Donaueschinger Musiktage | Werke des Jahres 2026

Éliane Radigue: OCCAM XXV zêta

Konzertinstallation für Orgel und Blasinstrumente. Uraufführung bei den Donaueschinger Musiktagen 2026.

Werkkommentar

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Stand

Nach "Occam Océan", ihrem Stück für ONCEIM, ist "OCCAM XXV" das zweite Werk von Éliane Radigue – einer ikonischen und historischen Figur der französischen zeitgenössischen Musik –, das Frédéric Blondy gewidmet ist. Dieses Werk steht in einer besonderen Beziehung zur elektronischen Musik der Komponistin, da die Orgel als gewaltiger Vorläufer des Synthesizers zu sehen ist, für den der Großteil ihres OEuvres geschaffen wurde.

An der Schnittstelle zwischen minimalistischen, elektronischen und spektralen Strömungen ist Éliane Radigues Musik ein faszinierendes Erlebnis von Zeit und Raum. Sie besteht aus weiten Vibrationsströmen und ist zugleich monumental und diskret. Wie ein Spiegel für den Geist offenbart sie "diese seltsamen Ufer unseres ignorierten Friedens", wie es der Pianist und Komponist Gérard Frémy formulierte. Seit ihren frühen Kompositionen Ende der 1960er Jahre hat sie ein einzigartiges, unabhängiges Werk geschaffen, das sich nicht von vorherrschenden ästhetischen Strömungen einschränken lässt. Als Pionierin der elektronischen Musik arbeitete sie bis zum Jahr 2000 ausschließlich in diesem Bereich. Danach beschäftigte sie sich mit den akustischen Klängen klassischer Instrumente.

Durch seinen immersiven Charakter ist dieses Orgelwerk zu einem der ikonischsten Stücke von Éliane Radigue geworden. Durch seine einzigartige Klangfarbenvielfalt ist es neben "Occam Océan" wahrscheinlich das Instrumentalwerk, das am stärksten mit ihrer elektronischen Musik im Einklang steht. "OCCAM XXV" wurde als Stück für Soloorgel am 13. Oktober 2018 in London uraufgeführt und erlebt nun in einer erweiterten Form für Orgel und Blechblasinstrumente als "OCCAM XXV zêta" bei den Donaueschinger Musiktagen 2026 seine posthume Uraufführung.

Die Musik von Éliane Radigue ist ein körperliches und zeitliches Erlebnis. Sowohl akustisch wie organisch besitzt sie eine starke spirituelle Dimension, die ihr einen kraftvollen und meditativen Charakter verleiht. Sie versetzt einen in Staunen. Es ist, als blicke man in den Himmel, in dem überall Sterne funkeln; man spürt eine Art Beständigkeit, obwohl alles in Bewegung ist.
ONCEIM

English

After "Occam Océan", her piece for ONCEIM, "OCCAM XXV" is the second work by Éliane Radigue – an iconic and historic figure in French contemporary music – dedicated to Frédéric Blondy. This magnificent work holds a special resonance with the composer's electronic music, as the organ stands as a monumental precursor to the synthesizer, on which the majority of her oeuvre was crafted.

At the crossroads of minimalist, electronic, and spectral currents, Éliane Radigue's music is an enchanting experience of time and space. Composed of expansive flows of vibrations, it is both monumental and infinitely discreet. Like a mirror for the mind, it reveals "these strange shores of our ignored peace", as written by the pianist and composer Gérard Frémy. Since her early compositions in the late 1960s, she has developed a uniquely independent body of work, unconstrained by prevailing aesthetics. A pioneer in electronic music, she exclusively worked with this medium until 2000. Since then, she worked with the acoustic sounds of classical instruments.

With its masterful, enveloping, and highly immersive dimension, this organ work has become one of Éliane Radigue's most iconic pieces. Endowed with a truly unique timbre richness, it is probably, alongside Occam Océan, the instrumental work that resonates most with her electronic music. "OCCAM XXV" premiered as a piece for solo organ on October 13, 2018, in London, and has now its posthumous premiere in an expanded version for organ and brass instruments, titled "OCCAM XXV zêta", at the Donaueschinger Musiktage 2026.

Éliane Radigue's music is a physical and temporal experience. Both acoustic and organic, it carries a strong spiritual dimension that imparts a powerful and meditative character. It marvels. It's like gazing at the sky with stars twinkling everywhere; there's a sense of permanence even though everything is in motion.
ONCEIM