Friseurlehre mit 66 Jahren – John erfüllt sich seinen Traum

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Von Autor/in Julian Borne

Schon als Kind begeistert sich John für Frisuren. Er ist sechs Jahre alt, als er seiner Mutter zum ersten Mal beim Hochstecken ihrer Haare hilft. Von da an geht es weiter mit Dauerwellen, Haare färben und schneiden: „Da mussten alle ran. Meine Oma, meine Schwester, mein Bruder, Freunde, Freundinnen, immer, immer. Weil ich sehr experimentierfreudig bin.“

Sein Berufsweg führt ihn aber erst einmal in eine ganz andere Richtung: John macht eine Ausbildung zum Bankkaufmann. Privat verfolgte er seinen Traum jedoch weiter. „Vom Achtjährigen, der zu Fastnacht blaue Haare haben wollte, bis zu meiner Mutter, die irgendeine Tönung gebraucht hat, habe ich schon immer alles gemacht.“, sagt er.

Aushilfe im Salon seines Mannes

Mitte der 90er lernt John seinen Mann Metin kennen. Auch er schult 2003 zum Friseur um. Metin ist inzwischen Handwerksmeister und unterrichtet gelegentlich an einer Berufsschule. John hilft bis zu seinem Ruhestand immer wieder im gemeinsamen Salon aus. Außerdem absolviert er über die Jahrzehnte zahlreiche Fortbildungen. Unter anderem zum Make-up-Artisten und Kosmetiker.

2022 geht John in den Ruhestand. Nun hat er Zeit, sich endlich seinen Kindheitstraum zu erfüllen. Die Zertifikate der Fortbildungen ermöglichen es ihm, den Antrag für eine außerordentliche Gesellenprüfung zu stellen. Als John die Zulassung bekommt, gibt er alles. „Er hat in den ganzen Monaten wirklich Tag und Nacht geübt und gelernt. Die Theorie ist auch sehr umfangreich“, erinnert sich sein Mann Metin.

Kurz vorm Ziel überlegt er abzubrechen

Doch vier Wochen vor der Prüfung spielt John mit dem Gedanken aufzugeben: Teile der Prüfungsordnung wurden geändert. Er muss innerhalb kürzester Zeit eine komplett neue Schnitttechnik einüben. Metin ermutigt John weiterzumachen. Und John zieht durch! Im Sommer hält er dann den Gesellenbrief in den Händen.

Bis 77 würde ich es gerne machen. Wenn ich nicht anfange zu zittern oder wenn irgendwie hier was klemmt an den Gelenken. So zehn Jahre, dafür hätte sich der Aufwand gelohnt. Und wenn es länger geht, mache ich es auch noch länger.“

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