlichkeit oder Fahrzeiten.“ Wichtig sei, zu erfahren, welche Prioritäten die Teilnehmenden von #besserBahnfahren setzen – in Ballungsräumen wie auf dem Land.
ÖPNV zwischen Realität und Zukunft
Dass mehr Menschen auf Bus und Bahn umsteigen, sei angesichts der Klimakrise entscheidend. „Einerseits ist der öffentliche Nahverkehr ein zentraler Baustein unserer zukünftigen, klimafreundlichen Mobilität. Gleichzeitig ist die Kritik hoch: Könnte pünktlicher sein, öfter fahren.“ Dabei sei der ÖPNV oft besser als sein Ruf, betont Eckart. In den letzten Jahren habe es etwa mehr Fahrten am frühen Morgen und späten Abend gegeben.
Trotzdem müsse noch viel passieren. Welche Schwerpunkte gesetzt werden müssen, damit der ÖPNV seine Rolle in der Zukunft erfüllen kann – darauf hofft Eckart Antworten aus den mehr als 6.000 Beiträgen der Aktion #besserBahnfahren.