⚠️ In diesem Video geht es um sexualisierte Gewalt. Wenn es dir mit dem Thema nicht gut geht, schau dir das Video nicht oder nicht allein an.
Muss ich mich dafür schämen, dass ich aus einer Vergewaltigung stamme? Kann ich was dafür?
Wer bin ich und wo komme ich her?
Dominik ist 51 Jahre alt und Vater von vier Kindern. Seit seiner Kindheit trägt er eine Frage mit sich: Wer bin ich und wo komme ich her? Denn er ist adoptiert.
In der Silvesternacht 1973/74 wird Dominiks leibliche Mutter mit 18 Jahren in einer Unterführung in Stuttgart vergewaltigt. Monatelang verheimlicht sie die Schwangerschaft. Der einzige Mensch, dem sie sich mitteilen konnte, war das ungeborene Kind in ihr: Dominik.
„Das darf niemand erfahren, sonst wirst du abgestempelt.”
Mit sechs Monaten kommt Dominik in eine Adoptivfamilie. Seine Adoptivmutter sagt ihm früh, dass er adoptiert ist, und später auch, dass er bei einer Vergewaltigung gezeugt wurde. Das macht etwas mit Dominik, auch weil seine Adoptivmutter ihm rät, dass er das am besten verheimlichen sollte. „Das darf niemand erfahren, sonst wirst du abgestempelt”, erinnert sich Dominik heute an ihre Worte. Ein Satz, der sich für immer einbrennt. Das Gefühl, dass etwas nicht stimmt mit ihm. Und eine Frage, die ihn nicht loslässt: Ist sein Vater ein Monster? Und wenn ja, was bedeutet das für ihn selbst?
„Ich bin kein Monster.”
Mit 18 geht Dominik gemeinsam mit seiner Adoptivmutter zum Jugendamt. Er findet seine leibliche Mutter. Die beiden bauen ein Verhältnis auf. Die Frage nach dem Vater bleibt aber bis heute. Doch mittlerweile weiß Dominik: „Ich bin kein Monster. Ich bin ein empathischer Mensch.” Schritt für Schritt hat er sich diese Antwort erarbeitet, als Vater, als Lehrer und als Mensch. „Mir war es immer wichtig, dass meine Kinder sich nie fragen müssen, keine Sekunde lang, ob sie geliebt werden.” Dominik erzählt seine Geschichte auch, um diesem Thema eine Bühne zu geben. „Ich will mich gleichzeitig verstecken mit dem Thema und gleichzeitig möchte ich auch darüber reden, weil ich glaube, dass es eben sehr, sehr viele Menschen gibt, die so einen ähnlichen Background haben und nie darüber sprechen.”
Wenn du von sexualisierter Gewalt betroffen bist: Beim „Hilfe-Portal Sexueller Missbrauch” findest du online oder unter der 0800 2255530 Hilfe. Außerhalb der Telefonzeiten gibt es zudem beim Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen” rund um die Uhr anonyme und kostenlose Beratung: 116 016.
Mehr zum diesem Thema:
Missbraucht: Claudia wurde nicht geglaubt
Ein Pfarrer missbraucht über Jahrzehnte Kinder. Eines der Opfer ist Claudia aus Ransbach-Baumbach. Sie versucht ihr Trauma zu überwinden und setzt sich für andere Betroffene ein.
Jeanette erlebt 30 Jahre Gewalt von ihrem Mann
Jeanette lebt 30 Jahre in einer gewalttätigen Beziehung. Ihr Mann droht: Ich werde den Kindern etwas antun, wenn sie gehe oder mit irgendjemand darüber spreche. Während dem Terror zuhause, arbeitet Jeanette in der Prävention und hilft anderen Opfern. Durch ein Schicksal einer ebenfalls Betroffenen, schafft auch Jeanette sich endlich von der häuslichen Gewalt zu befreien.
Mehr zu SWR Heimat:
“Manchmal muss ich auch weinen” - Melli arbeitet als Pflegekraft im Hospiz
Melli arbeitet im Hospiz in Stuttgart als Palliativpflegekraft. Ihre Aufgabe: Menschen, die krank sind bis zu deren Tod pflegen. Ein Job, der mit sehr vielen Gefühlen kommt.