Als der Sänger Orpheus seine Braut Eurydike am Hochzeitstag durch ein tragisches Unglück verliert, nimmt er den Kampf mit der Unterwelt auf: Er steigt hinab, betört Hades und Persephone mit seinem Gesang. Aber dann … Orpheus dreht sich um, weil er die Schritte seiner Frau hinter sich nicht hört. Und so verliert er Eurydike, noch bevor er sie vollends zurückholen konnte. Die Geschichte von Orpheus erzählt von einem tragisch scheiternden Musiker, und sie hat unzählige Künstler zu Fantasien und Nacherzählungen inspiriert. Eine der prominentesten und schönsten hat Claudio Monteverdi geschaffen: Sein L’Orfeo, eine der ersten Opern der Musikgeschichte, entstand 1607 in einer Zeit großer Antike-Begeisterung und verhandelt wie die griechische Sage die großen Fragen der Menschheit. Welche Grenzen sind uns gesetzt, und ist es möglich, sie zu überwinden? Welche Macht hat der Tod über das Leben, was bewirken Liebe und Hoffnung?
Beim Abschluss des 2017 in Mannheim begonnenen Monteverdi-Zyklus fokussiert Regisseur Markus Bothe auf die Künstlerthematik des Stücks. Das Ensemble il Gusto Barocco unter der Leitung des Schwetzinger Residenzkünstlers Jörg Halubek verbindet als Teil der Szene historische Expertise mit höchster Lebendigkeit und trennt die Klangwelt wirkungsvoll in zwei Sphären: hier das Leben (mit Streichern, Blockflöten und hell besetztem Bass), dort der Tod (mit Posaunen, Zinken und mit Regal und Orgel für den Bass).
Tenor Julian Prégardien ist in dieser Produktion mit einer der schönsten Opernarien zu erleben: Mit Possente spirto erweicht Orfeo das Herz des dunklen Fährmanns Charon.
Eine Koproduktion des Nationaltheaters Mannheim mit den Schwetzinger SWR Festspielen
Mit freundlicher Unterstützung der FUCHS SE sowie von Manfred und Lilo Fuchs
Der Monteverdi-Zyklus am Nationaltheater Mannheim wird gefördert durch die Baden-Württemberg Stiftung.
Orfeo-Schwerpunkt
Rund um Claudio Monteverdis „L’Orfeo“ war bei den Schwetzinger SWR Festspielen 2026 ein Orpheus-Schwerpunkt zu erleben. Neben der szenischen Umsetzung der Oper gab es auch eine aus heutiger Perspektive gedeutete rein instrumentale Version des Ensembles Continuum rund um die Cembalistin Elina Albach. Darüber hinaus widmete sich Jörg Halubek, Residenzkünstler der Schwetzinger SWR Festspiele 2026, mit seinem Ensemble il Gusto Barocco der viel zu wenig beachteten Frau an Orpheus’ Seite: Eurydike. Und erneut war es Julian Prégardien, der in einer anderen Opernversion des Orpheus-Stoffes dem Helden seine Stimme verlieh, nämlich in Arien aus Joseph Haydns L’anima del filosofo ossia Orfeo ed Euridice.
Einblicke in die Opernproduktion
Studierende von Prof. Dr. Nanna Schmidt am Institut für Musikjournalismus an der Hochschule für Musik Karlsruhe haben Beteiligte der Schwetzinger Produktion von Monteverdis „L’Orfeo“ zu den Hintergründen der Oper befragt. In drei Kurzfilmen beleuchten sie die Themenkomplexe „Wer ist Orfeo?“ (Startzeit: 0:00), „Wie klingt L’Orfeo?“ (Startzeit: 4:04) und „Was zeigt L’Orfeo?“ (Startzeit: 9:13).