Ich weiß, ich war immer ein sehr, sehr zorniges Kind gewesen und ich habe auch manchmal so doll geweint, dass mir sogar die Nase geblutet hat.
Der Start ins Leben war für Pascal und seinen Zwillingsbruder geprägt von Gewalt und Verwahrlosung. Die Eltern sind drogenabhängig und können sich nicht richtig um die knapp zweijährigen Kinder kümmern. Von der Polizei befreit, kommen die beiden in ein Krankenhaus. „Wir hatten Filzläuse in den Augenbrauen und in den Wimpern. Das sagt schon deutlich, wie es da ausgesehen haben muss.“
Von einer Kinderkrankenschwester, die sich liebevoll um die zwei Brüder kümmert, werden sie nach Wochen auf der Infektionsstation in Pflege genommen. Zum ersten Mal erfahren sie, was Geborgenheit und Liebe bedeuten.
Wir waren mit Sicherheit nicht einfach, trotzdem durften wir da so sein, wie wir sind. Wir durften unsere Emotionen rauslassen. Und das war das Wichtigste, weil wir dadurch ganz schnell diese Geborgenheit und Sicherheit bekommen haben.
Für die Pflegekinder gibt die Krankenschwester ihren Job auf und ist ganz für die Jungs da. Der Kontakt zu ihrer Herkunftsfamilie ist nie abgebrochen, der leibliche Vater ist mittlerweile verstorben, die leibliche Mutter kämpft noch immer gegen ihre Drogensucht. „Ich denke, da stehen auch noch Gespräche aus.“ Pascal hat noch weitere Geschwister, mit denen er sich heute viel austauscht und seine Erlebnisse verarbeitet. „Ich würde heute nicht hier sitzen, wenn ich nicht therapeutische Hilfe angenommen hätte.“
Nach einem Suizidversuch schmeißt er seinen Job als Werbetechniker hin, macht einen Bundesfreiwilligendienst im Kindergarten und lernt dort auch seine spätere Frau kennen. „Ich bin danach in die stationäre Kinder- und Jugendhilfe. Das war für mich eine ganz, ganz intensive Zeit, weil da die Kinder waren, die eigentlich genau das erlebt haben, was ich erlebt habe. Gerade diesen Kindern und Jugendlichen zu helfen, und denen zu zeigen ‚Ihr seid nicht anders, ihr seid stärker‘ das ist für mich eine Lebensaufgabe, die mir viel bedeutet.“
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