Aus Liebe zu Opa Cemal: Barış eröffnet Café als Hommage an seinen Großvater

Cemal (92) und sein Enkel Barış (31) aus Mannheim verbringen viel Zeit zusammen – auch in dem Café, das Barış seinem Opa gewidmet hat. Sie erzählen, wie ihre enge Bindung entstanden ist.

Teilen

Stand

Von Autor/in Corinna Jähn, Seher Cetinkaya

Er hat keine Freunde mehr in seinem Alter, die noch am Leben sind. Dadurch, dass wir jetzt öfter rausgehen, kennen ihn jetzt wieder viele, auch die Leute in meinem Alter. Wenn sie ihn sehen, grüßen sie ihn oder sagen mir Bescheid: Wir haben deinen Opa gesehen.

Opa Cemal kommt als Gastarbeiter nach Deutschland 

Cemal (92) kommt 1962 als sogenannter Gastarbeiter nach Deutschland. 1994 wird sein Enkel Barış in Wien geboren. Obwohl die Großeltern Barış oft besuchen, entsteht kein besonders enger Kontakt – auch nicht, als Barış später nach Mannheim in die Nähe seiner Großeltern zieht. Im Januar 2022 stirbt Barış’ Onkel plötzlich an einem Herzinfarkt. Dieses Ereignis verändert vieles: Die Beziehung zwischen Barış und seinem Großvater wird enger: „Das war so eine Zeit, da wollte ich eigentlich weg. Dann hab ich mir gesagt: Ich kann jetzt nicht weg.”

Quality-Time mit Opa: Gemeinsam Kaffee trinken

Seit dem Verlust von Cemals Sohn im Jahr 2022 verbringt Barış viel Zeit mit seinem Opa. Was Cemal seinem Enkel bedeutet? „Darüber habe ich mir Gedanken gemacht, weil wir nicht so eine krasse Bindung hatten, als ich ein Jugendlicher war. Er ist tatsächlich wie mein bester Freund”, erzählt der 31-Jährige. Die beiden sehen sich fast täglich: „Ich fahre ihn zum Arzt, hole seine Medikamente, alles, was er braucht eigentlich.“

Was die beiden verbindet, ist das gemeinsame Kaffeetrinken – auch wenn Cemal anfangs nicht besonders begeistert davon ist. Er erzählt, er habe damals angefangen zu arbeiten, um in Deutschland Geld zu verdienen und später in die Türkei zurückzukehren. Deshalb habe er darauf geachtet, kein unnötiges Geld auszugeben. Im August 2025 eröffnet Barış schließlich sein eigenes Café namens „Kalo“, das er seinem Opa widmet. Er erklärt, dass „Kalo“ im kurdischen „Opa“ bedeute.

Mein Enkel ist für mich wie mein eigenes Kind. Ich liebe ihn. Ich helfe ihm und wenn er etwas braucht, gebe ich es ihm. Er hilft mir auch, er denkt immer an mich.

Barış ist Barista, Student und Musiker

Neben seiner Arbeit als Barista studiert Barış Global Music in Mannheim. Er spielt Bağlama/Saz, ein anatolisches Saiteninstrument, wie er erklärt. „Wir sind Aleviten und in unserem Kulturkreis ist das immer ein Teil von unseren Zeremonien. Und damit bin ich eigentlich groß geworden. Ohne diese Musik wäre ich vielleicht nicht der Mensch, der ich heute bin. In den Texten werden viele Sachen, viele wichtige Zitate und Themen angesprochen, die uns eigentlich zu einem besseren Menschen machen sollten. Ich lebe meine Kultur nicht 100%ig aus, aber was ich 100%ig auslebe, ist die Musik von unserer Kultur.” Obwohl Opa Cemal kein Musiker ist, hört er Barış gerne zu. 

Barış’ Rat: Mehr Zeit mit den Liebsten verbringen 

Durch die gemeinsame Zeit mit seinem Opa und den Tod seines Onkels hat Barış einiges gelernt: „Wenn ich einen Tipp geben darf: Verbringt auf jeden Fall Zeit mit euren Liebsten. Es passieren so viele Dinge im Leben, auch in der Familie. Aber man sollte immer vergeben. Wir sind nicht ewig auf diesem Planeten und eine schöne Zeit mit den Liebsten zu haben ist immer gut, auch wenn es manchmal schwer oder anstrengend ist. Es lohnt sich auf jeden Fall.” 

Cedric verbringt viel Zeit mit seinem Opa Gery. Sie befinden sich im Urlaub und im Hintergrund ist ein Gewässer zu sehen. Cedric legt seinen Arm um seinen Opa. Die lachen in die Kamera.

Fallschirmsprung, Helikopterflug & Co.: Opa Gery (89) macht mit Enkel Cedric jedes Jahr Urlaub!

Cedric (30) und Gery (89) aus Aichtal starten gerne gemeinsame Enkel-Opa-Abenteuer. Jedes Jahr fahren sie zusammen in den Urlaub. Das denken sie über die Zukunft:

Stein-Bockenheim
Zwei junge Frauen fahren mit dem Tretroller durchs Dorf.

Mehrgenerationen-Wohnen: Zwei Schwestern lieben das gemeinsame Leben mit den Großeltern

Mehrgenerationen-Wohnen auf dem Dorf: Zwei Schwestern leben mit ihren Großeltern auf einem Hof. Der Zusammenhalt in der Familie ist das Wichtigste für sie.

Die Schwestern Beate und Conni haben ihr Elternhaus in ein Café umgestaltet. Die beiden stehen im Café und tragen dasselbe Outfit. Sie lachen in die Kamera.

Mit Liebe gebacken: Beate und Conni eröffnen Café in ihrem Elternhaus

Die Schwestern Conni und Beate aus Walddorfhäslach haben nach dem Tod ihrer Eltern das Elternhaus in Café im Wohnzimmer verwandelt: „Jetzt darf alles noch mal leben.” 

Tuttlingen
Deborah ist eine Frau Anfang 40, die müde, aber lächelnd in die Kamera schaut. Sie hält ein winziges Baby im Arm.

Plötzlich schwanger Deborah bemerkt es erst im 6. Monat

Deborah aus Tuttlingen glaubt, es sei nur Stress, als ihre Periode ausbleibt. Sie hat mit ihren 3 Kindern alle Hände voll zu tun. Aber dann ist der Schwangerschaftstest positiv.

Morbach
Schwarzer Mann in blauer Kochkleidung steht an Herd.

Mut zum Neustart – Alfredo eröffnet ein Restaurant

Alfredo und seine Frau betreiben viele Jahre ein Restaurant. Dann stirbt Michaela überraschend. Für Alfredo musste ein Neuanfang musste her.

Wir haben den zehnjährigen Toni zufällig getroffen. Er ist von Geburt an blind.

Toni ist von Geburt an blind und hat große Träume

Toni ist 10 Jahre alt und blind. Wir treffen ihn und seine Mutter zufällig in Stuttgart. Er nimmt uns kurz in seine Welt mit und erzählt, was sein Traum ist.

Sprechblase

Erzähl uns Deine Story

Du kennst jemanden, dessen Geschichte wir unbedingt erzählen müssen oder Du hast selbst etwas zu erzählen? Dann sende uns einen Hinweis.

SWR Heimat auf Instagram und TikTok

Folg uns auf Instagram und TikTok

SWR Heimat
💓Wir lieben das echte Leben
🌎Menschen in BaWü & RLP
🎥Geschichten und Gefühle
💫Ganz normal bis abgefahren

Blaues Feld mit einem Symbol für Team

Das Heimat-Team stellt sich vor

Heimat Team

Erstmals publiziert am
Stand
Autor/in
Corinna Jähn
Porträt Corinna Jähn.
Seher Cetinkaya